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Rohingya von Burmas Landkarte gewischt

Rohingya von Burmas Landkarte gewischt

Seit einigen Generationen nannten die Rohingya-Moslems Burma ihre Heimat. Jetzt scheint es eine systematische Säuberung zu geben, die Minderheit wird von der burmesischen Landkarte gewischt.

Es dauerte eine Weile, bis auch die Massenmedien berichteten, dass den Aktionen der buddhistischen Burmesen und der burmesischen Armee in Burma eine Serie militanter moslemischer Anschläge stattfand, ausgeführt von den Rohingya. Sicherheitskräfte und Buddhisten griffen durch, brannten Tausende Häuser der Rohingya nieder und sind dabei, sie aus Burma zu vertreiben.
Laut UNO sind bislang etwa die Hälfte der Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflohen. Und sie fliehen nach wie vor, zu Fuß oder mit Booten, die sie in Flüchtlingslager auf die andere Seite der Grenze bringen.
Aung San Suu Kyi wollte in einer Rede den Vorwurf der UNO nicht bestätigen, dass die burmesische Armee „eine Säuberung wie im Lehrbuch“ durchführt. Sie sagte unter anderem lediglich, dass über die Hälfte der Rohingya-Dörfer noch intakt seien.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sagte der UNO-Vollversammlung, dass er die Rede Suu Kyis zur Kenntnis genommen habe.
In Bangladesch ist die Regierung über den Zustrom der Flüchtlinge nicht gerade begeistert, obwohl die in Burma siedelnden Rohingya ursprünglich aus Bangladesch stammen. Die Flüchtlinge dürfen die Lager nicht verlassen.
In Indien leben etwa 40.000 Rohingya. Auch dort sind sie nicht willkommen. Die indische Regierung wandte sich an ein indisches Gericht mit dem Antrag für die Erlaubnis, die Rohingya abschieben zu dürfen. Laut indischer Regierung seien die Rohingya an Plänen radikaler moslemischer Aktivisten beteiligt oder haben Verbindungen zum Islamischen Staat und zum pakistanischen Geheimdienst. Seit der Teilung ist das islamische Pakistan der Erzfeind des überwiegend hinduistischen Indiens.

Das ist die schlimmste Krise in der Geschichte der Rohingya“, sagte Chris Lewa, Gründerin des Projekts Arakan, das sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Rohingya einsetzt. Die Anzahl der Flüchtlinge und die Schnelligkeit, mit der sie das Land verlassen, sind außergewöhnlich in der Geschichte von Fluchtbewegungen. „Sicherheitskräfte brennen systematisch ein Dorf nach dem anderen nieder. Das passiert jetzt immer noch.
Lewa versucht mit ihrem Netzwerk sorgfältig zu eruieren, welche Dörfer teilweise oder komplett niedergebrannt wurden, die sich im nördlichen Staat Rakhine befinden. Normalerweise leben dort 1,1 Millionen Rohingya, jetzt ist es nur noch die Hälfte.

Lewas Aufgabe ist schwierig, weil die Informationen, die sie erhält, sich nur selten verifizieren lassen, weil die Armee die Zugänge zu dem Gebiet abgeriegelt hat. Satellitenaufnahmen zeigen die Ausmaße verbrannter Dörfer. Laut diesen Bildern wurden mindestens 214 Dörfer in Schutt und Asche gelegt.
16 der 21 Rohingya-Dörfer im nördlichen Teil des Townships Rathedaung wurden das Ziel der Buddhisten. Drei Camps, in die Rohingya verbannt wurden, weil sie vor fünf Jahren Aufstände angezettelt hatten, fielen ebenfalls den Flammen zu Opfer.
Buthidaung im Osten wurde bislang weitestgehend verschont. Hier gibt es mehr Soldaten und mehr Buddhisten als in dem anderen Rohingya-Gebiet das durch Berge abgetrennt ist. Von Anfang an gab es in Buthidaung weniger Spannungen mit den Rohingya als im Westen.
Die Rohingya wanderten Ende des vorletzten Jahrhunderts von Bangladesch aus kommend, in Burma ein. Seitdem gibt es Spannungen mit der burmesischen Bevölkerung von 60 Millionen Menschen, die auf die Rohingya herabsehen, während die Rohingya als Moslems Sonderrechte fordern und so tun, als sei Burma schon immer ihr Land gewesen.

Das kennt man schon aus anderen Ländern in der Geschichte des Islam, beispielsweise aus Indonesien. Das einst buddhistisch-hinduistische Land nahm im Wege des Handels Moslems auf, deren Gemeinde immer weiter anwuchs, bis sie so viel Macht hatte, Indonesien komplett zu übernehmen. Der Inselstaat ist jetzt das größte islamische Land in Südostasien.
Die Burmesen wollen offenbar dieser schleichenden Übernahme in Kombination durch Anschläge radikaler Moslems einen Riegel vorschieben. Die ersten Maßnahmen ergriffen die Burmesen 1982, als sie den Rohingya die burmesische Staatsbürgerschaft aberkannten. Sie hatten fast keine Rechte mehr und galten als staatenlos. Rohingya können nicht innerhalb Burmas reisen, ihre Religionsausübung wird unterbunden, sie können nicht als Lehrer und Ärzte arbeiten, und sie haben nur einen begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung, Lebensmitteln und Bildung.

Die UNO bezeichnet die Rohingya als eine der am meisten verfolgten Minderheiten. Wenn es nicht um Leib und Leben ginge, würden die Rohingya lieber in Burma wohnen als in einem Land, das sie nicht haben will.
Jetzt können wir noch nicht mal Plastikplanen kaufen, um ein Zelt zu bauen“, sagte der 32 Jahre alte Kefayet Ullah in einem Flüchtlingslager in Bangladesch, wo er und seine Familie jeden Tag aufs Neue versuchen, über die Runden zu kommen.
In Rakhine hatten sie ein Stück Land und ein kleines Geschäft. Jetzt haben sie nichts.
Unsere Herzen weinen wegen unserer verlorenen Heimat“, sagte er mit Tränen in den Augen. „Schon mein Urgroßvater wurde in Burma geboren.“

Es handelt sich nicht um die erste Massenflucht der Rohingya. Hunderttausende flohen 1978 und erneut Anfang der 90er Jahre vor der militärischen Unterdrückung. Später legte Burma allerdings Maßnahmen auf, die es den Rohingya gestatteten, zurückzukehren. 2012, als sich das Land von einer Militärdiktatur zu einer Demokratie entwickelte, flohen wieder 100.000 Rohingya mit Booten.
Etwa 120.000 lebten oder leben in Camps außerhalb Sittwe, der Hauptstadt des Staates Rakhine.
Bislang gab es aber keinen so großen Exodus wie diesmal.

Das Vorgehen des burmesischen Militärs erfolgte im Anschluss an mehrere koordinierte Attentate durch die Rohingya, angeführt von Attaullah Abu Ammar Jununi, der aus Pakistan stammt und wie so viele islamische Extremisten in Saudi Arabien aufwuchs.
Letzten Oktober überfielen die Rohingya Polizeiposten, töteten mehrere Beamte. Das Militär schlug zurück, 87.000 Rohingya flohen. Dasselbe am 25. August, als über 30 Polizisten und Armeeangehörige angegriffen wurden. Bei den Anschlägen gab es Tote. Seitdem schlägt das Militär erneut zurück.
Die Rohingya sehen sich aber wie andere Moslems ausschließlich als Opfer. Daher sagte auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Zeid Ra’ad al-Hussein, dass „das Vorgehen des Militärs eine zynische List sei, eine große Anzahl von Menschen ohne Möglichkeit der Rückkehr zu vertreiben.
Es könnte noch Monate dauern bevor klar wird, wie die Lage in Burma ist, weil die Armee die Zugänge zu den betroffenen Gebieten abgeriegelt hat. Ein UNO-Mitarbeiter spricht von mindestens 1.000 Toten. Die Regierung behauptet, sei seien über 400, die meisten seien militante Rohingya gewesen. Unter den Toten befänden sich 30 Zivilisten.

Der Analyst Richard Horsey sagte in Rangun, dass abgewartet werden müsse, ob es sich um das politische Endspiel der Rohingya in Burma handle. Es komme darauf an, welches Arrangement Burma und Bangladesch treffen, ob und wann die Rohingya zurückkehren könnten und wie stark die Zerstörung ist.
Wir warten immer noch auf das komplette Bild, wie viele Dörfer verlassen und wie viele zerstört wurden“, sagte Horsey.

Thailand und die Rohingya

Oberst Peerawat Saengthong vom Internen Sicherheitskommando (ISOC) bestätigte unterdessen, dass Thailand seine Politik in Bezug auf die Rohingya weiterverfolgen werde: Wenn Flüchtlingsboote thailändische Gewässer erreichen sollten, würde die Marine die Boatpeople aufs offene Meer schleppen.
Es gibt drei Stufen. Wenn die Boote in thailändische Hoheitsgewässer eindringen, werden wir herausfinden, was sie vorhaben. Wenn sie nicht nach Thailand wollen, könnten wir ihnen auf humanitärem Wege Wasser und Lebensmittel zukommen lassen“, sagte Peerawat. „Wenn sie nach Thailand wollen, werden wir uns ans Gesetz halten und die Boote aufs Meer schleppen. Wenn sie an der Küste entdeckt werden, müssen wir sie festsetzen.
Er sagte, dass man überprüfen werde, ob die Leute aus eigenem Antrieb oder mit der Hilfe von Schleusern gekommen sind.

Das können Nachrichtendienste herausfinden, sagte er und verwies darauf, dass dies für alle Gruppen gelte, die vom Meer aus nach Thailand kommen.
In der Vergangenheit wurde Thailand dafür kritisiert, dass Flüchtlingsboote aufs offene Meer geschleppt wurden. Meist handelte es ich bei den Boatpeople um Rohingya aus Burma oder Bangladesch, die nach Malaysia oder Indonesien wollten. Auf dem Weg dorthin wurden sie häufig zum Opfer von Menschenhändlern, und Thailand begann vor zwei Jahren damit, das Gebaren der Schleuser einzudämmen.
Peerawat sagte, dass die Nachrichtendienste bislang keine Informationen darüber hätten, dass Boatpeople auf dem Weg nach Thailand seien. Die Behörden behielten die Lage im Auge.
Es ist aber nicht so, dass die Rohingya in Thailand gar keine Fürsprecher haben. Einige bringen sehr wohl Verständnis für deren Lage auf, und bei einer Diskussionsrunde in der Chulalongkorn Universität wurde darüber gesprochen, wie Thailand sich hier verhalten könnte.

Dass Thailand ein guter Nachbar Burmas ist und ebenfalls hauptsächlich buddhistisch, könnte das Land in eine bessere Position bringen, an Burma eine Botschaft zu übermitteln als andere Länder in der Region, deren Bevölkerung mehrheitlich Moslems sind.
Politikwissenschaftler Naruemon Tabchumpol von der Chulalongkorn University sagte, dass die guten Beziehungen zwischen den Generälen in Thailand und Burma für effektive Diplomatie hinter der Bühne benutzt werden könnte.
Die thailändische Regierung ist gut in Schattendiplomatie. Vielleicht können sie nicht gerade im Namen der thailändischen Regierung sprechen, aber als militärische Brüder, um das burmesische Militär dazu zu bewegen, ihre Aktionen anzumildern.
Naturemon sagte aber nicht, dass Vizeverteidigungsminister General Prawit Wongsuwon erst kürzlich meinte, dass man nicht Rohingya, sondern Bengalen sagen sollte. Die bevorzugte Ausdrucksweise der burmesischen Regierung.
Burma-Experten wie die Historikerin Sunate Chutintranon sind der Meinung, dass die Bangkoker Militärregierung nicht viel ausrichten könne, sondern stattdessen die Hoffnung auf die ASEAN-Staatengemeinschaft gelegt werden solle.
Sunate sagte, dass, falls Thailand Burma vorschlage, eine Intervention der UNO zu erlauben, Burma sagen könnte, dass Thailand der UNO erst einmal Zugang zu dem Konflikt in den südlichen Unruheprovinzen gestatten sollte. Eine internationale Einmischung hatte Thailand bislang immer abgelehnt.
Alle ASEAN-Mitgliedsstaaten haben ihre eigenen Wunden. Was ist, wenn Burma sagt, Thailand solle der UNO erlauben, sich in den Konflikt im Süden einzumischen?“, fragte sie.
Anas Amatayakul, Islam-Experte an der Mahidol University, sagte, einige ASEAN-Staaten, dazu gehöre auch Thailand, könnten für Burma als Beispiel dienen, wie unterschiedliche Ethnien im Land integriert wurden. Wenn Malaysia so gewesen wäre wie Burma heute, hätte die chinesische Bevölkerung keine Bürgerrechte. Er sagte dann, dass es auch in Thailand unterschiedliche ethnische Gruppen gebe, die friedlich miteinander leben. „Im Vergleich zu Thailand ist Burma eine unausgegorene Nation“, sagte Anas.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/news/special-reports/1327351/rohingya-being-wiped-off-myanmars-map

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