Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Neues Buch rockt Thailand

Neues Buch rockt Thailand

Mit Sex Spiel Rock ’n‘ Roll ist ein neues Thailand-Buch erschienen, und ein gutes dazu. Das Autorenduo Peter Berger und Louis Anschel führen den Leser böse an der Nase herum und lassen ihn an den Abenteuern eines Rockmusikers im Land des Lächelns teilhaben – bis zum völlig unerwarteten und plötzlichen Schluss.

Peter Berger ist kein Unbekannter. Von ihm stammt Verratene Liebe!, mit dem er einen Beachtungserfolg erzielte.

Louis Anschel ist ein Veteran mit unzähligen Veröffentlichungen. Seine Thailand-Bücher dürften nach wie vor bei Expats und Touristen bekannt sein.

Die Inhaltsangabe auf dem Cover verrät, dass es in dem Buch um einen ehemaligen Schweizer Rockmusiker geht, der nach Phuket kommt, ein neues Leben beginnen und ein Buch schreiben will. Weil er zunächst keine Einfälle hat, tröstet er sich mit einer dem Glücksspiel verfallenen Friseuse.

Äußerst interessant ist hier schon einmal der Anfang, denn die Hauptfigur Old Bergi, ein Schlagzeuger ohne Band und Instrument, ist soeben nach Thailand ausgewandert. Während er Ideen für ein Buch sammelt, das er gerne schreiben will, betrachtet er das Land durch die Augen eines Neulings, und der Leser wird hier ständige Aha-Effekte haben, weil es ihm in vielen Situationen ähnlich gegangen sein dürfte.

Schließlich fällt Old Bergi in die Arme von „Meine ist anders“, die allerdings nicht Old Bergi oder dem Rock ’n‘ Roll verfallen ist, sondern dem Glücksspiel. Außerdem trägt sie noch eine Altlast in Gestalt eines amerikanischen Säufers mit sich herum, der sich ab und zu mal blicken lässt und Geld für den nächsten Doppelten verlangt.

All das wird Old Bergi, der dem Geschehen anfangs mit größter Toleranz gegenübersteht, zu viel. Hier setzt eine interessante Charakterentwicklung der Hauptfigur ein. Sehr witzig ist eine Stelle, in der Co-Autor Louis Anschel im Buch die Bühne betritt und seinem Kumpel Old Bergi erklärt, wie das Buch aussehen sollte, an dem er gerade schreibt. Und alles, was Anschel da in knappen Worten sagt, setzt Old Bergi offensichtlich auch um, wie der Leser, der das Buch liest, bald feststellen wird.

So tolerant und verständnisvoll wie anfangs kommt Old Bergi im weiteren Verlauf der Geschichte nicht mehr herüber.

Als er anfängt, sein Buch zu schreiben, wird aus ihm ein Zyniker, der alles und jeden aus dem Weg räumt, das und der sich ihm in den Weg stellt. Hier sollte der Leser im Kopf behalten, dass die Hauptfigur ein Buch schreibt, und man bekommt hier ein Potpourri aus Realität und Roman serviert. Was ist denn nun erfunden oder wirklich passiert? Hier machen sich die Autoren über die Frage lustig, die ihnen wahrscheinlich einmal zu oft gestellt wurde: Ist die erzählte Geschichte im Buch autobiographisch oder erfunden?

Willkommen im zweiten Teil des Buches! Hier wechselt der Rockmusiker seinen Standort und geht nach Koh Samui. Wie schon im ersten Teil, lernt er diverse Leute kennen, die alle ihre eigene interessante Geschichte haben. Aber anstatt ausführlich auf diese einzugehen, wird hier immer nur ganz kurz geschildert, um welche Leute es sich handelt, welchen Hintergrund sie haben.

Berger und Anschel sind hier Verschwender von Ideen, andere Schriftsteller hätten der einen oder anderen Figur im Buch vielleicht ein ganzes Kapitel, vielleicht einen ganzen Roman gewidmet, nicht aber das Autoren-Duo, dem ein Absatz oder eine Seite reicht, um dann flott Tempo zu machen und zum nächsten Thema überzugehen.
Mag der Anfang etwas lang wirken, so wird das Tempo bald schneller, und schließlich heißt es für den Leser: Bitte anschnallen!

Das Leitmotiv der Geschichte verlieren die Autoren auch im rasant daher kommenden zweiten Teil des Buches nicht aus den Augen: Es geht um die Liebe zu den Frauen und natürlich zur Musik.

Neben der Spannung, es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, und den vielen Stellen, an denen man sich selbst wieder erkennen könnte, wartet das Buch auch mit Humor auf. Manche Szenen sind derartig komisch, dass man laut loslachen möchte, andere wiederum weisen eine eher hintergründige Komik auf oder Ich-Erzähler Old Bergi kommentiert wortkarg mit einem Satz das Geschehen, mit dem das Autorenduo sofort ein Grinsen in das Gesicht des Lesers zaubert.

Besser als Klaus-Dieter Grahl kann man eine Kritik in zwei Sätzen kaum zusammenfassen. Er sagte über das Buch, er sei sicher, dass die geschilderte Faszination der „Thai-Magie“ auf den Leser übergehe. Zudem fühle er sich passagenweise an die Gebrüder Coen erinnert.

Folgende Stelle ist typisch für das Buch:

Nam erzählt mir von Trang und den Kautschukplantagen und erklärt mir, wie die Kautschukgewinnung vonstatten geht. Nachts wird die Rinde der Bäume aufgeschnitten, und der herauslaufende Kautschuk in Bechern aufgefangen. Nachts, weil es tagsüber zu heiß ist und der Kautschuk noch im Stamm sofort trocknen würde.

Ich selbst sehe mich vor meinem inneren Auge nachts mit einer Stirnlampe in der Gegend herumgurken und Kautschuk zapfen. Dann komme ich bei Sonnenaufgang nach Hause, und Nam begrüßt mich. Und ihre schrägen Kinder. Und ihre ernst dreinblickende Mutter.

Da ist dieser Typ, der die Familie in der Heimat verlässt, weil er die tägliche Routine nicht mehr erträgt und in Thailand eine Frau kennenlernt, die er recht bald heiratet. Um dann mit ihr und ihren Kindern aus erster Ehe, den Schwiegereltern und einem Schwager in einem Haus auf dem Land in Nakhon Nirgendwo zu leben. Seine Situation ist schlimmer als vorher. Das wäre nicht Stoff für ein Buch, sondern für eine mindestens hundertteilige Sitcom – eingeblendete Lacher inklusive. Ob dieser Vision mache ich mich allein auf den Weg zum Strand.

Das Buch kann per E-Mail bei Peter Berger  für 400 Baht nebst Versandkosten bestellt werden.

Ähnliche Beiträge