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Licht aus im Lido

Licht aus im Lido

Nach 50 Jahren schloss das Lido-Kino Ende letzten Monats seine Pforten. Dieser Artikel wirft einen Blick auf diesen Ort und die Leute, die dabei geholfen haben, den Kinobesuch zu einem Erlebnis zu machen.

Das Lido Theatre öffnete am 27. Juni 1968, bot 1.000 Besuchern Platz und befand sich im quirligen Pathumwan. Der erste Film, der hier gezeigt wurde, war der Italowestern San Sebastian von Henri Verneuil, in der Hauptrolle Anthony Quinn. Ende letzten Monats lief im Lido nach 50 Jahren die letzte Vorstellung.

Das Lido öffnete zwei Jahre nach dem Siam Theatre mit 800 Sitzplätzen, 1969 folgte das Scala mit 1.000 Plätzen, und da war die Dreieinigkeit der Bangkoker Kinos perfekt, die die kulturelle und kommerzielle Topographie der Hauptstadt veränderten.

Mit den Kinos wurde die Innenstadt von Chinatown, hier der Charoen Krung Road, zur Silom Road erweitert. Die drei Kinos, die es beinahe 50 Jahre gab, das Siam Theatre brannte bei den Unruhen 2010 ab, waren ein Treffpunkt für Jugendliche und Touristen, und sie standen auf den bald teuersten Grundstücken des Landes.

Licht aus im Lido

Das Lido mit seinen 1.000 Plätzen war in den 60er Jahren keinesfalls extravagant. Chalermthai, das legendäre Kino an der Ratchadamnoen hatte 1.500 Plätze, das Colesium fast 2.000 (beide Kinos verschwanden in den 80er Jahren). Die Tansacha-Familie, die Anteile am Chalermthai hatte, entschloss sich, das Siam und Lido in einem Viertel zu eröffnen, das zu dieser Zeit als langweilig und unterentwickelt galt.

Den Kritikern dieses Vorhabens wurde das Gegenteil bewiesen, denn das Kino wurde sehr beliebt und spielte bei der Stadtentwicklung eine signifikante Rolle.

1993 wurde dass Original-Lido bei einem Brand beschädigt. Daraufhin wurde das Kino umgebaut, es entstanden drei Säle mit je 200 Sitzplätzen. Das war die Zeit, als die großen Kinos verschwanden und durch Neon-und-Plastik-Multiplex-Theater ersetzt wurden, die Einkaufszentren angeschlossen sind.

Ebenso wie der Verlust des Siam Theatre, wird die Schließung des Lido immer auch eine nostalgische Erinnerung auslösen, während das Scala vermutlich zumindest noch weitere sechs Monate existiert, bevor auch hier möglicherweise die Lichter ausgehen.

Wer in den 70er und 80er Jahren in Bangkok war, wird sich vielleicht noch an das luftige Foyer im Lido erinnern, die weite Treppe, die zum Eingang führte, und die Platzanweiser in gelben Anzügen, die die Eintrittskarten kontrollierten.

Damals hielt das Fernsehen Einzug in die Haushalte, und bis dahin waren Filme noch die Hauptquelle der Unterhaltung. Das Siam und Lido waren die Nervenzentren der Popkultur. Es gibt Geschichten, da stürmte ein Mob die Kasse. Das passierte zum Beispiel 1976, als Das Omen gezeigt wurde und alle den Film sofort sehen wollten. Nachdem sich Zuschauer im Siam der Eintrittskarten bemächtigt hatten, nahm das Lido den Film am selben Tag ins Programm, um Engpässe auszugleichen. Auch hier stürmte der Mob die Kasse, daher wurde der Film sofort auch im Scala gezeigt.

Das war schon drei Jahre zuvor bei Der Exorzist so gehandhabt worden. Die Thais mochten wohl schon immer Horrorfilme.

Eine der Anekdoten rankt sich um den Film Krieg der Sterne, der an Abend des 30. November 1979 im Lido thailändische Premiere feierte. Weil der Film zuvor nicht gezeigt worden war, was am Hollywood-Boykott wegen der hohen Importsteuer in Thailand lag, war der Andrang, den Science-Fiction-Film von George Lucas zu sehen, natürlich entsprechend groß. Die Leute stellten sich schon um sechs Uhr morgens vor dem Lido an die Kasse, um eine Eintrittskarte zu ergattern. Gegen neun Uhr brach eine Schlägerei aus, die Polizei rückte an und bemühte sich, die Situation unter Kontrolle zu bekommen.

Nachdem das Lido umgebaut worden war und es drei Säle beherbergte, wurden hier verstärkt kleinere Filme gezeigt, und dafür wurde das Lido einer neuen Generation von Zuschauern bekannt. Das Filmtheater konnte Blockbuster mit weniger bekannten Titeln mischen und diese entsprechend finanzieren. Wenn in einem Saal zum Beispiel Avengers lief, konnte in einem anderen ein eher unbekannter japanischer Film gezeigt werden.

Nicht nur die Atmosphäre, sondern vor allem die Mitarbeiter gaben dem Kino eine besondere Note. Der Herr, der das Telefon bediente, wenn man sich nach den Filmen und Anfangzeiten erkundigte, die Frauen mittleren Alters an der Kasse, die Platzanweiser in den gelben Anzügen. Das Lido ist Vergangenheit, und früher oder später auch das Scala, aber die Leute bleiben genauso wie der Ort in den Gedanken der Zuschauer.

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