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Renne um dein Leben

Renne um dein Leben

Mein Thema diese Wochen: Rennen. Nein, ich schreibe nicht über den Rockmusiker Toon Bodyslam, der einen thailändischen „Forrest Gump“ gibt. Dennoch wäre es schön, wenn Sie nicht vor dieser Kolumne davonlaufen, schreibt Anchalee Kongrut.
Einige Leser mögen Augen machen, wenn sie hören, dass Rennen im Land des Lächelns eine phänomenale Freizeitaktivität wurde. Es gibt jedes einzelne Jahr über 500 Marathonveranstaltungen. Mitte November gab es im ganzen Land gleichzeitig elf Veranstaltungen.

Bangkok, berüchtigt wegen der Verkehrsprobleme, gehört zu den beliebtesten Marathon-Veranstaltungsorten.
Diese Veranstaltungen werden als großer Wirtschaftsfaktor angesehen, denn sie fördern die Tourismusindustrie und ortsansässige Geschäfte. Für normale Läufer, und dazu gehöre ich auch, ist es eine Möglichkeit, vorübergehend die Straßen und Bürgersteige von Auto- und Motorradfahrern in Besitz zu nehmen. Bei Wettbewerben dieser Art müssen die Leute keine Angst vor unfreundlichen Autofahrern haben, vor Essensständen oder Motorradtaxiständen, die sich auf Straßen und Gehsteigen breit machen. Es gibt wenig Platz zum Laufen in Bangkok, ganz zu schweigen vom Rennen.
Trotz meines Bauches und einigem Übergewicht bin ich stolz sagen zu können, dass ich zu den Läufern gehöre, die in den letzten Jahren bei so einigen Wettbewerben mitgemacht haben. Dabei denke ich nicht an das jämmerliche Bild, das ich abgebe. Ich laufe fast Kriechgeschwindigkeit und mein Herz rast wie das eines Patienten in der Kardiologie. Dennoch gehört so ein Laufwettbewerb zu meinen liebsten Veranstaltungen.

Bei Marathonläufen sperrt die Polizei in der Regel die Straßen der Strecke von Sonntagmorgen an ab und lässt die Armee der Läufer das gesamte Gebiet bis mittags besetzen. Ich liebe Rennen – oder Kriechen, um genau zu sein – bis zur Zielgeraden auf der Rama-VIII.-Brücke. Bei so einem Marathon sind ganz viele dynamische Läufer unterwegs – oder solche, die es gern sein wollen. So eine Versammlung gibt einen ganz anderen Blick auf den Ort frei, der normalerweise voller Autos ist, die sich kaum bewegen und die Luft mit ihren Abgasen verpesten. Doch die Läufer: was für ein gesunder Anblick. Leider wird das womöglich bald der Vergangenheit angehören.
Der Vizechef der Bangkoker Polizei, Chiraphat Phumchit, sagte, dass Marathonläufe in der Innenstadt verboten werden könnten. Er sagte dies, weil es auf der Rama-VIII.-Brücke nach der Veranstaltung ein erhebliches Müllproblem gab, wie immer, wenn der Bangkoker Marathon vorbei ist.
Nach der Beendigung des Wettbewerbs am frühen Nachmittag konnte die Polizei die Straße nicht sofort wieder für den Verkehr freigeben, weil in dem Gebiet Müllberge hinterlassen worden sind.

Chiraphat sagte, die Polizei mag vielleicht noch Laufwettbewerbe in Außenbezirken der Hauptstadt erlauben, weil hier das Verkehrsproblem nicht so groß ist wie in der Innenstadt – und das, obwohl die Laufwettbewerbe in der Regel sonntags stattfinden.
Ich verstehe das schon. Auch wenn ich gerne laufe, muss ich zugeben, dass eine Reihe der Veranstaltungen hätten besser organisiert werden können.
Laufwettbewerbe produzieren viel Müll, vor allem Papier- und Plastikbecher, die von den ständig durstigen Läufern gebraucht werden.
Ich brauche für die Strecke von zehn Kilometern etwa zehn Plastik- und Papierbecher, die ich unterwegs wegwerfe, nicht zu vergessen die Verpackungen von Snacks, die ich unterwegs verschlinge.
Die Läufer aber zu bestrafen und sie aus der Stadt zu verbannen ist nicht der richtige Weg, das Problem anzugehen. Diese Strategie geht am Ziel vorbei. Abgesehen davon, dass hier die Chance vertan wird, eine gesundheitsfördernde Aktivität zu bewerben, wird signalisiert, dass Autofahrer eben doch die Champions sind und das Fußvolk gefälligst weichen muss. Das ist ein altmodisches Städtekonzept.

Nach dem Konzept „lebenswerte Stadt“ sind Autos keinesfalls länger die Könige der Straßen, denen sich alles unterzuordnen hat, vor allem Leute, die zu Fuß gehen oder eben Laufen. Städte wie Paris haben autofreie Tage eingeführt, während die gesperrten Straßen für öffentliche Veranstaltungen benutzt werden wie Straßenfeste oder auch Laufwettbewerbe, die sehr beliebt sind und viele Besucher bzw. Teilnehmer haben.

Wenn Müll das Problem ist, kann man damit umgehen. Das ist ein Problem der Organisatoren, während die Läufer den Müll verringern und verantwortlich sein könnten. Verkehrsstaus würden kein Thema sein, wenn vorher angekündigt wird, welche Straßen gesperrt werden, damit Autofahrer diese meiden können. Wenn Läufer woanders laufen sollen, heißt dass, das das Problem an einen anderen Ort exportiert wird.
Ganz im Gegenteil: die Behörden sollten der Öffentlichkeit vermehrt öffentliches Straßenland zuweisen und sogar Straßen sperren, wenn dies möglich ist, damit die Bürger ihren Aktivitäten nachgehen können: Laufen, Fahrrad oder Skateboard fahren, Straßenfeste. Und wie bei den Marathonläufen müssen die Organisatoren verantwortlicher sein.
Wer diese nicht übernehmen will, dem muss eben der Ausgang gezeigt werden.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1365391/run-for-your-life-every-step-counts

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