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Twin Peaks ist zurück

Twin Peaks ist zurück

Die ersten beiden Staffeln dieser bahnbrechenden Serie von David Lynch liefen Anfang der 90er Jahre. In der Serie wird der Frage nachgegangen, wer das brave Schulmädchen Laura Palmer umbrachte. Schauplatz ist das verschlafene Twin Peaks im US-Staat Washington. Schnell wird klar: Hier sind die Dinge nicht so, wie sie scheinen. Jetzt, 25 später, gibt es eine Fortsetzung.

Beinahe jede Folge endet in einem Musikclub, in dem unterschiedliche Interpreten auftreten. Ich habe das als Aufforderung verstanden, nach jeder Episode in diesen Club zu gehen, ein Bier mit Freunden zu trinken und das gerade Gesehene zu analysieren.

Twin Peaks ist zurück
Twin Peaks ist zurück

In dieser dritten Staffel hat Regisseur David Lynch gemacht, was er wollte. Im Vergleich sind die beiden vor gut 25 Jahren gesendeten ersten beiden Staffeln geradezu kommerziell, um nicht zu sagen Mainstream, obwohl sie damals doch so ungewöhnlich waren, dass sie das Fernsehen revolutionierten und Zuschauern und Serienmachern zeigten, dass es auch anders geht. (Insbesondere dann, wenn bei Krimiserien am Anfang ein Verbrechen geschieht und dies am Ende der Folge aufgeklärt wird.) Dass es inzwischen Serien gibt, in denen über eine Staffel hinweg einem Verbrechen nachgegangen wird – Rekordverdächtig ist hier die erste Staffel von Kommissarin Lund: Das Verbrechen mit 20 Teilen, ist nicht zuletzt Twin Peaks als Vorreiter zu verdanken.

Ich bin sicher, im Internet gibt es inzwischen Dutzende von Seiten, die versprechen, die Serie zu analysieren mit dem Tenor „Twin Peaks erklärt“. David Lynch selbst sagt nie etwas zu seinen Filmen. Er macht keine Audiokommentare und gibt nur selten Interviews. Fragen, was dies oder jenes bedeutet, beantwortet er nicht. Es liegt also bei jedem selbst, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Sein „normalster“ Film ist vielleicht noch Der Elefantenmensch, aber auch hier sind typische Lynch-Elemente dabei. Einigermaßen erklären kann man sich noch Blue Velvet oder Wild at Heart. Völlig unverständlich bleiben seine Kurzfilme oder Eraserhead, Lost Highway und auch Mulholland Drive, um die wichtigsten aufzuzählen. Letzterer enthält auch ein Paradoxon, weil der Schluss gleichzeitig der Anfang ist – nur aus anderer Perspektive erzählt.

Ich habe mir spätestens nach Lost Highway abgewöhnt, verzweifelt nach Erklärungen zu suchen. David Lynch will mit seinen Bildern und mit seiner Inszenierung Gefühle und Stimmungen erzeugen. Diese ausgelösten Emotionen sind meist unbehaglicher Natur. Es gibt aber auch Szenen, die geradezu wahnwitzig komisch sind.

So ist es auch bei Twin Peaks. Die Serie könnte nicht von David Lynch sein, wenn sich problemlos zusammenfassen ließe, worum es hier geht. Denn die Story ist bereits interpretationsfähig.

Zu Lynchs Lieblingseinstellungen gehört ein Zimmer oder ein Raum. Diese Zimmer oder Räume kommen in allen Variationen daher, vermitteln aber immer ein Gefühl des Unwohlseins und der Unbehaglichkeit. Als Zuschauer will ich überall sein, aber nicht in einem dieser Zimmer.

David Lynch
David Lynch

Auch andere Elemente kehren bei Lynch in Variationen immer wieder. Bassgewummere seines Lieblingskomponisten Angelo Badalamenti, Verkehrsunfälle, Maschinen oder Rohre oder andere merkwürdige technische Dinge, Kamerafahrten ins Ungewisse, nächtliche Straßen aus der Perspektive eines Autofahrers und merkwürdige Leute, die merkwürdige Dinge sagen oder auf merkwürdige Weise sprechen oder merkwürdige Sachen tun. Das alles kennt man aus Lynch-Filmen und ist hier auch wieder zu sehen.

Ein weiterer Aspekt dieser Serie ist sicherlich auch das Thema des Alterns. Schauspieler aus den ersten beiden Staffeln sind hier wieder mit dabei. Festgehalten werden kann, dass das Alter kein Freund des Menschen ist. Einige sind in Würde gealtert, andere dagegen kaum wieder zu erkennen. Das Altern zwischen 20 und 45 scheint deutlichere Spuren zu hinterlassen als das Altern zwischen 40 und 65, wobei Hauptdarsteller Kyle MacLachlan, was das anbelangt, von allen noch am Besten davongekommen ist. Und David Lynch selbst. Er sieht aus wie immer.

Abschließend sollte ich anmerken, dass die dritte Staffel mit den ersten beiden eigentlich wenig gemeinsam hat. Theoretisch könnte sie also unabhängig gesehen werden. Sie spielt nicht nur in Twin Peaks, es gibt allerlei Schauplätze, aber freundlicher wird die Serie dadurch nicht. Wer erwartet, bei einem Schauplatz wie beispielsweise Buckhorn, South Dakota, keine bösen Überraschungen zu erleben, kennt David Lynch nicht.

Und daher ist es so, wie es schon immer war: Lynch-Fans werden total begeistert sein. Aber wenn jemand Lynch nicht mag oder mit seinen Geschichten nichts anfangen kann, dann wird sich das auch hier nicht ändern.

David Lynch ist meiner Meinung nach ein Genie. Man mag ihm folgen oder nicht. Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich würde jedenfalls niemandem vorwerfen, wenn er sagt, er könne mit Lynch nichts anfangen, ganz im Gegenteil. Das kann ich ausgesprochen gut verstehen.

Euer

Walter Weiß

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