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Prostitution: Realität und Realitätsverweigerung

Prostitution: Realität und Realitätsverweigerung

In Thailand ist Prostitution illegal, und doch ist die Sexindustrie berühmt – oder berüchtigt – je nachdem, von welchem Standpunkt aus man sie sieht. Es gibt nach Schätzungen der Empower Foundation, einer Stiftung, die setzt sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt, in Thailand etwa 300.000 Sexarbeiterinnen.

Dass verleugnet wird, dass die thailändische Sexindustrie in Wahrheit ein blühendes Geschäft ist, bedeutet, dass Thais nicht nur vorgeben, dass die Realität anders ist, sondern auch verhindern, dass die Arbeit von Prostituierten rechtlich anerkannt wird.

Sexarbeiterinnen arbeiten in der Schattenwirtschaft außerhalb des formellen ökonomischen Sektors, sie sind vom Arbeitsrecht nicht geschützt, haben keine Sozialversicherung wie sie Arbeiter in anderen Berufen normalerweise bekommen, die in einem legitimen Unternehmen arbeiten.

Das liegt teilweise daran, dass die Vorstellung, jemand könne mit Sex seinen Lebensunterhalt verdienen, für einige dünnhäutige Thais einfach unerträglich ist, die der Meinung sind, dass diese Art von Beruf zu den Grundsäulen des Lasters gehört. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Sexarbeiterinnen in der Schattenwirtschaft arbeiten und aus diesem Grunde der Ausbeutung ausgeliefert sind. Viele Thais wollen einfach nicht tolerieren, Sexarbeit als legale Beschäftigung anzusehen.

Zu vergleichen ist das mit der ständig geführten Debatte, ob das Glücksspiel in Thailand legalisiert werden soll, indem beispielsweise staatlich kontrollierte Casinos erlaubt werden. Bei diesem Thema und bei dem über die Sexarbeit werden seit Jahrzehnten keine Fortschritte gemacht.

Hier handelt es sich um einen klassischen Fall von Moral und Realität, von Realitätsverweigerung und Verleugnung sowie Heuchelei.

Leute, die Sexarbeit verleugnen, scheinen sich nicht über die unnötigen Hürden und um die Risiken zu scheren, denen Prostituierte ausgesetzt sind. Sie interessieren sich auch nicht für die Tatsache, dass dem Staat Steuereinnahmen entgehen, so lange dieser Wirtschaftszweig nicht legalisiert wird. Der Staat könnte die Sexindustrie regulieren und dafür sorgen, dass Menschenhandel, insbesondere von Minderjährigen viel besser eingedämmt wird.

Die thailändische Gesellschaft ist eine der Verleugnung, und diese Verleugnung geht mit hohen Kosten für die Bürger einher – ob es sich nun Sexarbeiterinnen handelt oder auch nicht.

Vergessen Sie für einen Augenblick die Debatte, ob Prostitution entkriminalisiert werden sollte. Salinee Chumsuwan zeigte kürzlich, wie weit der Zustand der Verleugnung in Thailand fortgeschritten ist. Es scheint eine Kunst zu sein, die im Land perfekt beherrscht wird.

Salinee ist Vorsitzende der Behörde zur Überwachung von Kultur im Kulturministerium. Es ging darum, dass – viele wissen es nicht – Sexspielzeug in Thailand verboten ist. Sie sagte in einem Interview, Sexspielzeug solle nicht legalisiert werden, so lange es keine soliden Studien darüber gibt, ob es Leute gibt, die diese benutzen bzw. für deren Benutzung stimmen würden. Sie sagte weiter, Studienergebnisse aus Drittländern seien unbrauchbar, weil der Kontext in Thailand anders sei. Die Vorsitzende empfahl dann Leuten, die gewisse Triebe haben, sich doch der Meditation zuwenden oder Sport zu treiben.

Ihre Ansicht führte zu einem Sturm in sozialen Medien. Einige sagten, sie sei völlig abgehoben und wisse nichts über die Realität, oder sie kenne sie, verleugne diese aber.

„Sexspielzeuge zu legalisieren ist besser, als Männer zu haben, die Kinder vergewaltigen“, kommentierte Facebook-Nutzer Jakrapho Pranhong Salinees Ausführungen.

Das Kulturministerium ist gegen Erwachsenenspielzeuge, die wie Phalli aussehen, aber in der thailändischen Kultur werden Amulette angebetet, die wie das männliche Geschlechtsorgan aussehen“, wusste Facebook-Nutzer Wintercoldday Dom zu berichten. „Es ist so, als ob wir in einer Parallelwelt leben.“

Wenn man bedenkt, wie tief Verleugnung verwurzelt ist, dann stellt sich die Frage, wie es möglich ist, solche Probleme in der Gesellschaft zu lösen.

Eine pluralistische Gesellschaft braucht mehr als einen moralischen Standard, der allen übergestülpt wird. Es sollte Raum für unterschiedliche Werte geben, die nebeneinander existieren können, und dazu gehören auch Werte, die vorsehen, dass Sexarbeit nicht unmoralisch ist, sondern ein anerkannter Beruf.

Wenn dies aber nicht geschieht, dann wird die Gesellschaft jeden Bürger paralysieren, ihm eine Kultur der Heuchelei aufzwingen und vorgeben, dass die Realität ganz anders ist.

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