Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Migrantenschicksale zeigen die wahre Thai-Psyche

Migrantenschicksale zeigen die wahre Thai-Psyche

Es wäre eine Untertreibung, wenn man sagte, dass Thailand zwischen Baum und Borke sitzt, wenn es um die Rohingya-Krise geht. Als Hauptumschlagplatz für Menschenhändler-Netzwerke ist Thailand ein Sprungbrett für Migranten, die in Drittländer wollen, meistens Malaysia und Indonesien.

Der Druck auf die Regierung von General Prayuth Chan-ocha erhöht sich, Asylanten in Flüchtlingslagern unterzubringen, zumindest kurzfristig. Aber die Regierung ist zurückhaltend und unwillig, solche Lager bereitzustellen.
Unterdessen wird auf Malaysia und Indonesien anderer Druck ausgeübt. Da mehrheitlich Moslems in diesen Ländern leben, wird von ihnen erwartet, Menschen mit demselben Glauben zu helfen. Aber auch sie sind vorsichtig, die Schleusen für die Massen von Flüchtlingen zu öffnen, die noch auf See treiben.

Abgesehen von den USA verhielten sich die meisten westlichen Nationen, auch Australien und Neuseeland, still, was das Thema betrifft, denn sie befinden sich in einem ähnlichen Dilemma.
Interessant ist allerdings, dass US-Außenminister John Kerry sowohl von Amerikanern als auch Thais kritisiert wurde, weil er Thailand aufforderte, Flüchtlingen humanitäre Hilfe in Thailand zukommen zu lassen. Das Versprechen der Amerikaner, internationale Bemühungen zu leiten, den Rohingya zu helfen, wird in den USA vermutlich weitere Opposition auslösen, während in Thailand die Kritik der Skeptiker nicht unterdrückt werden kann.
Während die Rohingya-Krise ihren weiteren Lauf nimmt, wird sie schnell zu einer globalen Gewissenskrise.
In Thailand zeigt sich diese Gewissenskrise insbesondere in den sozialen Medien. Die Stimmung der Mehrheit ist abwehrend und feindlich und manchmal stark untermalt mit rassistischen Tendenzen.
Wenn man die vielen Postings und Kommentare liest, könnte man sehr schnell von der ausländerfeindlichen Stimmung fortgespült werden. Für Menschen, die sich für Humanität einsetzen, ist das ziemlich deprimierend. Das Thema führte unter Bekannten, aber auch Fremden zu einer Polarisierung.
Die hasserfüllten, beleidigenden und bösartigen Ergüsse über die Rohingya-Migranten sind ein bedrückendes Phänomen und soziologisch verblüffend.
Thailand und seine Menschen waren schon immer stolz auf ihre buddhistische Tradition, in der traditionell gegenüber den weniger Glücklichen Freundlichkeit und Mitgefühl entgegen gebracht wird. Doch die jetzigen Ereignisse zeigen, dass dies wohl eine Sache der Vergangenheit ist.
Was ist passiert, dass einstmals freundliche und mitleidige Menschen hartherzig wurden?
Ich gebe zu, ich habe nicht den richtigen Einblick in dieses Phänomen. Doch die schwierige wirtschaftliche Lage gehört sicherlich dazu. Viele Netzbürger argumentieren, dass wir uns erst selbst helfen sollten, denn es gibt schon so viele arme Thais, die auf Hilfe warten. Andere nennen die Wirtschaftsflaute als Grund, weshalb das Land sich keine humanitäre Hilfe leisten kann.
Es ist vernünftig zu argumentieren, dass Thailand viel getan hat, um Hilfsbedürftigen humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Dazu gehört auch, dass eine große Anzahl von Flüchtlingen während des Vietnamkrieges und Asylanten, die aus dem unterdrückten Burma flüchteten, aufgenommen wurden. Es gibt immer noch über 100.000 Flüchtlinge aus Burma, die in Thailand in Flüchtlingslagern leben, allerdings werden die Kosten von internationalen Organisationen getragen.
Aus diesem Grunde sei Thailand jetzt nicht in der Position, wirtschaftlich oder sozial, den neuen Flüchtlungen zu helfen, insbesondere dann, wenn sie einer Religion angehören, die dazu geeignet ist, zu sozialen Konflikten zu führen, wird argumentiert.
Ich vermute aber, dass der Grund für den Mangel an Mitleid viel tiefer geht. Ich befürchte, dass es das soziale Gefüge ist, in dem wir leben, das die Fundamente für die grausame Transformation der thailändischen Psyche legte.

Das ist ein System, in dem Geld Gott ist, in dem der Wert des Menschen anhand seines Vermögens abgeschätzt wird. Je tiefer man auf der wirtschaftlichen Leiter steht, umso weniger Mensch ist man. Das ist eine Gesellschaft, in der Ungerechtigkeit die Norm ist. Jeder steht in einem Wettbewerb um eine Position, in der er über das Leben anderer bestimmen kann. Denn wenn man eine bestimmte Ebene von Wohlstand und Autorität erreicht, wird man beinahe immun für die Konsequenzen seiner Handlungen.
Das unanständige Auseinanderklaffen der Einkommensschere und Ungerechtigkeit, die politische Unruhen im letzten Jahrzehnt auslösten, haben seit einiger Zeit dazu geführt, den Groll im Bewusstsein der Thais immer weiter aufzustauen.
Dieser Groll, der lange vor sich hin schwelte, hat nach und nach das Mitgefühl aufgefressen, das in den Herzen der Thais zu finden war. Der Groll ist vermutlich dafür verantwortlich, dass das weltberühmte Thai-Lächeln von unseren Gesichtern gewischt wurde, und wir nur eine schlechte Imitation unserer selbst sind.
Ein bestimmter Satz, der immer öfter in den sozialen Netzwerken fällt, weist auf die vorherrschende Stimmung hin. Wenn soziale Ungerechtigkeit kommentiert wird, sagt jedes Mal einer: „Es wird immer schwieriger, in diesem Land zu leben.

Die Rohingya gehören mit zu den am meisten verzweifelten Menschen der Welt, und sie brachten das Schlimmste in thailändischen Menschen ans Licht. Stünde Thailand wirtschaftlich besser da oder gäbe es ein gerechteres Gesellschaftsgefüge, dann hätte das thailändische Volk vielleicht mehr Mitgefühl gezeigt.
Gegenüber den Rohingya Mitgefühl zu zeigen oder Thailands Grenzen zu schützen sollten keine Ziele sein, die sich gegenseitig ausschließen, sagte ein Akademiker.
Doch das Ziel der Regierung ist ganz offensichtlich, die Rohingya auf dem Meer zu belassen oder ihre Boote gar auf die offene See zu schleppen – so, wie es unter Premierminister Abhist bereits geschehen ist. CNN berichtete darüber, thailändische Behörden dementierten vehement. Jetzt scheint man kein Geheimnis mehr daraus machen zu wollen. Ganz im Gegenteil: Thailand argumentiert, dass es die nationale Sicherheit über Menschenrechte stellt. Laut Anusorn Unno, Soziologe an der Thammasat Universität, sei das ein Fehler.
Der Grund, dass das Militär Flüchtlingsboote auf die offene See zurückdrängt ist die Angst vor den Konsequenzen, die es gäbe, würden man Migranten und Asylanten erlauben, in Thailand zu bleiben, sagte Anusorn. So gäbe es islamophobische Gruppen, die die Rohingya fälschlicherweise mit den Aufständischen im Süden des Landes in Verbindung bringen und dann auf die Gefahren für die nationale Sicherheit hinweisen.
Die Meinung, dass die Migranten eine Gefahr für Thailand darstellen, scheint in den sozialen Medien eine Lawine losgetreten zu haben. „Der Trend, alles zu pauschalisieren, ist sehr beunruhigend“, sagte er.
Der Bürgerrechtsanwalt Surapong Kongchantuk sagte, Thailand sei eines der wenigen Länder, das glaube, dass Menschenrechte und nationale Sicherheit nicht zu gleicher Zeit abgesichert werden könnten. Thais hätten die Tendenz zu glauben, dass der Schutz der Menschenrechte die innere Sicherheit gefährdet oder umgekehrt. „Das Resultat sind schlechte Ergebnisse auf beiden Gebieten“, sagte Surapong.
Japan, europäische und andere Länder hätten es geschafft, eine Politik zu machen, die es erlaubt, sowohl Flüchtlinge und Asylanten aufzunehmen, während gleichzeitig die Grenzen gesichert werden, sagte Surapong.

Thailands Zurückweisung der Boat People verletzte viele internationale Menschenrechte. Auch wenn Thailand die Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen von 1951 nicht unterschrieb, so sei das Land doch verpflichtet, hilfsbedürftigen Menschen humanitäre Hilfe zu leisten, sagte der Bürgerrechtsanwalt.
Die Behörden sollten sich an die Immigrationsgesetze halten, die besagen, dass illegale Immigranten von Behörden festgesetzt und dann abgeschoben werden. Entweder in die Heimat oder in ein Drittland.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/569479/migrants-plight-brings-out-the-worst-of-thai-psyche
http://www.bangkokpost.com/lite/news/571439/rohingya-crisis-stirs-up-anti-islam-fears

Ähnliche Beiträge