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Überlegungen von Pravit Rojanaphruk

Überlegungen von Pravit Rojanaphruk

Der thailändische Journalist Pravit Rojanaphruk, der bei der englischsprachigen Tageszeitung „The Nation“ arbeitete wurde zweimal von der Militärregierung „zum Gespräch eingeladen“. Nach dem zweiten Mal verlor er seinen Arbeitsplatz bei „The Nation“ und berichtete in seiner letzten Kolumne dort über seine Erlebnisse, die er während des „Gesprächs“ mit Militäroffizieren machte. Pravit wechselte nach seiner Entlassung zu „Khao Sod“ und schreibt jetzt dort Kolumnen. In seiner ersten Kolumnen für „Khao Sod“ geht es um das neue Normale.
Sind es 15, 16 oder vielleicht 17 Monate, die wir unter einer Militärherrschaft leben? Einige, dazu zähle ich mich auch, haben das Zeitgefühl verloren, seitdem das Militär im Mai 2014 putschte. Und wir haben keine Ahnung, wie viele Jahre wir noch aushalten müssen.
Während die Herrschaft von General Prayuth Chan-ocha länger andauert als ursprünglich angekündigt, haben jetzt viele resigniert und fühlen sich hilflos. Sie akzeptieren das neue „Normale“ für die Nation. In den ersten Monaten provozierte er einen Aufschrei, als er drohte, unliebsame Journalisten hinzurichten zu lassen. Als er kürzlich sagte, er werde Thailand vom Rest der Welt abschotten, gab es nur noch ein Schulterzucken.
Doch so ein Gefühl sollten wir nicht entwickeln.

Ich weiß, da gibt es Millionen, die die Militärregierung unterstützen und kein Problem damit haben, dass ihre Rechte oder die anderer beschnitten werden, aber wir sollten das nicht übergeneralisieren und annehmen, dass alle Thais das gut finden.
Unter dem neuen „Normalen“ wurden uns einige bürgerliche und politische Grundrechte gegen unseren Willen weggenommen.
Können wir wirklich als neue Normalität akzeptieren, dass Zivilisten wegen Verstöße gegen die innere Sicherheit vor Kriegsgerichte gestellt werden?
Kann die Festnahme von Kritikern und politischen Gegnern ohne Anklage, versteckt in Euphemismen wie „Änderung der Einstellung“, oder die Einziehung von Reisepässen, die Kritikern gehören, jemals verziehen werden?
Kann es als normal angesehen werden, wenn Studenten, die friedlich gegen die Militärregierung demonstrierten, im Gefängnis landen?
Kann die Beschneidung der Rechte von Dorfbewohnern, die wegen ihrer Missernten demonstrieren oder sich darüber beschweren, als Normalität betrachtet werden?
Können Routinebesuche von Militäroffizieren in Uniform bei Regierungskritikern als vernünftig bezeichnet werden?
Und wie kann die Militärregierung, die sich selbst Nationaler Rat für Ruhe und Ordnung nennt, Redakteure zu Gesprächen einladen und sie um „Kooperation bitten“, und dann erwarten, dass sie von Journalisten als normal toleriert wird?
Das sind wahrlich abnormale Zeiten.

Vor Kurzem wurde der Verfasser dieser Kolumne von der Thammasat Universität eingeladen, um in der Fakultät Journalismus und Massenmedien zu dozieren. Nach etwa der Hälfte meines Vortrages stellte mir der amerikanische Dozent, der mich freundlicherweise eingeladen hatte, eine Frage. Da ich zweimal von der Militärregierung ohne Anklage festgehalten wurde, fragte er, ob es legal für mich sei, wenn ich vor seiner Klasse einen Vortrag hielte?
Ist es schon so weit gekommen?
Verstehen Sie Joel Gershon, den Akademiker an der Thammasat Universität, nicht falsch. Als ich das Thema auf meiner Facebook-Seite ansprach, antwortete er: „Ich stellte Ihnen diese Frage während des Unterrichts wegen dieser verrückten Situation, in der sich Thailand befindet, unter dieser Diktatur, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung immer weiter eingeschränkt wird. Ich wollte ehrlich herausfinden, ob Sie, der Sie zweimal in Haft waren, offiziell angewiesen wurde, sich an solchen Veranstaltungen nicht zu beteiligen.
Das „Normale“, das wir nicht aus den Augen verlieren, selbst wenn das Militär 30 oder 40 Monate herrscht, ist, wenn niemand die Frage stellt, weshalb ein Journalist vor Journalistikstudenten über Journalismus spricht.
Aber das ist Thailand, und immer mehr Juntaland.

Obwohl das so ist, machen einige Medien weiter und berichten über die Militärregierung, als ob es sich um eine normale Regierung handelt, und geben vor, das Abnormale sei nur eine Form des Normalen.
Die Frage, ob das Regime legitim an der Macht ist, ist für viele kein Thema mehr, sie zucken die Schultern und sehen es als vollendete Tatsache an.
Diejenigen von uns, die versuchen, unseren Verstand zu behalten, indem wir uns ständig sagen, dass unter dieser neuen Norm nichts normal ist, müsse ganz bestimmte Taktiken anwenden. Einige protestieren auf der Straße, auch wenn sie riskieren, verhaftet und festgehalten zu werden. Andere benutzen soziale Medien, um ihre Trauer und Ängste bekannt zu machen, obwohl auch sie riskieren, verhaftet und festgehalten zu werden.
Wenn die Leute aufhören, sich zu erinnern, sollten sie nicht die Militärherrschaft als normal akzeptieren, es besteht das Risiko, das Thailand ein ständiges Juntaland wird, ein Ort, an dem Bürger ohne Grundrechte und Freiheiten zu Untergegeben degradiert werden, die von nicht gewählten Generälen befehligt werden.

Um die erste Kolumne nicht mit so einem Tiefschlag enden zu lassen, hier ein bittersüßer Witz, den kürzlich jemand auf Facebook veröffentlichte. Es ging um eine sarkastische Äußerung, wenn die Polizei nach dem Personalausweis fragt: „Warum sollte ich ihn bei mir haben, wenn ich keine Bürgerrechte mehr habe? Mir wurde alles geraubt.

Beitragsquelle : http://www.khaosodenglish.com/detail.php?newsid=1446833596

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