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Justiz versagt bei Tempelauseinandersetzung

Justiz versagt bei Tempelauseinandersetzung

Es ist völlig egal wie die Auseinandersetzung zwischen der Polizei, Abteilung DSI, und Wat Phra Dhammakaya ausgeht oder ausging, weil schon jetzt deutlich ist, wie schwach die Exekutive und die Judikative ist. Das schwache System ist für viele Krisen in Thailand verantwortlich und manifestiert sich jetzt wieder einmal darin, dass es nicht möglich scheint, einen Mönch zu verhaften.

Die DSI hat wirklich vor, den Abt Phra Dhammajayo im Tempel Wat Phra Dhammakaya zu verhaften. Die Konfrontation nimmt langsam comichafte Züge an wie bei Batman gegen Superman.

Hinter der DSI stehen Gesetz und staatliche Gewalt. Hinter dem 72 Jahre alten Abt stehen Hunderttausende Anhänger – und deren Geld.

Als die DSI ankündigte, den Abt verhaften und verhören zu wollen und das Kriminalgericht einen Haftbefehl ausstellte, verbarrikadierten sich die Anhänger des Mönchs im Tempel. Sie stellten vor die Eingänge Bagger und andere schwere Maschinen und sagten, der Mönch sei krank und nicht reisefähig.

Ihm wird vorgeworfen, im Rahmen des Unterschlagungsskandals um die Klongchan-Genossenschaftsbank, bei dem es um eine Summe von zwölf Milliarden Baht geht, Geld gewaschen zu haben. Der Abt soll 1,2 Milliarden Baht erhalten haben, Bargeld und Grundstücke.

Zehntausende Anhänger strömten in den Tempel, um mit ihrem Leib den Mönch zu schützen, quasi als lebende Schutzschilde.
Die Antwort der DSI war eine Drohne, die das Tempelgelände mit den vielen Eingängen von oben untersuchte, damit dem Abt mögliche Fluchtwege abgeschnitten werden. Angeblich soll es dort auch einen geheimen Ausgang geben. In Erwägung gezogen wurde, dass die DSI mit Hubschraubern kommt und sich Spezialkommandos über dem Tempelgelände abseilen. Wie in einem Actionfilm.
Tatsächlich kam die Polizei durch die Vordertür, unterhielt sich mit den Mönchen und zog dann wieder ab.
Justizminister Paiboon Koomchaya mag darauf bestanden haben, dass mit Phra Dhammajayo so umgegangen wird wie mit jedem anderen thailändischen Bürger auch, aber die Bürger haben gemerkt, wie schwierig es ist, gegen den Abt vorzugehen – ganz egal, wie die Geschichte weiterging oder weitergeht.
Die Thais dürften sich darin bestätigt sehen, dass die Reichen und Mächtigen immer einen Ausweg finden, um sich der Justiz zu entziehen und sich nicht vor einem Gericht verantworten zu müssen.

Da ist beispielsweise der berüchtigte Mönch Luang Pu Nen Kham. Bekannt wurde er mit einem Foto, das ihn mit Designer-Sonnenbrille in seinem Privatjet zeigt, wie er Dollarbündel zählt. Ihm wird nicht nur Unterschlagung von Spendengeldern und Geldwäsche vorgeworfen, sondern weitaus schlimmere Straftaten wie beispielsweise Vergewaltigung und Sex mit Minderjährigen. Als die Vorwürfe laut wurden, befand er sich auf einer Europareise.
Er kehrte nicht nach Thailand zurück, sondern ging in die USA. Dort soll er entweder in Kalifornien leben und eine neue Sekte gegründet haben oder sich – laut anderen Berichten – auf Hawaii niedergelassen haben.

Es hat vier Jahre gedauert, bis die Ermittlungen gegen den Red-Bull-Erben Vorayudh „Boss“ Yoovidhaya wieder aufgenommen wurde. Ihm wird rücksichtsloses Fahren vorgeworfen, weil er in Bangkok mit überhöhter Geschwindigkeit einen Polizisten überfuhr und diesen fahrlässig tötete. Vorayudh entfernte sich unerlaubt vom Unfallort und versuchte zunächst, einen Mitarbeiter seinen Vaters dazu zu bewegen, dass dieser die Schuld auf sich nimmt. Als das nicht funktionierte, entfernte sich Vorayudh erneut, diesmal aus Thailand. Er soll nach Singapur geflüchtet sein. Wo genau er sich aufhält, ist nicht bekannt.

Die Polizisten ermittelten schlampig, obwohl ein Kollege zu Tode gekommen war, die Staatsanwaltschaft verlängerte immer wieder Fristen, und zwar so lange, dass einige der gegen Vorayudh erhobenen Vorwürfe zwischenzeitlich verjährt sind.
Das ist aber noch nicht alles, denn es gibt immer wieder Beschwerden über Polizeibeamte und ihre umstrittene Ermittlungsarbeit, die sich auf überholte Gesetze beziehen, die ebenso wie der Polizeiapparat einer Reform bedürften.

Nicht zuletzt führt das ebenfalls zu einer Art Selbstjustiz im Sinne von überhaupt keiner Justiz. Die Anhänger von Abt Phra Dhammajayo wollen nicht, dass er verhaftet wird, dann soll es eben nicht so sein.

Die Auffassung, dass die Justiz gebeugt werden kann, hat zu der „Herrschaft des Mobs“ beigetragen, den wir sowohl bei den Mitgliedern von Dhammakaya sehen, die darauf bestehen, dass sie „glauben“, dass der Abt unschuldig ist und daher nicht verhaftet werden dürfe, und den Unterstützern der DSI, die sich freuen, dass die Behörden den Mönch einkassieren, weil sie „das Gefühl haben“, dass der Tempel ausschließlich kommerziellen Zwecken dient und die Mönche dort einer Sekte angehören, die mit buddhistischen Traditionen nicht viel am Hut hat.

Genau diese Einstellung hat das Land von einer Krise in die nächste gestürzt, ob politisch oder gesellschaftlich. Wer auch immer an die Macht kommt, verabschiedet Gesetze zu seinem Vorteil und nach seinem Glauben, ob es nun das Militär ist oder eine gewählte Regierung.

Die Situation verschlimmert sich, weil es offenbar überhaupt keine Moral mehr gibt.
Wie auch immer die Konfrontation mit Dhammakaya ausgeht – Verhaftung, Verhaftung und Freilassung, keine Verhaftung –, das Dilemma der nicht funktionierenden Rechtsstaatlichkeit ist anhand dieses Beispiels für alle deutlich zu sehen.

Beitragsquelle : http://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/995589/justice-fails-test-in-temple-stand-off

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