Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Luftschiff am Boden, Regierung in Deckung

Luftschiff am Boden, Regierung in Deckung

Der Zeppelin, Stolz der thailändischen Armee, wurde ausgemustert. Das Luftschiff hatte sich nur selten in die Lüfte erhoben. Jetzt ist es weg.

Das Ausmustern des teuren Zeppelins, der nur selten für die ihm zugedachten Aufgaben benutzt wurde (Aufklärung von oben in den südlichen Unruheprovinzen) ist ein Beispiel dafür, dass Vetternwirtschaft in Thailand leibt und lebt und zur Mentalität der thailändischen Gesellschaft gehört, was die Ungleichheit in der Gesellschaft unterstreicht, die verhindert, dass das Land freier und gerechter werden kann.

Seit seiner Anschaffung vor acht Jahren 2009 stand der 42 Meter lange Zeppelin im Blickpunkt der Kritik. Der Süden stand in Brand. Aufständische verübten Attentate, legten Bomben, lieferte sich Schießereien. All das beinahe täglich. Und die Armee, damals war General Anupong Paojinda Armeechef – jetzt ist er Innenminister – dachte, es sei das Beste, wenn die Guerillas aus der Luft bekämpft werden: mit einem lenkbaren Ballon.

Theoretisch sollte das Luftschiff vom Typ Aeros 40D, Spitzname Sky Dragon (Himmelsdrache), 3.000 Meter hoch fliegen. Dort hätte man es nicht hören können, ein Abschuss mit einem Gewehr wäre unmöglich gewesen. In Wirklichkeit flog der Zeppelin in technische Probleme, und das schon beim ersten Startversuch im Januar 2010. Da hob er gar nicht erst ab. In der Außenhaut wurden Lecks entdeckt. Bei späteren Testflügen stellte sich dann heraus, dass eine Höhe von über 1.000 Metern nicht erreicht werden konnte, das war nur ein Drittel der garantierten Flughöhe. Dennoch wurde das Luftschiff von der Armee übernommen. Kostenpunkt: 340 Millionen Baht.

Der Grund, weshalb der Zeppelin nicht höher stieg, ist in der Schwerkraft zu finden. Er wurde mit teuren und schweren Kameras beladen und hing so in halber Höhe wie ein Goldfisch im Wasser, dem die Luft ausgegangen ist.
Beim Luftschiff allerdings ging das Helium aus. 2012 wurde er für 50 Millionen Baht repariert. Monatlich musste Helium nachgefüllt werden. Ende 2012 stürzte das Luftschiff ab und wurde dabei schwer beschädigt.
Man hörte erst wieder vom Zeppelin, als er bei einer Notlandung 2014 erneut abstürzte. Danach verschwand er aus den Augen der Öffentlichkeit. Von sich Reden macht er erst wieder Mitte September, als Armeechef General Chalermchai Sitthisad offensichtlich aus Versehen Journalisten sagte, der umstrittene Zeppelin werde außer Dienst gestellt.

Die ganze Zeit über war das Luftschiff weniger ein Spion als eine Belastung. Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass der Zeppelin, der meist in einem teuren Hangar blieb, den Steuerzahler 340 Millionen Baht gekostet hat. Die gute Nachricht ist, dass vom Steuerzahler jetzt nicht mehr die monatlichen Wartungskosten von 300.000 Baht bezahlt werden müssen.
Das Interessanteste an dem Projekt „Eye in the Sky“ ist, wie die Leute, die am Kauf beteiligt waren, auf die Nachricht über die Außerdienststellung reagierten. Der damalige Armeechef und jetzige Innenminister General Anupong sagte, von Reportern auf den Tod des Zeppelins angesprochen, er habe keinen Kommentar, er sei seit sieben Jahren pensioniert.
General Prayuth Chan-ocha, damals der Nachfolger von General Anupong als Armeechef und jetziger Premierminister, wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben. Der jetzige Verteidigungsminister General Prawit Wongsuwon, damals ebenfalls Verteidigungsminister, wollte auch nichts sagen.

Später, nachdem Rechnungsprüfer Pisit Leelavachiropas versprach, die Anschaffung des Luftschiffs vor allem in finanzieller Sicht genau unter die Lupe zu nehmen, sagte General Anupong, er habe nichts gegen eine solche Untersuchung. Er verteidigte den Zeppelin und meinte, nur dieser sei ausgemustert worden. Die Kameras könne man weiter verwenden. Die sollen jetzt an Hubschraubern angebracht werden. Er sagte, bei der Anschaffung und deren Genehmigung seien alle Gesetze befolgt worden.

Das ist aber nicht der Punkt. Es geht nicht darum, ob man ein Luftschiff recyceln kann, sondern darum, ob sich die Investition überhaupt lohnte. Schon damals gab es technisch hoch entwickelte Drohnen. Warum also keine Drohne, sondern ein Zeppelin? Abgesehen davon, sollten Staatsbeamte nicht darauf hinweisen, dass sie die Gesetze befolgen, denn das ist eine Selbstverständlichkeit. Oder soll hier darauf hingewiesen werden, dass sie sich völlig unschuldig fühlen? Was ist, wenn bewiesen wird, dass die Anschaffung verschwenderisch und ineffizient war? Der Schaden mag anders gelagert sein, aber was unterscheidet im Prinzip die Anschaffung eines nicht fliegenden Luftschiffs von dem heftig kritisierten Reisprogramm?

Wenn man bedenkt, wie berüchtigt der Zeppelin war, dann spricht eine Regierung Bände, die doch sonst sehr schnell dabei ist, Leute verurteilen zu wollen, denen Korruption vorgeworfen wird, und jetzt schweigt. Aber wenn die Korrupten zur „richtigen Seite“, zu den „guten Menschen“ gehören, dann ist plötzlich alles ganz anders und die Herrschaften in den eigenen Reihen werden geschützt. Das Übernehmen von Verantwortung gilt nur für diejenigen, die nicht an der Regierung sind. Es kommt nicht darauf an, was man tut, sondern mit wem man verbündet ist. Das ist die Krankheit, an der unsere Gesellschaft leidet. Eine Heilung ist nicht in Sicht.

Es bleibt die Frage, ob der kaum benutzte Zeppelin überhaupt hätte angeschafft werden sollen. Hätte man das Geld nicht besser in Schutzwesten, gepanzerte Wagen oder Waffen investiert, die Leben im Süden hätten retten können? Es ist nicht auszuschließen, dass diese Frage zusammen mit dem Luftschiff beerdigt wird.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1327035/regime-ducks-for-cover-as-blimp-sinks

Ähnliche Beiträge