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Plagiate stehen Erfindung und Entwicklung im Wege

Plagiate stehen Erfindung und Entwicklung im Wege

Was war neu, fragt Surasak Glahan, stellvertretender Redakteur bei der Bangkok Post.
Meine Reaktion, als ich herausfand, dass der Entwurf für das neue Terminal auf dem Flughafen Suvarnabhumi des thailändischen Architekten Duangrit Bunnag ein Plagiat sein soll. Das „Vorbild“ oder das „Original“, wie man es auch nennen will, soll ein Museum in Japan sein.

Plagiate sind in Thailand beheimatet so lange ich denken kann. In Musik, Literatur, Design, Bildung und sogar in der Politik. Die Einstellung der thailändischen Gesellschaft gegenüber Plagiaten erlaubt überhaupt erst deren Existenz.

Es war demnach nicht überraschend, dass Premiermnister General Prayuth Chan-ocha, dem selbst auch schon einmal Nachahmung vorgeworfen wurde, wenn auch in anderer Form, kürzlich ohne zu stottern oder unbehaglich dreinzublicken, der Presse ankündigte, dass man der Geschichte mit dem Flughafenterminal nachgehen werde.

Kritiker werfen Duangrit vor, das Design des Yasuhara Holzbrückenmuseums des japanischen Architekten Kengo Kuma kopiert zu haben.

General Prayuth wird vorgeworfen, politische Konzepte des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra zu kopieren. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten mobilen Kabinettssitzungen in der Provinz – eine Erfindung Thaksins – und die finanzielle Unterstützung der Bevölkerung vor Ort – ebenfalls eine Erfindung Thaksins, was ihm den Vorwurf einbrachte, populistisch zu sein.

Natürlich nahmen weder Medien noch Bevölkerung diese Anschuldigungen gegen den Premierminister ernst, hauptsächlich, weil die Leute einfach keine Lust mehr haben, über solche Dinge zu reden. Es könnte natürlich auch daran liegen, dass Thaksin, der zwölf Jahre nach dem Putsch immer noch ständig in den Medien präsent ist, von den Medien eigentlich gar nicht gemocht wird. Es könnte auch sein, dass Plagiate weitestgehend akzeptiert sind, wenn man daraus einen akademischen oder beruflichen oder finanziellen Vorteil ziehen kann.

Man kann sich fragen: Wenn andere davonkommen ohne den Urheber zu nennen, weshalb sollte ich dann für geistiges Eigentum bezahlen oder es nicht kopieren dürfen?
Die Anschuldigungen gegenüber Duangrit, die er abstritt, haben aber doch ein größeres öffentliches Interesse auf sich gezogen, denn es geht um einen lukrativen Vertrag über 329 Millionen Baht für das neue Flughafenterminal, dessen Bau 35 Milliarden Baht kosten soll. Wenn nicht so viel Geld im Spiel wäre, würde wohl kaum jemand darüber reden.

Ich bin in einer Kultur aufgewachsen, in der Plagiate nicht nur toleriert, sondern belohnt werden, daher wundere ich mich nicht, warum der Teufelskreis nicht durchbrochen wird.

Als ich ein Jugendlicher war, haben viele thailändische Musiker und Labels ein Vermögen damit gemacht, indem sie Musik stahlen, die ursprünglich von westlichen oder chinesischen Musikern komponiert wurde. Sie klauten Last Christmas von Wham! Oder Eternal Flame von den Bangles, nahmen dieselben Akkorde und sangen einfach auf Thai. Die Songs waren in Thailand sehr beliebt. Ein paar Jahrzehnte später sind das in der Musikindustrie nach wie vor keine Ausnahmefälle.

In der Literatur ist es nicht anders. Viele berühmte Romane wurden als Plagiate kritisiert, weil es sich eigentlich um Werke westlicher Autoren handelt. Der ehemalige Premierminister Kukrit Pramoj, der auch ein beliebter Schriftsteller war, schrieb beispielsweise Amseln in Bangpleng. Der Roman hält sich eng an die „Vorlage“ Kuckuckskinder von John Wyndham, verfilmt unter dem Titel Das Dorf der Verdammten.

Das Schlimme ist, dass es Plagiate auch in Akademikerkreisen gibt, obwohl es hier doch um Lernen und Innovation gehen sollte. Da werden dann schon mal Doktorarbeiten so gut wie komplett abgeschrieben, in einem Fall, der 2012 für Aufsehen sorgte, zu 80 Prozent.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt viele thailändische Musiker, Autoren, Künstler, Architekten und Politiker, die für ihre Originalität anerkannt sind. Aber parallel existiert der geistige Diebstahl, und hier geht es nicht um Innovation, obwohl diese doch zu den Zielen des Regierungsprogramms Thailand 4.0 gehört.

Abgesehen davon, dass Plagiate toleriert werden, hat unser Bildungssystem womöglich dazu beigetragen, dass geistiger Diebstahl in diesem Land so weit verbreitet ist. Auswendiglernen als beliebte Unterrichtsmethode und das hierarchische System in Klassenzimmer sind ganz sicher nicht die Umgebung, in der Schüler dazu aufgefordert werden, ihren Lehrern Fragen zu stellen, Kreativität zu zeigen und kritisch zu denken. Die Schulabgänger sind dann Leute, denen Wissen vermittelt wurde und die technische Fertigkeiten haben, für die Innovation aber ein Fremdwort ist.

Wenn nicht gegen Plagiate vorgegangen wird und sich gesellschaftlich nichts insoweit ändert, dass der Urheber auch angegeben wird, dann könnte Thailand alsbald in einer innovativen Sackgasse landen.

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