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Nachfolger gesucht

Nachfolger gesucht

Stellen Sie sich vor, Sie sind Hotelier in Hua Hin und wollen sich in Ihren wohlverdienten Lebensabend verabschieden. Nur noch ein wenig arbeiten, nicht mehr viel, endlich Dinge tun können, die Sie schon immer machen wollten, aber aus Zeitgründen nicht konnten.

Gleichzeitig wollen Sie aber sicherstellen, dass Ihr Baby, in diesem Fall Ihr Hotel, das Sie über die Jahre gehegt und gepflegt und lieb gewonnen haben, weil Sie mit ganzem Herzen bei der Sache waren, in gute Hände kommt und nicht innerhalb von ein paar Wochen in Grund- und Boden gewirtschaftet wird.

Die vielen deutschsprachigen Stammkunden wären zudem womöglich nicht begeistert, sich plötzlich an eine Thaibewirtschaftung gewöhnen zu müssen.

Dann wären sicherlich auch viele Thais Gäste in dem Hotel. Die parken dann, so die Befürchtung der Geschäftsführerin, mit ihren Pick-ups die Einfahrt zu, öffnen die Türen und drehen die Stereoanlage bis zum Anschlag auf, und setzen sich mit ein paar Bieren auf die Ladefläche ihrer Kleintransporter. Party Thai Style. Die Gäste aus Mitteleuropa würden in Rekordgeschwindigkeit das Weite suchen.

Es sollte also schon jemand sein, der nicht nur die deutsche Sprache beherrscht, sondern auch die mitteleuropäische Kultur mitbringt.

Damit fiel der Startschuss für die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für die Geschäftsführerin.

Der erste Kandidat ist ein Österreicher, 64 Jahre alt. Zwar würde ihn die Leitung des Hotels durchaus interessieren, sagt er während des ersten Gesprächs, er habe sich aber nicht vorgestellt, dass die Leitung eines Hotels derartig viel Arbeit mache. Wegen seines in seinen Augen stark fortgeschrittenen Alters sei er dazu nicht willens. Mit 65 bekomme er seine österreichische Rente. Wenn der Staat in Form der Rentenzahlung sage, man müsse nichts mehr machen, dann solle man sich als guter Österreicher auch daran auch halten.

Der zweite Kandidat erscheint in verlottertem T-Shirt und mit Badelatschen zum Gespräch. Er pflanzt sich sofort hin und erwartet, dass die Geschäftsführerin den Bewerber bedient.
Manieren und Kavaliere der alten Schule scheinen ausgestorben zu sein. Bei diesem Auftreten ist das Gespräch beendet bevor es beginnt.

Der dritte Kandidat überreicht bei dem Gespräch erst einmal zwei eng beschriebene A4-Bögen. Auf diesen hat er seine Lebensweisheiten festgehalten. Anstatt über das Hotel zu sprechen und Fachfragen über dieses zu stellen, teilt er der nicht zu Wort kommenden Geschäftsführerin mit, wie schön er sich sein Leben gestalte, und dass die Welt eine Bessere sei, wenn alle so lebten wie er. Er verwies auf die Bögen und deutete auf das schriftlich niedergelegte Beispiel, dass negative Gefühle ungesund seien und man frühzeitig sterbe, wenn man diese hegte. Ein geregelter Tagesablauf sei wichtig, der mit Frühstück und Körperertüchtigung begann und mit einem Nickerchen fortgesetzt wurde. Viel Zeit für Arbeit bleibe da nicht. Ende des Gesprächs.

Der vierte Kandidat wollte gleich beim ersten Vorgespräch alle Zahlen haben und wunderte sich, dass die Geschäftsführerin ihre Buchhaltung nicht parat hatte.

Der fünfte Kandidat hat geschäftlich auf Koh Samui zu tun und ist von der Idee, Geschäftsführer eines Hotels zu werden, begeistert, weil er vom Fach ist. Ein erstes Gespräch verläuft erfreulich. Danach lässt er sich mehrmals entschuldigen, stellt schließlich sein Handy ab und ward nicht mehr gesehen.

Der sechste Kandidat ist noch gar nicht in Thailand, kann sich nach ein paar Urlauben aber gut vorstellen, in den Tropen zu leben. Wann er komme, wisse er aber noch nicht.
Der siebte Kandidat ist ehemaliger Geschäftsmann und Berufsalkoholiker. Er will irgendwie gar nicht begreifen, weshalb er nicht in die engere Auswahl kommt.

Nachfolger gesucht
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An ihm und den unzähligen weiteren Kandidaten manifestiert sich, wie es so ist, wenn man in Hua Hin oder auch anderswo in diesem Land eine geeignete Arbeitskraft oder einen Nachfolger in der Chefetage sucht. Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Vorurteil, wenn behauptet wird, Auswanderer seien Frauenhelden, die zu tief ins Glas blicken.

Die Geschäftsführerin überlegte inzwischen, ob sie ihr Hotel schließt und es samt Grundstück verkauft. Eine andere Wahl schien ihr nicht zu bleiben.

Dann kommt noch ein Kandidat, quasi in letzter Minute. Ein erstes Gespräch verläuft sehr positiv, auch die weiteren Gespräche. Die beiden werden sich einig.

Die Geschäftsführerin wird ihren Posten bald räumen und das Hotel eine neue Bewirtschaftung bekommen. Dem neuen Geschäftsführer sei an dieser Stelle viel Erfolg gewünscht und der ausscheidenden Geschäftsführerin alles Gute.

Euer

Walter Weiß

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