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Moral und politische Ziele

Pattaya im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit: Sogar das amerikanische „Wall Street Journal“ berichtete über den Versuch von Thailands Premierminister General Prayuth Chan-ocha, Pattaya von den „unmoralischen“ transsexuellen Prostituierten zu säubern. Das „Wall Street Journal“ schrieb von einem „Sittlichkeitsfeldzug“, bei dem die Polizei es auf die sogenannten Ladyboys abgesehen hat, die in der Sexindustrie des Landes besonders berüchtigt sind.

Die Aktion ist ein Teil von General Prayuths Kampagne, Thailand von seinen Lastern zu befreien und, wie das „Wall Street Journal“ es beschreibt, den moralischen Kompass in Thailand neu zu kalibrieren.

Prostitution ist in Thailand technisch gesehen illegal, aber eigentlich sollte das nicht erwähnt werden, weil das Land in der ganzen Welt für käuflichen Sex bekannt ist, ob in Form von Shows oder privaten Zusammenkünften. Wenn man durch Pattaya geht (oder Städte wie Bangkok und Chiang Mai), dann wird es nicht lange dauern, bis man auf Prostituierte stößt, die für Geld Partnerschaften und sexuelle Gefälligkeiten anbieten.

Im Artikel des „Wall Street Journal“ sagte ein Transsexueller: „Wir müssen auch etwas verdienen.“ Auch, wenn die Ladyboys in der thailändischen Kultur durchaus integriert und in der Sexindustrie sehr präsent sind, so werden sie diskriminiert, sobald es um höhergestellte Arbeitsverhältnisse geht. Sie können nicht ihr Geschlecht wechseln, was den Ausweis betrifft, sie werden häufig auch entlassen oder von Beförderungen ausgeschlossen, wenn herauskommt, dass es sich bei ihnen um Transsexuelle handelt. In solch einem benachteiligten Arbeitsumfeld ist es dann doch unfair, sie wegen politischer Ziele zu verfolgen. Wenn schon Razzien durchgeführt werden, dann sollten alle Prostituierten, auch die weiblichen oder Homosexuelle, das Ziel sein, aber genauso ist es offensichtlich nicht.

Natürlich ist Thailand nicht das einzige Land, in dem so etwas vorkommt. Auch Kambodscha bekämpft die Prostitution, die dort ebenfalls eher problematisch gehandhabt wird. Nach Razzien werden Frauen vor die Wahl gestellt, ein „Umerziehungslager“ zu besuchen, um sich auf eine andere Arbeit vorzubereiten, oder aber sie bleiben auf unbestimmte Zeit in Polizeigewahrsam. Frauen, die sich bereiterklärte, sich umerziehen zu lassen, berichteten danach von erheblichen Schwierigkeiten. In der Textilindustrie verdienen sie umgerechnet 2.500 Baht pro Monat und können damit kaum ihre Miete bezahlen, geschweige denn, ihre Familien ernähren. Eine dieser Frauen ging nach der Arbeit abends anschaffen, um ihr mageres Gehalt aufzubessern.

Die Realität ist, und das gilt auch für Thailand, dass Frauen in vielen Fällen mit Sex mehr verdienen können als mit einem Durchschnittsjob. Diese Frauen in Arbeitsverhältnisse zu zwingen, in denen sie nicht nur sehr viel mehr arbeiten müssen, sondern auch noch weitaus weniger verdienen, wird zu nichts führen.

Sollte es Hilfsprogramme für Frauen geben, die die Sexindustrie verlassen wollen? Natürlich. Sollten die Behörden den Frauen helfen, die Opfer von Menschenschmugglern wurden? Natürlich. Aber die Frauen, Männer und insbesondere die Transsexuellen zu kriminalisieren, weil die Moralkeule geschwungen wird, ist ganz sicher der falsche Weg und kann zu gefährlichen Situationen führen.

Natürlich soll nicht unbeachtet bleiben, dass Menschenschmuggel in Thailand und in anderen Teilen Südostasiens ein großes Problem sind. Niemand wird abstreiten, dass es Opfer gibt, die gekidnappt und gegen ihren Willen in die Sexindustrie verkauft werden. Geld und Arbeitskräfte zu investieren, um den Menschenschmuggel einzudämmen und Opfer zu befreien, und diese hier wollen wirklich befreit werden, wäre ein moralisches Ziel.

Opfer aus den Händen von Menschenschmugglern zu befreien, ist eine Sache, während die „Befreiung“ von Prostituierten, die freiwillig in der Sexindustrie arbeiten, eine ganz andere Sache ist. In Ländern wie Thailand und Kambodscha, in denen die Sexindustrie einen nicht unerheblichen Teil des Tourismus ausmacht, wäre es einfach nur lächerlich zu erwarten, dass Razzien das Ende der Sexindustrie bedeuten könnten. Das einzige, das passieren könnte, ist, dass Prostituierte in den Untergrund getrieben werden, was ihren Beruf gefährlicher macht. Anstatt sich über Moral Gedanken zu machen und darüber, was Menschen mit ihren Körpern anstellen, sollten die Behörden vielmehr dafür sorgen, dass Prostituierte vor Gewalt und Missbrauch geschützt sind und sicherstellen, dass sie sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten untersuchen lassen und ihnen immer wieder eingetrichtert wird, wie wichtig es ist, in diesem Job ein Kondom zu benutzen.

Die Sexindustrie ist ein komplexes Gebiet. Und noch einmal, es kann nicht abgestritten werden, dass es Menschen gibt, die nichts anderes als Sexsklaven sind. Die Schuldigen sollten bestraft und solche Taten verhindert werden. Aber wenn ein Erwachsener freiwillig nach Pattaya kommt, um Geld zu verdienen, dann ist das etwas ganz anderes. Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt, heißt es. Es gibt Leute, die für Sex bezahlen, weshalb sollten also die bestraft werden, die für Geld Sex anbieten? Es ist auch wahr, dass Leute oft wegen ihrer privaten oder finanziellen Umstände in der Sexindustrie arbeiten. Doch das ist ein anderes Thema, in dem es darum geht, wie man eine Gesellschaft umgestalten kann, in der die Leute mehr Wahlmöglichkeiten haben.

Es ist jedoch rückständig, wenn Prostituierte als Kriminelle gelten und darüber hinaus auch noch einseitige Razzien gegen Transsexuelle stattfinden.

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