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Nur für Männer

Nur für Männer

95 Prozent der Sitze in der Nationalversammlung werden von Männern inne gehalten – damit liegt Thailand auf dem zehntletzten Platz der Welt, was die Repräsentation von Frauen in der Politik anbelangt.

Der Anteil der Frauen an der Macht ist der geringste seit über zehn Jahren – eine signifikante Absenkung des Verhältnisses vor dem Putsch. Da war fast jedes sechste Mitglied des Abgeordnetenhauses eine Frau – und bekanntlich war die Premierministerin auch eine Frau.

Jetzt, da womöglich unter Umständen die ersten Wahlen seit fünf Jahren vor der Tür stehen, diskutierten Politikerinnen über das Thema und kamen überein, dass eine Veränderung schwierig ist, weil Frauenfeindlichkeit und Patriarchat tief in der thailändischen Gesellschaft verwurzelt sind.

Die acht Frauen, die acht verschiedenen Parteien angehören, diskutierten über Ideen, wie sich etwas verändern ließe. Organisiert wurde die Veranstaltung in Bangkok von der UNO und der Europäischen Union. Gesprochen wurde über politische Beteiligung von Frauen und welche gesellschaftliche Hürden dem entgegenstehen.

„Es gibt mehrere Probleme, die angegangen werden müssen. Da nur Männer in der Verwaltung sitzen, bleiben die Probleme von Frauen ungelöst“, sagte die ehemalige Olympia-Taewondo-Kämpferin Yaowapa Boorapolchai von der Chart Pattana Party.

Nur fünf Prozent der Sitze in der Nationalversammlung – so wird das Abgeordnetenhaus der Militärregierung genannt, weil es sich natürlich nicht um gewählte Parlamentarier handelt – werden von Frauen inne gehalten, in Zahlen sind das 13 Frauen. Laut Inter Parliamentary Union steht Thailand damit, was Repräsentantinnen in der Politik betrifft, auf Rang 184 von 194 Ländern. Damit ist Thailand in der ASEAN Schlusslicht und steht sogar hinter Burma, das mit zehn Prozent Frauen im Parlament auf Rang 161 kommt.

Fünf Monate vor dem Putsch 2014 stand Thailand auf Rang 87. 15,8 Prozent der Parlamentarier waren Frauen, 15,4 Prozent der Senatoren. (Einen Senat gibt es derzeit nicht.)

Auch mit diesem höheren Frauenanteil stand Thailand im südostasiatischen Vergleich immer noch weit hinten, nur vor Malaysia auf Rang 112 und Burma auf Rang 129. Die Philippinen haben die meisten Volksvertreterinnen und stehen in der Welt auf Rang 38.

Frauen machten bei der Diskussionsrunde kulturelle Werte für die männliche Dominanz in Thailand verantwortlich.

„Ich bin seit sechs Monaten in der Politik und habe jetzt schon gemerkt, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nicht nur vorhanden, sondern groß ist“, sagte Pannika Wanich, Sprecherin der Future Forward Party. „Das Patriarchat stellt Politikerinnen oder Leute der LGBT-Gemeinschaft auf eine andere Ebene. Dort ist es sehr viel schwieriger, sich selbst zu beweisen.“

Der Platz der Frau

Nicht, dass die Situation der Leute an der Macht in anderen Ländern viel besser wäre.

Laut einer UNO-Statistik von 2017 sind 80 Prozent der Repräsentanten in der Welt Männer, nur sechs Prozent der Regierungen der Welt werden von Frauen angeführt.

Machtspiele und die von Männern dominierte politische Kultur werden von Frauen als „Ort zum Fürchten“ angesehen, wie Alison Davidian vom UN Women’s Asia Pacific Office erklärte.

Da werden Frauen vielleicht lieber Grundschullehrerinnen. Aber dann sollten sie sich doch nicht beschweren, wenn ihnen die Politik nicht liegt. Glauben Frauen wirklich, dass es Machtspiele nur bei Männern gibt? Frauen geben häufig zu Protokoll, dass Frauen weitaus schlimmer als Männer seien und sie lieber mit Männern zusammenarbeiten. Wieso also beschweren sie sich und verlangen zu allem Überdruss noch eine Quote. Wenn sie in die Politik gehen, dann werden sie – zumindest in den westlichen Ländern – doch von jeder Partei unabhängig ihrer Qualifikation gern genommen.

Da bleibt nur noch der Schluss, dass es relativ wenige Frauen in der Politik gibt, weil die Frauen sich in der Mehrzahl einfach nicht für Politik interessieren und/oder sie nicht Politikerin werden wollen. In diesem Fall wird auch eine Quote nicht helfen, denn diese wird kaum Frauen hervorbringen, die sich für Politik interessieren.

In Thailand ist das in der von Männern dominierten Gesellschaft natürlich noch etwas anderes. Doch auch hier sind die Frauen in der Politik der Meinung, dass sie von Parteien mit offenen Armen empfangen wurden. Indes meinen sie, dass Frauen generell dazu angehalten werden, lieber nicht in die Politik zu gehen und es besser wäre, noch nicht einmal darüber nachzudenken. Die Gesellschaft verlange von ihnen, ihre vorgegebenen Rollen einzunehmen.

„Den Thais wurde beigebracht, dass die Rolle der Frauen eine häusliche ist. Politik wird als Männerberuf angesehen, daher haben Frauen eine geringere Chance, sich hier zu beteiligen“, sagte Pateemoh Pohitaedaoh von der Action Coalition for Thailand Party. „Da gibt es für Frauen nicht so viel Raum.“

Das gipfelt darin, dass den Frauen, die sich nicht an diese gesellschaftlichen Vorgaben halten und dominante Positionen einnehmen, Ablehnung entgegen schlägt.

Die erfahrene Politikerin und ehemalige Arbeitsministerin Ladawan Wongsriwong von der Phuea Thai Party, der Partei, die vor sieben Jahren die erste Frau Thailands als Premierministerin stellte, sagte, Frauen in hochrangigen Positionen seien oft das Ziel von sexuellen Übergriffen oder würden sexuell bloßgestellt. Das würde andere Frauen sicherlich davon abhalten, in ihre Fußstapfen zu treten.

„Sie befürchten, dass ihr Ruf darunter leidet“, sagte sie. „Die Gesellschaft diffamiert sie und diskreditiert sie, indem sexuelle Themen benutzt werden. Frauen wird beigebracht, gehorsam und schüchtern zu sein … Sie haben dann Angst.“

Frauenfeindliche Kommentare gab es immer wieder in Richtung der ehemaligen Premierministerin Yingluck Shinawatra, vor allem auf den Bühnen der Anti-Regierungs-Demonstranten, die schließlich einen Putsch provozieren konnten. Sie wurde von ihren politischen Gegnern „dumme Kuh“ oder „verräterische Hure“ genannt. Das wurde sogar in den Mainstream-Medien zitiert. Als sie sich 2012 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama traf, wurde sie als „kokett“ beschrieben.

Yingluck wurde auch ständig vorgeworfen, nur eine Marionette ihres Bruders Thaksin zu sein, der angeblich der wahre Strippenzieher während der Regierung Yingluck gewesen sein soll. Thaksin, einer der kontroversesten Politiker Thailands, hatte allerlei Spitznamen wie „Quadratschädel“, „Betrüger der Nation“ und „Usurpator“, bevor seine Regierungszeit 2006 durch einen Putsch beendet wurde.

Pannika von der Future Forward Party sagte, sie selbst sei Opfer von Diskriminierung geworden, als sie auf der Straße neue Parteimitglieder anwerben wollte.

„Ich hatte viel darüber gehört, dass die thailändische Gesellschaft nach wie vor auf Politikerinnen hinabblickt“, sagte sie. „Als ich mich selbst und die Partei vorgestellt hatte, sagte jemand, er würde liebend gerne so ein hübsches Gesicht unterstützen. Sie denken darüber nicht viel nach, aber das reflektiert doch, dass Frauen in der Gesellschaft Sexobjekte sind.“ Sie fügte hinzu, dass Thais sich gegenseitig angreifen und dabei auf das Geschlecht anspielen, auch „wenn es hierfür keine Rolle spielt, ob man ein guter Politiker ist oder nicht.“

Pateemoh von der ACT sagte, es gebe nur ungenügende gesetzliche Grundlagen in Bezug auf Geschlechtergleichstellung, und die Gesetze würden keine Frauen unterstützen, die in die Politik gehen wollen.

Ratchadaa Thanadirek von der Demokratischen Partei sagte, sie sei eher über die schlechte Durchsetzung der bereits beschlossenen Gesetze und Maßnahmen besorgt.

„Wir haben bereits ein Gesetz zur Geschlechtergleichstellung. Wir haben eine nationale Agenda, die Entwicklung von Frauen zu unterstützen. Aber bringt das wirklich Gleichheit? Was nützen diese Gesetze? Welche Behörden kümmern sich um deren Durchsetzung? Wir brauchen mehr Frauen, um Dinge zu ändern, aber Männer verstehen nicht, weshalb einige Probleme angegangen werden sollen“, sagte sie.

Gleichzeitig, so die ehemalige Abgeordnete, sei Bequemlichkeit eine der größten Hürden, die Frauen von der Politik abhalten.

„Ich glaube, es ist kein Problem, wenn Frauen wirklich in die Politik wollen“, sagte Ratchada. „Es gibt jedoch Herausforderungen. Zunächst bei den Frauen selbst … Eine politische Karriere beinhaltet viele Risiken. Es kommt darauf an, ob man bereit ist, diese Risiken auf sich zu nehmen.“

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