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Nha Trang lockt die Touristen an

Nha Trang lockt die Touristen an

Ist die vietnamesische Küstenstadt Nha Trang auf dem besten Wege, ein neues Pattaya zu werden, berüchtigt und berühmt für Sand, Sonne, Sex – und jetzt auch Sport? Oder wird Nha Trang das neue Patong, die jüngere Schwester von Pattaya auf der Ferieninsel Phuket? Oder könnte Nha Trang ein Touristenzentrum werden, das sich auf die ethnischen Cham konzentriert und auf die maritime und kulturelle Schönheit der Region?

Aufstrebend ist Nha Trang ganz sicher. Allein auf der Hotelbuchungsseite Agoda bieten 35 Fünf-Sterne-Hotels, 87 Drei-Sterne-Hotels und unzählige Ein- und Zwei-Sterne-Hotels sowie Pensionen Unterkünfte an. Die Anzahl steigt, es sind neue Hotels und Apartmenthäuser geplant, von denen einige die bereits existierenden 20-Stockwerke-Türme zwergenhaft aussehen lassen werden. Die beinahe elegante und von Bäumen beschattete Beach Road ist sieben Kilometer lang. An dieser entstehen immer größere Bauten.
An ihrem nördlichen Ende, an der die See auf den Grund für die Existenz der Stadt stößt, den Nha Trang River, entstand ein 40-stöckiger Apartmentblock aus Beton, dessen Höhe nur durch seine Hässlichkeit übertroffen wird. Die Monstrosität blickt auf den breiten Fluss und den alten Hafen, in dem jeden Tag an großen Holzbooten herumgehämmert und gesägt wird. Das Gebäude lenkt von dem ab, was das eigentliche Zentrum sein sollte: der Hindutempel Po Nagar aus der Cham-Periode. Der Tempel entstand zwischen dem neunten und 14. Jahrhundert und steht auf einem 50 Meter hohen Granitsockel. Von dort oben blickt man auf den Hafen, von dem aus Cham-Händler nach Borneo, Java, Sumatra und andere Inseln in Südostasien und im Südchinesischen Meer segelten.
Im Prinzip kann es ganz sicher nicht schaden, Nha Trang als Seebad weiter zu entwickeln, eine Stadt, in der etwa eine halbe Million Menschen leben. Das Seebad ist nur 40 Minuten vom Cam Ranh Airport entfernt, jetzt ein internationaler Flughafen. Cam Ranh selbst boomt auch. Es entstehen Wohnhausanlagen und Apartmentgebäude nördlich des Flughafens an einem sandigen, aber sonst gesichtslosen Strand. Der Flughafen war während des Krieges von US-Streitkräften gebaut worden.

Nha Trang fühlt sich wie eine richtige Stadt an. Hier gibt es Restaurants und Einkaufszentren und Touristen passen hier gut hin. Wenn man mit dem Zug von Saigon nach Da Nang fährt, liegt Nha Trang genau in der Mitte, es gibt viele Strände nördlich und südlich der Stadt, die Inseln vor der Küste wollen von Besuchern erkundet werden. Auf die Insel Hon Tre kann man mit der Seilbahn schweben, und die Naturschutzgebiete der Inseln Hon Mun und Hon Tam sind gut mit dem Boot erreichbar. Dort gibt es auch Korallenriffe.

Bislang wird in Nha Trang noch nicht offen Sex angeboten. Aber wenn man sich den Boom und die Entwicklung ansieht, nicht nur in Bezug auf Hotels, sondern vor allem bezüglich Apartments, die von Ausländern gekauft werden, dann wird das nicht mehr lange dauern. Ein neues Pattaya mag unmöglich und sicher auch nicht wünschenswert sein. Nha Trang ist noch lange keine Großstadt und die gesellschaftlichen Normen Vietnams sind ganz anders als die in Thailand. Nach Nha Trang kommen hauptsächlich Gruppenreisende, junge Pärchen und Familien aus China und Russland.

Merkwürdigerweise setzt die Tourismusindustrie nicht direkt auf Nha Trangs Vergangenheit und den Handel im Südchinesischen Meer. Die Geschichte der Cham ist über 1.000 Jahre alt und wurde auch von ausländischen Reisenden wie Marco Polo erwähnt.
Das könnte daran liegen, dass sich Vietnam in der Vergangenheit nicht viel aus den Cham und deren Geschichte gemacht hat. Doch die Cham waren ein Schlüssel des Handels zwischen Südostasien und China, ihre Häfen und Händler sorgten für die Verteilung von Gütern zwischen Java, Sumatra und Borneo sowie den Gewürzinseln. Als die Portugiesen Anfang des 16. Jahrhunderts das erste Mal in die Region kamen, nannten sie das Südchinesische Meer die Cham-See. Die Cham hatten eine eigene Sprache und Schrift.
Die Cham wurden nach und nach von vietnamesischen Invasoren und der Viet-Kultur absorbiert, aber erst 1832 verschwand der Staat Cham offiziell. Es gibt immer noch eine Minderheit, die Cham spricht, aber sie ist kaum mehr als eine Kuriosität.

Doch die Zeiten ändern sich. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe vietnamesischer Historiker, die die Errungenschaften der Cham als wichtigen Teil der vietnamesischen Geschichte ansehen, nicht nur als Fußnote. Aber die Behörden scheinen nicht gerade erpicht zu sein, dass den Cham via Tourismusindustrie nationale und internationale Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Der Hindutempel Po Nagar hat viele Besucher, weil der Tempel in der Nähe des Stadtzentrums steht. Vermutlich sogar mehr als das Weltkulturerbe My Son im Landesinneren. Aber in den lokalen Reiseführern sucht man vergeblich nach Zusammenhängen zwischen Orten wie Nha Trang und dem Cham-Königreich und seinem historischen Kontext und seiner Wichtigkeit für Asiens Geschichte und deren Völker.

Bliebe noch das Provinzmuseum, doch es ist in einem armseligen Zustand, und man könnte sehr viel mehr aus den ausgestellten Cham-Sammlungen machen und die Besucher den Kontext näher bringen. Die Besucher in Nha Trang könnten zudem ermuntert werden, eine weitere wichtige Cham-Stadt zu besuchen, Cam Ranh war die letzte Hauptstadt des Königreiches.
Kurz gesagt, Vietnam könnte sich selbst und seinen Besuchern einen Gefallen erweisen, wenn die Cham-Geschichte und ihre Dimension besser zur Geltung gebracht würden. Insbesondere für die Chinesen wäre das nützlich, wenn die Großinvestoren in vietnamesisches Grundeigentum ein wenig über das Volk lernten, das regelmäßig auf dem Südchinesischen Meer segelte bevor es die Chinesen taten. Nha Trang wäre ein guter Ort, damit anzufangen.

Beitragsquelle : http://www.asiasentinel.com/econ-business/vietnam-nha-trang-tourism/

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