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Tränen der Regierung

Tränen der Regierung

Es ist nun über einen Monat seit der Einäscherungszeremonie für König Rama IX. vergangen. Während das Königreich versucht, mit dem großen Verlust zu leben und der Zukunft entgegen zu gehen, gab es einen Vorfall, der es lohnt, näher betrachtet zu werden.

Viele Fotos und Videoclips wurden rund um die Einäscherungszeremonie veröffentlicht und kommentiert. Bemerkenswert sind Fotos bzw. Videos von Premierminister General Prayuth Chan-ocha, der sich Tränen aus dem Gesicht wischte.

Die Reaktionen auf den sozialen Medien können wie folgt zusammengefasst werden: Er liebt König Rama IX. wahrhaftig und sorgt auf den Straßen für Ruhe und Ordnung.
Egal welche Vorwürfe es über Machtmissbrauch, Korruption, Missmanagement oder Inkompetenz geben mag, in den Augen vieler Bürger ist all das vergeben oder zumindest entschuldigt, wenn es nicht sofort bestritten wird, indem man nicht so genau hinsieht.
Das ist so, weil die Tränen echt sind, und alle Ruhe und Ordnung wollen. Daher ist er ein Anführer, den Thailand braucht.
Emotionen sind ein mächtiges Ding, und sicherlich waren die Tränen des Premierministers genauso echt wie die Millionen anderer Thais, die den großen Verlust betrauerten. Richtig ist auch, dass es auf den Straßen ruhig ist. Jeder, der die Gewalt und den zivilen Ungehorsam miterlebt hat, sollte von den Vorteilen der Ruhe und Ordnung, die zurzeit auf den Straßen herrscht, überzeugt sein.
Doch zu welchem Preis?
Hier ist ein Zitat, das einem der amerikanische Staatsgründer, Benjamin Franklin, zugeschrieben wird: „Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren.
Es gibt eine Diskussion darüber, worauf Franklin diese Worte gemünzt hat, weil der heutige Kontext ganz anders ist als vor 200 Jahren. Nichtsdestotrotz, in einem Kontext einer liberalen Demokratie haben die Menschen das immer wieder so interpretiert, dass sie für ihre persönliche Freiheit kämpfen, egal, was komme, und ihre Freiheit nicht für Bequemlichkeit und Sicherheit aufgeben wollen.
Doch Franklin war ein amerikanischer Staatsgründer, kein thailändischer. Die moderne Interpretation dieses Zitats geschieht im Geiste westlich-liberaler Politik, die nicht dasselbe ist wie die konservativen, südostasiatischen hinduistisch-buddhistischen, feudalen Traditionen.

Nach über einem Jahrzehnt politischen Kampfes fragen sich viele Beobachter, wie es möglich ist, dass die urbanen Eliten die Demokratie einfach beiseite schieben und eine Diktatur begrüßen. Die Antwort ist sarkastisch und allzu allgemein: Man kann einen Thai aus dem Königreich holen, aber nie das Königreich aus einem Thai.
Das heißt, wir sind die Summe unserer Vergangenheit, das kollektive Gewissen einer Nation oder eines Volkes, dem jahrhundertealte Traditionen bis zum heutigen Tag in der Schule näher gebracht und oft zelebriert werden.
Ein Thai mag im Westen ausgebildet worden sein, er mag sich in allen liberalen und internationalen Dingen gut auskennen, aber er ist immer noch ein Thai. So gesehen, diktieren die Traditionen, wie es im Herzen eines Thais aussieht.
Der Kommunalismus steht über Individualität, Konformismus steht über Unabhängigkeit – und wichtiger als alle Prinzipien ist die Institution der Monarchie.

Im Westen ist Demokratie das gesellschaftliche Gewissen. Liberale und Konservative mögen sich gegenseitig an die Kehle gehen, aber beide glauben an die Demokratie. Selbst faschistische Parteien machen bei demokratischen Wahlen mit. Westliche Demokratien sind seit Jahrhunderten in der Entwicklung, sie kämpfen sich durch Kriege und Zerstörung und triumphieren schließlich. Auch wenn heutzutage immer noch einige die Demokratie in Frage stellen, so ist sie dennoch ein Wert, der geteilt wird.

In Thailand gab es keine Gründerväter, die sich für Demokratie einsetzten. Aber es gibt das Konzept des „Vaters der Nation“. Das sind die Könige der Chakri-Dynastie, angefangen vom ersten bis zum jetzigen König. Außerdem gab es keine zerstörerischen Kriege, die das alte System weggewischt hätten, um es durch ein neues zu ersetzen, wie das in westlichen Nationen oder auch in thailändischen Nachbarländern während der Kolonialzeit passierte.

Wenn man Thailand mit der Achterbahnfahrt westlicher Geschichte der letzten paar hundert Jahre vergleicht, dann hat sich unser Königreich, so wie es heute ist, in den letzten 200 Jahren so gut wie überhaupt nicht verändert.
Das bedeutet aber nicht, dass die thailändische Monarchie und die demokratischen Ideale unvereinbar sind.
Während die Nation versucht, mit dem großen Verlust zurecht zu kommen und Richtung Zukunft geht und Wahlen für November 2018 versprochen wurden, müssen wir verstehen, dass die Traditionen nicht einfach wegradiert und durch Demokratie ersetzt werden können, auch kann nicht erwartet werden, dass die Traditionen sich vor den neuen Idealen verbeugen.
Die thailändische Monarchie und ihr Platz in der Gesellschaft sind nicht mit westlichen Monarchien zu vergleichen. Damit die Demokratie in Thailand erfolgreich sein kann, muss sie sich mit der Macht und dem Prestige der Monarchie arrangieren. Es muss eine Partnerschaft zwischen Demokratie und königlichen Institutionen geben.
Diese neue Partnerschaft wird das Militär nicht nur als Schützer der Monarchie ansehen, sondern auch als Schützer der Demokratie und des Volkes.
Letztere Rolle hat das Militär in der Vergangenheit nicht immer eingehalten.

Natürlich ist das einfacher geschrieben als getan. Sicherlich wird es eine Thai-Style-Demokratie werden, nicht eine nach westlichem Vorbild. Aber damit verhält es sich wie mit dem Mantra für internationale Unternehmen: „Global denken, lokal handeln.“ Die Realität der Traditionen kann nicht ignoriert werden.
In einer Parallelrealität wäre der Regierungschef, der bei der Einäscherung des Königs geschluchzt hat, ein demokratisch gewählter Premierminister gewesen, kein Anführer einer Militärregierung. Aber alternative Realitäten existieren nur in der Phantasie.

Beitragsquelle : http://www.khaosodenglish.com/opinion/2017/11/19/voranai-tears-junta/

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