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Sexuelle Belästigung

Sexuelle Belästigung

In Thailand hat ein bekannter und hoch dekorierter Poet ein Gedicht über die ehemalige Premierministerin Yingluck Shinawatra verfasst, in dem es darum geht, dass er durch ein Wortspiel (das nur auf Thai funktioniert) Ohr mit Vagina austauscht.

Der Dichter nahm ihr Fernbleiben vom Gerichtstermin zum Anlass, die ehemalige Regierungschefin auf ihr Geschlechtsteil zu reduzieren.

Auch in Deutschland hat ein Gedicht für Aufregung gesorgt. Hier hatte nicht der Dichter, sondern das Gedicht einen Preis gewonnen. Die FAZ hatte hierüber berichtet.

Das spanische Gedicht Avenidas von Eugen Gomringer war 2011 in der Weise veröffentlicht worden, indem es an die Südfassade der Alice-Salomon-Hochschule (ASH) in Berlin geschrieben wurde. Das Gedicht wurde von der ASH mit dem Poetik-Preis ausgezeichnet.

Fünf Jahre störte sich niemand an dem preisgekrönten Gedicht, bis sich 2016 Studenten, die jetzt Studierende heißen (und mit diesem neuen Namen hoffentlich besser lernen als in der Vergangenheit), gegen das Gedicht aussprachen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) forderte in einem offenen Brief die Entfernung des Gedichts von der Fassade.

Die Begründung lautete, dass das Gedicht nicht nur eine klassische patriarchale Kunsttradition reproduziere, in der Frauen* [sic!] ausschließlich die schönen Musen seien und männliche Künstler zu kreativen Taten inspirieren, sondern das Gedicht zudem unangenehm an sexuelle Belästigung, der Frauen erinnere, denen diese alltäglich ausgesetzt seien. Das Gedicht, so die Asta weiter, wirke wie eine Erinnerung daran, dass objektivierende und potentiell übergriffige und sexualisierende Blicke überall sein können.

Das reichte der Asta aber noch lange nicht. Der Studierendenausschuss gab zu, dass Gomringer keineswegs Übergriffe oder sexualisierende Kommentare in seinem Gedicht beschreibe, doch erinnere es unangenehm daran, dass Frauen sich nicht in die Öffentlichkeit begeben könnten, ohne für das körperliche Frau*-Sein [sic!] bewundert zu werden. Bewunderung sei häufig unangenehm und führe zur Angst vor Übergriffen und das konkrete Erleben solcher.

Auch das reichte Asta noch nicht. Weiter führte Asta aus, man befürchte angesichts des Gedichts eine Degradierung zu bewundernswürdigen Objekten im öffentlichen Raum, und das mache dem Studierendenverband Angst.

Die Hochschule schritt zur Tat. Nicht etwa, dass die Leitung sagte, die „Studierenden“ sollten sich nichts ins Hemd bzw. in die Bluse machen, sondern sie beschloss die Neugestaltung der Fassade und erbat dafür Vorschläge. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Vorschläge, so wörtlich „nicht diskriminierenden Inhalts“ sind.

Welchen Inhalt hat denn nun das Gedicht Alleen, das im Original Avenidas heißt? Das HALLO will seinen Lesern die diskriminierenden Zeilen nicht vorenthalten, auch wenn die Gefahr besteht, dass das HALLO diskriminierende Gedichte verbreitet:

Alleen. Alleen und Blumen. Blumen. Blumen und Frauen. Alleen. Alleen und Frauen. Alleen und Blumen und Frauen. Und ein Bewunderer.

Sexuelle Belästigung
Sexuelle Belästigung

Das Gedicht ist recht kurz.

Solche Ereignisse sind eigentlich nur schwer zu kommentieren. Was früher als Kunst galt, ist heute verpönt. Bewegt sich Deutschland wieder auf die 1950er Jahre zu mit dem Unterschied, dass es noch konservativer und spießiger zugehen wird, als im Nachkriegsdeutschland?

All das aber unter dem Deckmantel des „Kampfes“ gegen die Diskriminierung. Wenn man früher einer Frau ein Kompliment machte, das diese lächelnd annahm, droht heutzutage eine Strafanzeige wegen Belästigung oder sogar Nötigung. Waren Frauen früher nicht gerne Musen großer Künstler und stolz auf diese Rolle? Wurden nicht wenige von ihnen auf Bildern verewigt und hängen in den schönsten Museen der Welt?

Berühmte Gemälde wie Das Frühstück im Grünen von Edouard Manet (siehe Abbildung) sind heute wohl nicht nur aus Sicht des Studierendenverbandes keine Kunst mehr, sondern reiner Sexismus, der in den Giftschrank oder vernichtet gehören. Diese Entwicklung ist nicht ungefährlich.

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