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Neulich beim Grillen

Neulich beim Grillen

Kürzlich war ich abends in einem Hotel, das ein Büfett anbot. Es gab so allerlei Leckeres, auch Toastbrot und Butter. Vielleicht war das vom Frühstücksbüfett übrig geblieben. Es wurde aber auch gegrillt. Wie viele andere Gäste auch, so war ich meistens an dem Gegrillten interessiert.

Die Würstchen hatten die Köche an den Enden abgeschnitten und mit einem Messer über Kreuz Kerben hinein geritzt. Beim Brutzeln verzogen sich die Enden, und als die Würstchen fertig waren, sahen sie aus, als ob sie auf beiden Seiten je vier Beine hätten, mit denen sie wegrennen wollten.

Ich aß diese Würstchen zusammen mit Toast und Butter. Damit die Butterstückchen nicht schmolzen, lagen sie in einem kleinen Schüsselchen mit Eiswürfeln. Wenn ich die Butter mit dem Messer fachmännisch auf den Toast auftrug und versuchte, sie zu verstreichen, zerfetzte dabei die Toastscheibe. Die wurde immer dünner und dünner, und ich konnte hindurch sehen, und dann hatte ich wie gesagt nur noch Fetzen in der Hand. Mir blieb bei der nächsten Scheibe die Wahl zwischen keiner Butter oder einem Klumpen Butter auf einer Ecke der Toastscheibe.

Kluge Köpfe würden mir raten, mich doch einen Moment zu gedulden, weil die Butter bei der hier herrschenden Hitze in kurzer Zeit weicher wird. Aber mein Mordshunger ließ das nicht zu. Ich bediente mich daher an Kartoffeln und ging erneut zum Grill. Neben diesen hatten die Mitarbeiter Plastikgabeln gestellt, damit man nicht seine eigene Gabel holen und benutzen musste, um in das Fleisch zu pieken, das dort neben den verschrumpelten Achtbein-Würstchen lag.

Neulich beim Grillen

Ich nehme also eine dieser weißen Gabeln und will mir so ein gut aussehendes und hoffentlich saftiges Stück Fleisch auf meinen Teller bugsieren. Die Gabel drang in das Fleisch ein, das so heiß war, dass die Gabel sich verbog. Ich zog sie heraus und musste unwillkürlich an den unvergessenen Uri Geller denken. Endlich wusste ich, mit welchen Tricks er gearbeitet hatte.

Neue Gabel, neuer Versuch. Das Fleisch gelangte auf meinen Teller, die Gabel war aber noch verbogener als die erste. Auch egal.

Irgendwie kam mir beim Essen dann in den Sinn, was mir ein Freund kürzlich erzählt hatte. Er war irgendwo in Naklua in einem Lokal. Daneben wurde in einer Garküche gegrillt. Von seinem Platz aus konnte er sehen, wie der Grill angefeuert wurde. Nicht etwa mit Holzkohle, die noch in der Tüte steckte, das ist ja ein alter Hut, auch nicht mit Plastiktüten, sondern mit zerschnittenen Autoreifen.

Er mutmaßte sofort, dass die womöglich samt Auto gestohlen worden waren. Wie er darauf kam, weiß ich nicht. Ich dachte vielmehr daran, dass das doch eine prima Idee ist, Altreifen zu recyceln. Da muss man erst mal drauf kommen, alte Autoreifen zu zerschnipseln und dann als Brennmaterial für einen Grill zu verwenden. Die nicht ganz sachgerechte Entsorgung, die vielleicht zur Folge hat, dass Leuten, die das mit Autoreifen gegrillte Essen womöglich nicht so bekommt, führt jedenfalls dazu, dass sich der Altreifen in Luft auflöst und dazu noch einen guten Zweck erfüllt. Und wenn das das Hauptziel war, dann wurde es erfüllt. In Thailand herrscht Pragmatismus, der hier eine Kunstform ist.

Matthias Wichert, Pattaya

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