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Kinder werden auf Schmugglerboote gelockt

Kinder werden auf Schmugglerboote gelockt

Der Junge wurden mit Hunderten anderen Rohingya-Moslems auf das Holzboot geschubst. Tagelang saß der 14-Jährige mit an den Körper gezogenen Knien in der Hitze unter Deck.

Frauen trösteten hustende Babys. Die Besatzung ging mit Gürteln und Eisenstangen auf und ab und schlug jeden, der zu sprechen wagte, aufstand oder sich wegen des auf den Wellen rollenden Schiffes übergeben musste.

Rohingya fliehen seit Jahren aus dem vom Buddhismus dominierten Burma, aber das war nicht der Hauptgrund für Mohammad Tayub, der auf einem Schiff endete, das vor der Küste des burmesischen Staates Rakhine ankerte.

Er sagte, er sei von Agenten ausgetrickst worden, die aus Armut und wachsender Verzweiflung Profit schlagen.
Zwei Männer seien auf ihn zugekommen, als er sich um ein Rind kümmerte, erzählte er. Sie boten ihm Arbeit in Malaysia an und sagten, wenn er Geld verdienen und seiner Familie helfen wolle, dann sei das seine beste Chance.

Sie brachten ihn mit einem Motorrad zu Küste und versprachen ihm, er müsse für die Bootsfahrt nichts bezahlen. Er hatte gehofft, noch einmal nach Hause zu können und eine Tasche zu packen und sich zu verabschieden, aber dafür war es inzwischen schon zu spät.
Ich glaube, ich werde meine Mutter niemals wieder sehen“, dachte er auf dem Schiff, sein Körper an allen Seiten an Fremde gepresst. „Ich wollte weinen, aber ich wusste, sie würden mich wieder schlagen, wenn ich das machte.

Tayub konnte nicht wissen, dass es fast keinen Ausweg für Tausende von Rohingya und Bangladescher gibt, die auf See gestrandet sind, seit die thailändische Regierung verstärkt gegen Menschenhändler vorgeht. Die Leute auf den Booten wurden immer schwächer, während die Marine von Thailand, Malaysia und Indonesien damit begann, Flüchtlingsboote aufs offene Meer zu schleppen. Jede Nation befürchtete, dass die Aufnahme von Asylanten zu einem Massenexodus führen würde, der die Ufer der Länder überschwemmt. Während Indonesien und Malaysia schließlich nachgaben, blieb Thailand hart. Um zu verhindern, dass Flüchtlinge aufs Festland gebracht werden, sollen Schiffe der Marine als „schwimmende Basen“ dienen, auf denen die Rohingya und Bangladescher versorgt werden können.

Überlebende berichteten, dass Dutzende starben, was die Vereinten Nationen alarmierte, die warnte, dass aus den Booten „schwimmende Särge“ werden könnten.

Das hält Agenten aber nicht davon ab, Leute wie Tayub austricksen zu wollen. Sie sind immer noch bemüht, die vom Kapitän versprochenen 100 Dollar zu verdienen, wenn sie ihm einen Menschen abliefern. Was danach geschieht, interessiert sie nicht, berichtete Maung Maung, ein Gemeindevorsteher, der sich mit Camps von Menschenhändlern in Sittwe, der Hauptstadt von Rakhine, beschäftigte.
Der Kapitän weiß, dass mehr Geld verdient werden kann – Tausende Dollar pro Person von Familienmitgliedern –, sobald das Boot die einheimischen Gewässer verlässt.

Für diejenigen, die auf den Booten gefangen sind, ist die Heimat nicht weit entfernt. Nur ein paar Stunden mit dem Boot.
Ich wollte ins Wasser springen und nach Hause schwimmen“, sagte Tayub, „aber die ganze Crew war bewaffnet. Ich wusste, sie würden mich erschießen.

Die burmesische Regierung behauptet, dass die 1,3 Millionen Rohingya illegale Immigranten aus Bangladesch seien, auch wenn ihre Familien seit Generationen in Rakhine leben. Ihnen wird die Staatsbürgerschaft verweigert, sie sind damit quasi staatenlos und müssen seit Jahrzehnten Gewalt und staatlich geförderte Diskriminierung ertragen.

Nachdem das Land mit 50 Millionen Einwohnern seit 2011 von einer Diktatur auf dem Weg zur Demokratie ist, verhilft das neu gefundene Recht auf freie Meinungsäußerung den Burmesen dazu, die dunkelhäutige Minderheit offen anzugreifen. Seit Mitte 2012 starben bis zu 280 Rohingya, 140.000 von mit Macheten bewaffneten burmesischen Extremisten aus ihren Häusern vertrieben. Sie leben jetzt in Camps, die an die südafrikanische Apartheid erinnern. Sie können nicht arbeiten gehen, bekommen keine gute Ausbildung und haben kaum Zugang zur Gesundheitsfürsorge.

Ihnen wurde gesagt, dass die Chancen schlecht stünden, bei den nächsten Wahlen ihre Stimme abgeben zu dürfen, und wenn sie nicht beweisen können, dass ihre Familien seit 1948, als Burma von Großbritannien unabhängig wurde, im Land leben, sie entweder abgeschoben werden oder für immer in den Lagern leben müssen.

Die Konsequenz ist, dass über 100.000 Rohingya und Bangladescher in den letzten drei Jahren mit dem Boot geflüchtet sind, das ist der größte Exodus von sogenannten Boat People in der Region seit Ende des Vietnamkrieges, sagte Chris Lewa von einer gemeinnützigen Rechtsberatungsgesellschaft.

Es geht nicht nur um religiöse und ethnische Unterschiede, sondern um Armut, Verzweiflung und Gier, die Rohingya dazu antreiben, aus ihrem Land zu flüchten.

Auch wenn Polizei, Marine und andere Behörden profitieren, so sind die meisten Agenten Rohingya. Eine Nachrichtenagentur interviewte neun Familien, deren Kinder von Agenten weggelockt wurden. Sie sprach auch mit sieben jungen Opfern, mehreren Gemeindevorstehern und Schmugglern in Sittwe.

Maung Maung, einer der Gemeindevorsteher, ratterte Namen von mehr als einem Dutzend Männern und Frauen herunter, die Vollzeit arbeiten, um die Schiffe mit menschlicher Fracht zu beladen. Anwohner bestätigten das und sagten, dass sei kein Geheimnis mehr. Das riesige Holzschiff, das Tayub beförderte, gehörte zu einer Flotte von Migrantenschiffen, die im Golf von Bengalen vor Anker lagen.
Die Agenten versprechen den Männern Arbeit und die Ehe mit jungen Mädchen, wenn sie sich einverstanden erklären, an Bord zu gehen. Das würde sie nichts kosten. Zu spät geht den Immigranten auf, worum es wirklich geht, wenn sie in Dschungelcamps oder auf See festgehalten werden, bis ihre armen Familien genug Geld zusammenkratzen, um Lösegeld zu bezahlen. Aktivisten sagen, dass einige Frauen in die Prostitution verkauft werden.

Bis vor kurzem war Thailand der erste Stopp für Boote, die den Golf von Bengalen verließen. Das Land galt als Zentrum des Menschenhandels in der Region. Männer, Frauen und Kinder wurden oft von Schmugglern festgehalten, bis die Verwandten Beträge in Höhe von bis zu 2.000 Dollar zahlten.

Wer zahlen konnte, durfte weiterreisen. Normalerweise nach Malaysia, denn in dem moslemischen Land werden ungelernte Arbeiter gebraucht. Diejenigen, die nicht zahlen konnten, wurden manchmal geschlagen, getötet oder zum Sterben zurückgelassen. In Menschenhändlercamps im Süden des Landes entdeckten Behörden Dutzende von Gräbern. Damit begann das Vorgehen gegen Menschenhändler, Dutzende wurden verhaftet, dazu gehören auch Polizisten und Politiker.

Diese Aktionen hatten allerdings zur Konsequenz, dass Agenten und Schmuggler Angst bekamen und die Flüchtlinge in den überladenen Booten auf See festhielten. Aus Furcht vor Verhaftung verließen Kapitäne schließlich die Schiffe und ließen Tausende Männer, Frauen und Kinder zurück, die mitten auf dem Ozean auf sich allein gestellt waren.

Das Schicksal von Tayubs Boot blieb bis zuletzt ungewiss. Als die Anzahl der Passagiere auf 300 stieg, wurde ihnen gesagt, dass man bald in See stechen würde. Einige der Flüchtlinge konnten das Schiff wieder verlassen, aber sie mussten den Agenten zwischen 100 und 300 Dollar dafür bezahlen.

In der zwölften Nacht auf dem Schiff hörte Tayub ein anderes Boot und laute Stimmen. Er erschrak, als er jemanden rufen hörte: „Kommt heraus, ihr Leute aus Sittwe!“ Er lief mit 13 anderen Jungen und Mädchen aufs Deck und stolperte dabei über die Arme und Beine der anderen Passagiere.

Die Kinder ahnten es zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber ihre Eltern hatten herausgefunden, was geschehen war und einen Gemeindevorsteher bezahlt, damit er kommt und sie rettet. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Agenten wechselten mehrere Hundert Dollar den Besitzer und die Kinder durften das Boot verlassen. Als sie Stunden später an die Küste kamen, wurden sie von ihren Eltern in die Arme geschlossen.

Einige Eltern sagten, sie hätte gewusst, dass ihre verschwundenen Kinder sich nur an einem Ort befinden könnten: Auf den Schiffen. In jedem Dorf, in jedem Lager in der Gegend kursierten Geschichten über verschwundene Kinder von Verwandten oder Freunden.
Als wir von Bord gingen, weinten und schrien die anderen“, sagte Tayub. „Sie wollten auch gehen.“ Stattdessen, so sagte er, wurden sie von den Besatzungsmitgliedern geschlagen und sie schossen in die Luft, damit sie endlich Ruhe gaben.

Beitragsquelle : http://bigstory.ap.org/article/b78a0eaedabf4767b5645a62f764e161/myanmar-trafficking-fed-greed-well-persecution

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