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Thailändische Medien und die Ethik

Thailändische Medien und die EthikZwei britische Touristen wurden auf der südthailändischen Insel Koh Tao brutal ermordet. Abgesehen davon, dass zumindest anfänglich die Ermittlungen der Polizei zur Farce gerieten, war die Berichterstattung der thailändischen Medien nicht gerade ein Ruhmesblatt.

Die Polizisten, die zuerst am Tatort waren, sagten, die Leichen waren nackt oder spärlich bekleidet, sie hatten schwere Verletzungen davongetragen. Dem 24 Jahre alten Mann war mit einem stumpfen Gegenstand der Schädel eingeschlagen worden. E lebte noch, als er ins Meer geworfen wurde und ertrank. Das weibliche Opfer, 23 Jahre alt, wurde getötet, indem ihr mit einer Hacke ins Gesicht geschlagen wurde.

Das britische Außenministerium bat die thailändischen Behörden um dringende Aufklärung. Die thailändische Polizei wollte anfangs ausschließen, dass es sich bei den Tätern um Thais gehandelt habe mit der Begründung, Thais könnten so ein grausames Verbrechen nicht begehen.

Am Nachmittag des Tattages konnten die Leichen identifiziert werden. Zu diesem Zeitpunkt begannen die thailändischen und internationalen Medien über den Fall zu berichten. Doch die Berichterstattung war sehr unterschiedlich. Da die Angehörigen noch nicht informiert waren, hielten die westlichen Medien die Namen der beiden Opfer zurück, um sicherzustellen, dass die Polizei Zeit hat, sich bei den Verwandten zu melden.

Anders die thailändischen Medien: Diese publizierten sofort Einzelheiten über die Opfer inklusive deren Namen. In mindestens einem Fall wurden sogar ihre Passbilder gezeigt.

Zu diesen Medien gehörten The Nation und Thai PBS sowie die thaisprachigen Zeitungen Post Today, Thai Rath, Krungthep Turakij und ASTV/Manager. Auf der ASTV/Manager-Website waren die Passbilder der Opfer zu sehen. Die einzigen thailändischen Medien, die zunächst nicht die Namen veröffentlichten waren die Bangkok Post und die Khaosod English.

Die Namen von Opern zu veröffentlichen, bevor die Angehörigen informiert wurden, verstößt gegen die journalistische Ethik. Weshalb das so ist, ist selbsterklärend. Eltern wollen nicht aus der Zeitung erfahren, dass ihre Kinder ermordet wurden.

Schlimmer noch: Hilfssanitäter, die für eine lokale Stiftung arbeiteten, machten Aufnahmen von den Opfern und posteten die Fotos der grausam zugerichteten Toten auf Facebook. Es dauerte mehrere Tage, bis diese Bilder wieder verschwanden, bis dahin wurden sie hundertfach geteilt. Auch Polizisten, die am Tatort waren, machten Fotos und veröffentlichten sie auf Facebook.

Es scheint, als ob thailändische Medien nicht gelernt haben, wie man über Opfer berichtet. Oder es nicht lernen wollen. 2013 wurde über das schottische Opfer einer Massenvergewaltigung in Nakhon Si Thammarat berichtet, wobei eine Zeitung sogar den Studentenausweis der Studentin veröffentlichte. Der britische Botschafter Mark Kent sagte damals, dass Medien und Behörden in Bezug auf Opfer diskret sein sollten, insbesondere wenn es sich um ein ernstes Verbrechen handele.

Ein weiteres Beispiel ist die Berichterstattung über ein ethnisches Karen-Mädchen, das von einem thailändischen Ehepaar in Kamphaeng Phet jahrelang eingesperrt und als Sklavin missbraucht wurde. Wenn sie nicht gehorchte, wurde sie geschlagen und mit heißem Wasser verbrüht. (Das HALLO berichtete in der Druckausgabe September 2014.) Die Polizei zog das Mädchen in Gegenwart von Reportern nackt aus, um den Fotografen die Folternarben des Mädchens zu präsentieren.

Die Gefühllosigkeit thailändischer Medien und der Polizei scheint ungebremst weiterzugehen. Dazu gehört auch die Berichterstattung über kleinste Details bei Ermittlungen, von denen man sich manchmal fragt, ob es wirklich notwendig war, diese preiszugeben. Weiterhin stellt sich die Frage, weshalb diese Informationen von den Behörden überhaupt an die Presse weitergeleitet wurden.

In thailändischen Redaktionen sollten man mehr Gefühle aufbringen und genau überlegen, was berichtet wird – vor allem dann, wenn es sich um ein Verbrechen handelt.

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