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Schweizer Autor Max Frisch ist immer noch aktuell

Schweizer Autor Max Frisch ist immer noch aktuellWenn man sich das Thailand der letzten Monate ansieht, erinnert man sich möglicherweise an „Biedermann und die Brandstifter“. Der Schweizer Autor Max Frisch schrieb das Stück 1953. Es spielt in einer Stadt, die immer wieder von Brandstiftern heimgesucht wird, die ihren Weg in die Häuser der Opfer erschleichen, bevor sie sie in Brand stecken.

Die Hauptfigur ist ein moralisierender Geschäftsmann, der schwört, die Brandstifter nicht in sein Haus zu lassen. Doch diese finden ihren Weg in sein Haus und bringen Benzinfässer auf den Dachboden. Der Geschäftsmann will bis zuletzt nicht glauben, dass seine „Gäste“ die Brandstifter sind, obwohl es ganz offensichtlich ist, was sie vorhaben. Der Mann gibt ihnen zuletzt sogar Streichhölzer, damit sie das Feuer entfachen können und wird aktiv ihr Komplize des Verbrechens und spielt somit eine Rolle bei seinem eigenen Untergang und dem der ganzen Stadt.

Wenn man das auf Thailand überträgt, dann stellt sich die Frage, wer die Biedermänner und wer die Brandstifter sind.

Die Anti-Regierungsproteste, die 2013 begannen, wurden 2014 weitergeführt und eskalierten immer mehr. Aber die Blockade von Bangkoks Straßen, die Beeinträchtigungen und der offene Angriff auf Mitarbeiter der Presse oder die Nötigung von Bürgern, die vor einem Jahr wählen wollten, machten immer klarer, dass es hier wohl kaum um Demokratie ging.

Die Demonstranten, zunächst Tausende mit Trillerpfeifen, dann Zehntausende, die Millionen Selfies machten, sind vielleicht nicht die Übeltäter, doch sie verwechselten naiven Idealismus mit unangebrachter Furcht vor den politischen Kräften, gegen die sie demonstrierten, während sie übersahen, was im Schatten wartete.

Und sie halfen dabei, die Sicherung herauszuschrauben, ohne genau zu wissen, weshalb.

Angeführt wurden sie vom ehemaligen Vizepremierminister Suthep Thauguban und fast der gesamten ehemaligen Führungsriege der Demokratischen Partei. Sie machten die thailändische Flagge zur Waffe und behaupteten, rechtschaffen für die moralisch richtige Sache zu sein, was jedweden politischen Diskurs unterbrach und unmöglich machte.

Und der Dachboden war bis zur Decke mit Benzinfässern gefüllt.

Die Behörden, die eigentlich „unabhängig“ sein sollten, trugen ihren Teil dazu bei, wie beispielsweise die widerwillige Wahlkommission und das Verfassungsgericht, das die sabotierten Wahlen vom 2. Februar für ungültig erklärte, und schließlich Premierministerin Yingluck Shinawatra aus dem Amt vertrieb. Damit wurde der Weg für eine politische Sackgasse geebnet, eine perfekte Vorlage für das thailändische Militär, am 22. Mai 2014 zu putschen.

Die Intentionen des Militärs mit dem ehemaligen Armeechef und jetzigen Premierminister General Prayuth Chan-ocha sind nach wie vor vage. Die Umgestaltung des gesamten Landes, genauer gesagt, seines politischen Systems, und die Lehren des Generals werden in den Jahren, die da kommen, eine unversöhnliche Narbe hinterlassen. Und ein Ende ist nicht in Sicht, denn die Junta kann bequem die nächsten Wahlen vor sich herschieben, indem sie sagt, ihre gesteckten Ziele seien noch nicht erreicht.

Vor einem Jahr krönten sowohl „The Nation“ als auch die „Bangkok Post“ die Anti-Regierungsdemontranten als „Menschen des Jahres“, nur um später herauszufinden, dass es im Grunde antidemokratische Proteste waren. Es war politische Blindheit und eine intellektuelle Bankrotterklärung. Es war diese Ignoranz, die schließlich dazu führte, dass die thailändische Demokratie, wie wir sie kannten, starb.

Und sie gaben ihnen in blindem Glauben die Streichhölzer.

Mit dem immer noch geltenden Kriegsrecht können Dissidenten und Andersdenkende zum Schweigen gebracht werden. Dazu gehören teilweise auch Sutheps Gefolgsleute, die nicht mehr mit Trillerpfeifen herumlaufen. Sie feiern entweder in Ruhe ihren „Sieg“ – Suthep hatte zugegeben, dass das alles von Anfang an so geplant war, und ist jetzt quasi im politischen Exil – als Mönch in einem Tempel – oder die Anhänger Sutheps realisieren langsam, dass die Kosten des „Sieges“ zu hoch waren.

2014 war für Thailand ein schlimmes Jahr. Es sieht nicht danach aus, dass es 2015 besser wird. Sind die Aussichten trostlos? Sicherlich. Ein bisschen zu zynisch oder pessimistisch? Vielleicht.

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