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Reiche bleiben reich, Arme bleiben außen vor

Reiche bleiben reich, Arme bleiben außen vor

Falls es in diesem Jahr tatsächlich Wahlen geben sollte, sie sind für November angekündigt, dann hat die Regierung noch fast ein ganzes Jahr Zeit, ihre Mission zu erfüllen, die Armut einzudämmen, schreibt die Journalistin Paritta Wangkiat.

Es ist verständlich, dass es Aufgabe der Regierung ist, Reichtum an die Armen umzuverteilen. Und es mag Jahre dauern, bis der Staat bei dieser Mission erfolgreich ist, wenn sie von wirtschaftlichen Reformen, Umstrukturierung des Steuerrechts und der Verbesserung von Wohlfahrtsleistungen abhängt.

Doch der für die Wirtschaft zuständige Vizepremierminister Somkid Jatusripitak hatte Ende letzten Jahres erklärt, dass der Staat eine Politik verfolge, wonach es in Thailand Ende 2018 keine Armen mehr geben soll.

Das ist etwas, worauf ich mich freuen kann. Aber ehrlich gesagt scheint das eher ein Wunschtraum zu sein als pragmatische Politik. Das hört sich nach einem sehr ambitionierten Ziel an in einem Land, in dem die Ungleichheit immer größer wird.

Somkid und die Militärregierung haben sich oft selbst für das Wirtschaftswachstum des Landes gelobt, und nannten positive Zahlen, die aber nicht die ganze Geschichte des Volkes erzählen. Sie feierten Ende des Jahres, weil das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal im Jahresvergleich um 4,3 Prozent wuchs, das größte Wachstum seit dem ersten Quartal 2013.

Somkid zitierte auf einer Veranstaltung des Landwirtschaftsministeriums sogar einen Bericht der Weltbank mit dem Titel „Wellenreiten: Ein ostasiatisches Wunder im 21. Jahrhundert“, wonach die wirtschaftliche Lage Thailands sich insgesamt verbessert habe.

In dem Bericht wird Thailand zusammen mit Malaysia als „fortschrittliches Wohlstandsland“ bezeichnet, dem es gelang, „eine große Anzahl wirtschaftlich Benachteiligter in wirtschaftliche Sicherheit zu bringen.“ Diese Leute würden jetzt als große Mittelklasse charakterisiert. Das wird als „Evolution der wirtschaftlichen Klassen“ bezeichnet.

Laut diesem Bericht gehörten 2015 35 Prozent der Bevölkerung zur Mittelklasse. 55 Prozent wurden als „wirtschaftlich sicher“ eingestuft. Die übrigen zehn Prozent der Bürger gelten als wirtschaftlich benachteiligt, ziemlich arm oder sehr arm. Die Zahlen unterscheiden sich von 2002, da waren es 15 Prozent, 45 Prozent bzw. 40 Prozent.

Die „Verbesserung“ wurde anhand der positiven BIP- und Konsumentwicklung unter Berücksichtigung niedriger Arbeitslosenzahlen berechnet. Am unteren Ende der Gesellschaft ist von diesem Konjunkturwunder aber nichts zu spüren.

Selbst wenn in Thailand viele mehr verdienen als die internationale Armutsgrenze von rund 60 Baht pro Tag, ist es ein ständiger Kampf. Ein Arbeiter, der den Mindestlohn von 300 Baht täglich verdient, kann kaum der Mittelklasse angehören oder als wirtschaftlich sicher gelten. Offiziell ist es genau so. Vielmehr ist er aber ein Geringverdiener, der seine Eltern und Kinder unterstützen und Schulden abbezahlen muss. Daher muss er Überstunden machen, was kaum Zeit für Fortbildungskurse oder andere Weiterbildung lässt.

Dieser bittere Geschmack herrscht bei vielen vor, die in der Konjunktur unten stehen. Aber diese Realität wird wegen der BIP-Zahlen ausgeblendet.

Das Nationale Statistikamt fand bei einer Studie im ersten Halbjahr letzten Jahres heraus, dass ein durchschnittlicher Haushalt monatlich 26.973 Baht verdient und 21.897 Baht ausgibt. Die Privathaushaltsschulden betragen pro Haushalt durchschnittlich 177.128 Baht. Mindestens die Hälfte aller Haushalte ist verschuldet, hauptsächlich wegen der Anschaffung von Konsumprodukten, Miete, Bildung und Kauf von Produkten für die Landwirtschaft wie beispielsweise Dünger.

Die wichtigste Frage ist: Warum stecken so viele Haushalte in der Schuldenfalle fest?
Ein alarmierendes Beispiel: Die Bürger des Bezirks Mae Chaem in der Provinz Chiang Mai haben bei der Landwirtschaftsbank insgesamt 1,3 Milliarden Baht Schulden angehäuft. Der Fall wurde Ende letzten Jahres von einer Sozialorganisation enthüllt, die sich Forestbook nennt. Viele der Bewohner sind Farmer, die bei Firmenkonglomeraten unter Vertrag stehen, die die Landwirtschaft monopolisiert haben.

Jeder der Farmer begann mit einem Kredit von ein paar Tausend Baht, mit dem er Dünger und Chemikalien kaufte – eine Bedingung in dem neuen System. Dann wuchsen die Schulden an. Es wurde schlimmer, als der Marktpreis ihrer Produkte fiel.

Mächtige Spieler wie Finanzinstitute, Unternehmen der Privatwirtschaft und Regierungen haben erlaubt, dass das System monopolisiert wird auf Kosten der Leute, die konjunkturell ganz unten angesiedelt sind.

Die Regierung setzt dieses Jahr auf mehrere Megaprojekte, dazu gehören die thai-chinesische Eisenbahn und die Wirtschaftssonderzone Ost (EEC). Mit diesen beiden Projekten werden Billionen von Baht in die Wirtschaft gepumpt. Aber welchen Prozentsatz bekommen hiervon die Leute, die ganz unten leben?
Die Regierung ist wie besessen von der Theorie, dass die Ärmsten der Gesellschaft auch profitieren, wenn die Reichsten der Reichen immer reicher werden. Das funktioniert aber nicht, denn wenn man die Gieskanne oben ausschüttet, kommt unten nichts an. Sonst würde es jetzt schon keine Armut mehr geben, wenn man bedenkt, dass die Ostküste seit 30 Jahren unter besonderen wirtschaftlichen Bedingungen ausgebaut wird.

Laut Credit Suisse und dem Global Wealth Report 2016 befinden sich 58 Prozent des Vermögens Thailands in der Hand von einem Prozent der Bewohner. Dieses eine Prozent erhält vom Staat viele Sonderrechte, dazu gehören staatliche Förderung bei Investitionen, Steuererleichterungen und Joint-ventures mit Projekten der öffentlichen Hand. Die Armen werden gönnerhaft mit Sozialkarten ruhig gestellt, die der Staat austeilt.

Wenn man ein Wunder sehen will, hier ist es: Es ist ein Wunder, dass die Tür der Möglichkeiten für die Massen verschlossen bleibt, denn Zutritt habe nur die Reichen, die dann reicher werden.

Wenn Thailand die Armut abschaffen will, muss die Regierung stark genug sein, die ungerechte Wirtschaftsstruktur anzugehen, dazu gehört eine Steuerreform und das Stopfen von Steuerschlupflöchern für Reiche, um zwei Beispiele zu nennen. Mit den Mehreinnahmen könnte der Staat in öffentliche Einrichtungen und die Wohlfahrt investieren, um die finanziellen Belastungen der Armen zu reduzieren.

Wir brauchen Maßnahmen und nicht nur Worte.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1379095/rich-get-richer-poor-get-the-picture

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