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Sexuelle Belästigung ist das nicht ganz neue Normal

Sexuelle Belästigung ist das nicht ganz neue Normal

Wieder einmal geriet die staatliche Eisenbahngesellschaft SRT in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, erneut aber aus den falschen Gründen.

Schon wieder geht es um den sexuellen Übergriff auf eine Minderjährige. Eine 15-Jährige wirft einem Fahrkartenverkäufer vor, sie sexuell belästigt  zu haben und handgreiflich geworden zu sein. Sie konnte rechtzeitig Alarm schlagen.

Der Vorfall lässt Erinnerungen an letztes Jahr wach werden, als ein 13 Jahre altes Mädchen vergewaltigt, getötet und aus dem fahrenden Zug geworfen wurde. Dieses Mal war das öffentliche Echo nicht so groß. Der Fall, über den ausschließlich in thailändischen Medien berichtet wurde, verschwand sehr schnell in der Versenkung, weil ein viel grausameres Verbrechen die Titelseiten füllte: Ein Mann vergriff sich an seiner eineinhalb Jahre alten Stieftochter, die später im Krankenhaus starb. Abgelöst wurden diese Schlagzeilen durch einen Mann, der seine zwölf Jahre alte Tochter regelmäßig missbraucht hatte. Aber schon einen Tag später war auch das keine Nachricht mehr.

Es ist tragisch, dass beinahe jeden Tag in den Medien über sexuelle Missbrauchsfälle berichtet wird. Dabei wissen wir ganz genau, dass für jedes schmerzvolle Detail, das ans Licht der Öffentlichkeit dringt, zigfach Fälle stehen, die nicht zur Anzeige kommen und nicht strafrechtlich verfolgt werden. Schlimmer ist, dass es kaum Diskussionen darüber gibt, wie das Problem gelöst werden könnte.

Es scheint den Beteiligten und deren Umfeld lieber zu sein, die Fälle unter den Teppich zu kehren. Ein gutes Beispiel ist ein Lehrer in Uttaradit, der 2002 über 20 Schülerinnen missbraucht hatte. Die Gemeinde offenbarte, dass ihr der Vorfall derartig peinlich war, dass sie den sexuellen Missbrauch tolerierte. Der Lehrer wurde nicht bestraft, die Gründe sind unbekannt. Er verließ die Schule zwei Jahre später und eröffnete einen Straßenstand.

Erst 13 Jahre später wurde er verhaftet. Einige Fotos, die er während des Missbrauchs der Schülerinnen aufgenommen hatte, tauchten auf einer Pornoseite im Internet auf. Festgenommen wurde er einzig, weil die amerikanische Homeland Security auf die Fotos aufmerksam wurde und die thailändischen Behörden informierte.

Die Tatsache, dass die Festnahme des Vergewaltigers nur erfolgte, weil Leute in den Vereinigten Staaten auf die Fotos aufmerksam wurden, die er vor 13 Jahre gemacht hatte, sagt alles. Der Vorfall hebt den Unterschied der Toleranz zwischen zwei Gesellschaften hervor. Vor 13 Jahren kam der Lehrer davon, der Schülerinnen missbraucht hatte. Doch als die Amerikaner die thailändischen Behörden von dem Vorfall unterrichteten, mussten diese schließlich etwas unternehmen.

Die Regelmäßigkeit mit der Missbrauchsfälle in Thailand geschehen, ist alarmierend und etwas „ganz Normales“, so verstörend das auch klingen mag. Das Akzeptanzniveau in Bezug auf sexuellen Missbrauch und sexuelle Nötigung in der Gesellschaft führte dazu, dass Thailand zu den Ländern mit den meisten physischen Übergriffen der Welt zählt. Die Vereinten Nationen stellten in einem Bericht von 2013 fest, dass Thailand von 75 untersuchten Ländern auf Rang 26 kam. Bei sexuellen Übergriffen stand Thailand vor zwei Jahren auf Rang sieben von 75 untersuchten Ländern.

Sexuelle Belästigung ist das nicht ganz neue Normal
Sexuelle Belästigung ist das nicht ganz neue Normal

2011 berichtete die Stiftung „Frauen gegen Missbrauch“ von 158 Artikeln in Zeitungen über sexuelle Übergriffe. In 112 Artikeln ging es um Vergewaltigungen, in 17 um Massenvergewaltigungen, in 14 um versuchte Vergewaltigung und in zwölf um sexuelle Nötigung sowie in drei um Entführung. Wie bereits ausgeführt, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher liegen, weil die Stiftung nur Fälle auswertete, die in der Zeitung standen. Es wird geschätzt, dass weniger als die Hälfte der Opfer sich an die Behörden oder die Polizei wenden.

Das hat mehrere Gründe. Einer der wichtigsten dürfte sein, dass in der von Männer dominierten Gesellschaft den Frauen schnell vorgeworfen wird, dass sie selbst schuld daran seien, wenn sie vergewaltigt werden. Damit werden die Opfer stigmatisiert, die sich dann nicht trauen, über das Verbrechen zu berichten.

Eine genauere Untersuchung nahm die Behörde Frauen und Familie 2010 vor. Sie untersuchte Vorfälle in Nan und Khon Kaen und kam in einem Bericht zu drei grundlegenden Erkenntnissen.

Ein Großteil der Frauen sieht sich in der männerdominierten Gesellschaft als abhängig an. Kultur und Tradition unterdrücken eine Gleichstellung der Geschlechter. Einige Opfer tolerieren sexuellen Missbrauch, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Rechte schützen sollen.

Die größte Gefahr liegt darin, dass die Leute annehmen, dass sexuelle Nötigung und der Missbrauch Dinge sind, die man über sich ergehen lassen muss, und niemand will darüber reden.

Auch hierfür gibt es einen Grund. In der thailändischen Gesellschaft werden Frauen als Ding, als Gegenstand angesehen, den ein Mann besitzt.

Spätestens nach der Heirat gehört die Frau dem Mann, denn er hat bei der Hochzeit  Brautgeld an seine Schwiegereltern bezahlt und ihnen die Tochter quasi abgekauft. So entsteht in der ganzen Gesellschaft der Eindruck, dass es sich bei Frauen um eine Ware handelt.

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