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Prostituierte sind Menschen und nicht nur Statistiken

Prostituierte sind Menschen und nicht nur Statistiken

Sie verkaufen ihre Körper, um ihre Familien aus der Armut zu befreien. Jetzt werden sie festgenommen und sitzen im Gefängnis. Thailand „kalibriert seinen moralischen Kompass“, wie der Kommentator einer ausländischen Zeitung es nannte, und das Land will damit von seinem Image als „das größte Bordell der Welt“ abrücken.

Die Polizei erhielt den Auftrag, gnadenlos gegen Prostituierte vorzugehen. Mehrere Polizeibeamte, die diesen Befehl missachteten, wurden versetzt, unter ihnen auch ein Polizeigeneral und zwei Chefs von Bangkoker Polizeirevieren.

Es geht aber auch um Menschenhandel und um die vielen jungen Mädchen aus den Nachbarländern, die nach guten Arbeitsstellen Ausschau hielten und in der Sexindustrie endeten. Sie sitzen jetzt in Gefängnissen und Rehabilitationszentren. Es gehören immer zwei dazu. Wie kommt es, dass nur Prostituierte verhaftet werden und nicht auch deren Kunden?

Die Bordellbetreiber und Zuhälter sind eigentlich die Hauptziele des Prostitutionsgesetzes, doch sie bleiben auf freiem Fuß. Warum?

Warum werden nur die im Rang ganz unten stehenden Personen der Sexindustrie bestraft?

Welches Recht hat die Polizei, Mädchen wie Vieh den Pressefotografen vorzuführen, während die Mädchen versuchen, aus Scham ihre Gesichter zu bedecken? All das, damit die Polizisten bei ihren Vorgesetzten Punkte sammeln?

Verdächtige den Medienfotografen vorzuführen ist eine Verletzung von Menschenrechten. Das betrifft nicht nur Prostituierte. Dennoch ist das Routine bei der thailändischen Polizei, auch, wenn Verdächtige bis zur Verurteilung als unschuldig gelten sollten.

In den vergangenen Wochen tauchten in den Medien häufig Fotos von jungen Frauen auf, die verzweifelt versuchten, ihre Gesichter zu verhüllen. Offensichtlich will die Regierung hier eine Nachricht an Europa und die USA schicken: Wir unternehmen etwas gegen Menschenhandel.

Wird das funktionieren? Wenn Thailand drohende Handelssanktionen abwenden will, muss gegen die Bosse des organisierten Verbrechens vorgegangen werden.

Nach den Änderungen des Prostituiertengesetzes von 1996 kommen Prostituierte nicht mehr in Haft, sie werden aber mit einer Geldstrafe von bis zu 1.000 Baht wegen Herumlungerns belegt. Weshalb also werden sie jetzt verhaftet?

Viele dieser Mädchen werden im Grunde wegen Zuhälterei verhaftet“, sagte Naiyaya Supapueng, ehemaliges Mitglied der Menschenrechtskommission. Laut ihren Gesprächen mit Prostituierten treten Polizisten als potentielle Kunden auf und erkundigen sich bei älteren Prostituierten nach jüngeren Mädchen. Sobald sie welche empfehlen und einen Kontakt herstellen, gelten die Frauen als Zuhälterinnen.

Andere Mädchen wurden verhaftet, weil sie sich an Orten aufhielten, an denen es Prostituierte gab. Da viele von ihnen Teenagerinnen waren, wurden sie in Rehabilitationszentren gebracht. Gefangenschaft und ein Mangel an Freiheit in diesen Zentren ließen einige fliehen und trieben sie damit in die Arme von Menschenhändlern.

Naiyaya sagte, dass sich das Gesetz auf Leute konzentriere, die Prostituierte ausbeuten. „Aber so funktioniert das nicht. Die moralische Wertegemeinschaft will eine Bestrafung der ‚bösen Mädchen‘, was tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist.

Der Glaube, dass böse Mädchen bestraft werden müssen neutralisiert die Vorschläge der völligen Entkriminalisierung der Prostitution. Laut Naiyaya glauben die Gesetzgeber, dass viele Mädchen Prostituierte würden, wenn es überhaupt keine Bestrafung mehr gäbe.

Auch, wenn Thailand Anti-Menschenhandelsgesetze hat, die Opfer helfen könnten, so helfen sie häufig nicht, wenn die Betroffenen in der Sexindustrie arbeiten, meinte Naiyana. Sie setzt sich dafür ein, dass das Prostitutionsgesetz erneut geändert wird und Prostituierte als Angestellte ansieht. Das würde Missbrauch und Ausbeutung vorbeugen.

Wenn sie sich sicher sein können, dass sie nicht verhaftet werden, dann haben sie größeren Verhandlungsspielraum in ihren Angestelltenverhältnissen. Jetzt fühlen sie sich nur sicher, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Arbeitgeber sie vor der Polizei beschützen kann.

Nicht alle Feministinnen dürften diese Meinung teilen. Ihrer Meinung nach sollte Prostitution generell verboten werden, weil Prostitution den Glauben (der Männer) unterstütze, Frauen seien Sexspielzeuge.

Wenn aber die Gesellschaft Prostitution dämonisiert, dann sollte sich das nicht allein gegen Frauen richten. Dann sollten zukünftig auch Freier verhaftet werden. Und wenn das nicht möglich ist, dann sollte man die Frauen bitteschön zufrieden lassen.

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