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Mehr Frauen als Männer

Mehr Frauen als Männer

Seit dem Vietnamkrieg waren die leicht bekleideten Damen in Bars der Bangkoker Patpong nicht das Aushängeschild, aber das Gesicht der thailändischen Tourismusindustrie.

Letztes Jahr änderte sich das: Das erste Mal kamen mehr weibliche ausländische Besucher nach Thailand als Männer. Das liegt an den vielen Chinesinnen, die ins Land strömen und das lang anhaltende Bild von Thailand als „Sexhauptstadt“ ins Wanken bringen.

Die thailändischen Behörden sind darüber natürlich begeistert, weil sie schon lange bemüht sind, Tempel und Strände anzupreisen und Shoppen und Medizintourismus zu fördern. Die Sexindustrie soll nicht mehr eine so große Rolle spielen wie seit Beginn der 60er Jahre, als amerikanische Soldaten vor dem Krieg in Vietnam in Thailand Urlaub machten.

Im Jahr 2016 kamen über 32 Millionen Touristen nach Thailand, davon waren 52 Prozent Frauen.
2015 waren es 48 Prozent und 2012 nur 42 Prozent. Der Trend ist offensichtlich. Für die Zeit davor gibt es keine Daten. Nur eine Studie von 1980, in der es heißt, 40 Prozent der Touristen seien Frauen.

Früher kamen nicht so viele Frauen nach Thailand, weil sie meinten, es sei ein billiges Reiseziel mit zu vielen Lastern. Aber jetzt kommen mehr, was bedeutet, dass unser Image ihrem Geschmack entspricht“, sagte Tourismusministerin Kobkarn Wattanavrangkul.
Der Tourismus macht um die zwölf Prozent des Wirtschaftswachstums aus und ist seit dem Putsch 2014 die am schnellsten wachsende Industrie.
Das staatliche Fremdenverkehrsamt TAT hofft, mehr junge Touristinnen für Thailand interessieren zu können und begann letztes mit der Kampagne „Women’s Journey“, mit der auf einer Website und mittels App Frauen Sonderpreise für Hotels, Spas, Einkaufszentren und Restaurants eingeräumt werden.

Der größte Faktor sind aber chinesische Touristen, die nicht nur Thailand, sondern die Tourismusindustrie in der ganzen Welt verändert haben.
Die Anzahl der Chinesen, die Thailand besuchten, machten 2012 einen Anteil von zwölf Prozent aus. Letztes Jahr waren es schon 27 Prozent, Tendenz steigend. Die Anzahl chinesischer Touristinnen in Thailand vervierfachte sich in diesem Zeitraum auf über 5,3 Millionen.
Wenn chinesische Männer viel Geld verdienen, nehmen sie ihre Frau, Tochter und Mutter mit auf Reisen. Daher ist das Verhältnis der Frauen überdurchschnittlich hoch“, sagte der Vizevorsitzender des Verbandes thailändischer Reiseveranstalter, Virat Chatturaputpitak.
Laut chinesischen Medien waren letztes Jahr 62 Prozent Frauen Kunden der größten chinesischen Reisewebsite Tuniu.

Billig, einfach, nicht weit weg

Ich bin nach Thailand gekommen, weil es in der Nähe liegt, es viele Flüge gibt, es billig ist und man leicht ein Visum bekommt“, sagte Man Na Zhang, 24, am Bangkoker Erawan-Schrein, der trotz des Bombenanschlags von 2015 bei Chinesen nach wie vor eine beliebte Sehenswürdigkeit ist.

Chinesische Touristinnen, die bei der Ankunft ein Visa on Arrival erhalten, nannten auch den Steuernachlass auf Duty-Free-Produkte als Reisegrund. Sie kaufen Kosmetika, Vogelnestsuppe, Vitamine und andere Dinge.
Viele Geschäfte in Bangkoks Einkaufszentren akzeptieren Alipay, den chinesischen Online-Zahldienst. Big C in der Nähe des Erawan-Schreins ist voller chinesischer Touristen, die Nudeln, Seetang oder getrockneten Tintenfisch kaufen.

Touristikbetriebe drucken Speisekarten auf Chinesisch und bieten Mitarbeitern Mandarinkurse an, weil letztes Jahr die chinesische Kundschaft die aus Europa, Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika zusammengenommen überstieg.
Die „Goldene-Woche“-Ferien der Chinesen brachten 70 Prozent mehr Chinesen als letztes Jahr, teilte das Tourismusministerium mit.

Was die traditionellen Nationen der Sextouristen anbelangt, dominieren hier nach wie vor Männer: Japan 68 Prozent, Großbritannien 58 Prozent und fast 56 Prozent bei Amerikanern, Australiern und Deutschen. Doch auch hier kommen immer mehr Frauen nach Thailand.
Die Sexindustrie stirbt keinesfalls, aber Geschäftsleute in den Rotlichtvierteln wie Patpong beklagen sinkende Besucherzahlen.
Es kommen ganz klar weniger Touristen her, insbesondere in der Nebensaison, wenn der Umsatz von Zehntausenden Baht täglich innerhalb eines Tages auf null abrutschen kann“, sagte Somkid Sangwong, Manager eines Restaurants in der Silom Road in der Nähe der Patpong.

Phadet Mesild, Mitglied des Vorstandes des Tourismusverbandes Koh Samui, ebenfalls ein beliebtes Reiseziel für Sextouristen, sagte, der Rückgang der Nachfrage habe viele Etablissements auf der Insel zur Schließung gezwungen.
Seit dem Putsch 2014 gibt es immer wieder Razzien in Bordellen, Bars und Massagesalons. Diese konnten den Etablissements nichts anhaben, aber wenn die Nachfrage sinkt, dann wird sich trotzdem auf Dauer etwas ändern.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/business/tourism-and-transport/1346110/go-go-going-as-chinese-women-fuel-tourism-boom

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