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Schweigende Zeugen

Schweigende Zeugen

Weil sie nicht Schweigen wollte, wurde das Leben der freiwilligen Krankenschwester Natthida „Waen“ Meewangpa äußerst unangenehm. Sie hatte bei den Rothemden-Demonstrationen 2010 in Bangkok beobachtet, wie sich Soldaten auf den Gleisen der Hochbahn in Stellung begaben und von dort aus auf das Gelände eines Tempels schossen, auf dem Verwundete von freiwilligen Helfern versorgt wurden.
Natthidas Alptraum begann vor drei Jahren, als das Militär es müde wurde, ständig von ihr zu hören, dass sie Gerechtigkeit wegen des Blutvergießens 2010 forderte. Sie wurde am 11. März 2015 verhaftet.
Nach sechs Tagen Verhör an einem geheimen Ort, während dessen sie angeblich schlecht behandelt wurde, warf man Natthida vor, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein und den Granatanschlag auf das Bangkoker Kriminalgericht am 7. März 2015 geplant zu haben. Falls sie von einem Militärtribunal für schuldig befunden wird, droht ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.
Das reicht den Militärs aber nicht. Um sie noch länger hinter Gittern verschwinden zu lassen, wird Natthida seit 2017 vorgeworfen, auf dem Chatprogramm Line einen Kommentar geteilt zu haben, der gegenüber dem damaligen König als beleidigend gilt. Dafür droht Natthida eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren.
Die Anschuldigungen stehen laut Rechtsanwälten und Menschenrechtsorganisationen auf tönernen Füßen. Es ist unklar, wer den Kommentar schrieb. Womöglich geschah dies nur, um sie hereinzulegen. Angeblich soll der Kommentar am 17. März 2015 geteilt worden sein. Da aber befand sich Natthida in den Händen von Regierungsbehörden, ihr Handy war beschlagnahmt worden. Wie in anderen Majestätsbeleidigungsfällen auch, wurde Natthida Kaution verweigert.
Weil in Thailand Zivilisten vor Militärgerichten abgeurteilt werden, es mangelnde Transparenz gibt und diese Prozesse nichts mit fairen Gerichtsstandards zu tun haben, wurde die Militärregierung von der Weltgemeinschaft immer wieder kritisiert. Natthidas Fall ist ein typisches Beispiel für das ungerechte Justizsystem in Thailand unter Militärherrschaft.
So lange Natthida hinter Gittern sitzt, gibt es nur wenig Hoffnung, dass die Vorfälle von 2010 lückenlos aufgeklärt werden.

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