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Twitter: Unsichtbare Konten

Twitter: Unsichtbare Konten

In keinem Land der Welt werden bei Twitter so viele Konten zurückgehalten (withheld) wie in Deutschland. Sogar in Russland und in der Türkei wird weniger zensiert.

Whithheld“ heißt in der Regel, dass zurückgehaltene Konten und Postings für User im jeweiligen Land unsichtbar sind.

Die Postings können nur im Ausland gesehen werden, das heißt, in Deutschland zensierte Postings können nicht in Deutschland gesehen werden, in Thailand aber schon, um ein konkretes Beispiel zu nennen.

BuzzFeed berichtete über Twitter und die Kollaboration dieses Unternehmens mit nationalen Gruppen oder Regierungen. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um demokratisch gewählte Regierungen, geschäftsführend tätige oder um Diktaturen handelt.

Das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz des genauso umstrittenen geschäftsführenden Justizministers Heiko Maas (SPD) ist am 1. Januar in Kraft getreten. Seitdem wurden auf Twitter – und nicht nur dort – regelrechte Löschorgien veranstaltet.

Doch schon zuvor wurde in Deutschland, aber auch in Ländern wie beispielsweise Frankreich, viel gelöscht bzw. zurückgehalten, so dass Inhalte nur im Ausland sichtbar wurden. Gleichzeitig beantragte die Türkei bei Twitter, Hunderte von Konten zu sperren – offensichtlich aus politischen Gründen.

Das Sperren von Accounts nennt Twitter „withholding“ oder „zurückhalten“. Alle Inhalte eines solchen Kontos in Deutschland können nicht von Twitter-Usern in Deutschland gesehen werden. Im übrigen Teil der Welt aber schon.

Twitter: Unsichtbare Konten
Twitter: Unsichtbare Konten

Twitter veröffentlicht regelmäßig einen Transparenzbericht, dem zu entnehmen ist, wie viele Anfragen von Regierungen es wegen Kontosperrungen gab und welche Anfragen es seitens Nichtregierungsorganisationen gab. Allerdings ist nie ganz klar, wie viele Konten Twitter aufgrund dieser Anfragen tatsächlich gesperrt hat und welche Kriterien dem zugrunde liegen.
BuzzFeed hat daher selbst Datensätze überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass Anfang des Jahres über 1.700 Twitter-Konten zurückgehalten wurden – in mindestens sieben Ländern: Deutschland, Frankreich, Türkei, Russland, Großbritannien, Brasilien und Indien.

BuzzFeed konnte mit dieser Darstellung einen Blick auf die Twitter-Politik werfen, nämlich wie das Unternehmen mit demokratischen Regierungen, aber genauso mit Diktaturen zusammenarbeitet.

Ganz vorne steht, und das ist vielleicht wirklich eine Überraschung, Deutschland. Die Anzahl der beanstandeten Postings nahm zum Ende letzten Jahres deutlich zu – also in einem Zeitraum, in dem das Netzwerkdurchsetzungsgesetz noch nicht galt. Ende Juni 2017 hatte Twitter in Deutschland 35 Konten zurückgehalten. Im Oktober 2017 waren es schon über 600 Konten, wie BuzzFeed berichtete.

Weder Twitter noch deutsche Behörden wollten das kommentieren. Eine Quelle, die sich mit Twitter auskennt, meinte, dass die Vielzahl der Kontosperrungen mit den Wahlen zusammen hingen, die im September 2017 stattfanden. Genau das hatten auch Leute gesagt, die für „Löschagenturen“ für Facebook arbeiteten.

Das passiert aber nicht nur in Deutschland und bei Wahlen, sondern auch nach terroristischen Anschlägen oder bei Unruhen.

Das erste Konto, das Twitter je zurückgehalten hat, war eines in Deutschland: 2012 blockte das Unternehmen das Konto einer Neonazigruppe. Das Konto kann seitdem in der Bundesrepublik nicht mehr gesehen werden.

Wie in Deutschland, so walzte im Herbst 2017 die Löschwut auch durch Frankreich. Ende Juni hatte Twitter 25 Konten in Frankreich zurückgehalten. Mitte Oktober waren es über 200. Damit liegt Frankreich in Bezug auf diese Zensur, und man kann es drehen und wenden wie man will, es ist ein Eingriff in die Meinungsfreiheit, auf Rang drei.

Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich geht es in den meisten Inhalten zurückgehaltenen Konten um Naziideologie oder um solche, die die linke Seite des politischen Spektrums für rechts hält.

Hinter Deutschland und vor Frankreich auf Platz zwei liegt die Türkei. Die türkischen Behörden sind Weltmeister im Beantragen von Kontosperrungen. Im ersten Halbjahr 2017 stellten die Türken über 2.700 Anträge. Stattgegeben hat Twitter 721 Anfragen. Bei den meisten, nämlich über 600 Konten, handelt es sich um pro-kurdische Gruppierungen, deren Postings in der Türkei nicht mehr zu sehen sind.

Auf den weiteren Plätzen folgen Russland mit 78 dort nicht zu sehenden Konten, Indien mit elf, Großbritannien mit vier und Brasilien mit zwei.

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