Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Jede Ausrede ist in Ordnung

Jede Ausrede ist in Ordnung

Weil wir arm sind. Weil wir in Eile sind. Weil die anderen Leute auch Abkürzungen nehmen. Weil diese Leute unsere Brüder und Schwestern sind, oder sie sind unsere Freunde.

Ausreden gibt es so einige, wenn Leute nicht das Richtige tun. Wenn Ausnahmen gemacht werden können, wenn es Abkürzungen gibt. Gäbe es im System genügend Abkürzungen, wer würde dann noch seine Zeit verschwenden und den richtigen, legitimen Weg beschreiten wollen?
Das ist der Grund, warum wir Leute sehen, die so rücksichtslos fahren und jeden Tag die Straßenverkehrsordnung nicht einhalten. Warum sollten sie sich mit den Verkehrsregeln abgeben, wenn ein paar Hundert Baht die Schwierigkeiten, in denen sie sich befinden, verschwinden lassen? Wenn es große Schwierigkeiten sind, könnten sie auch fliehen – vom Tatort oder aus dem Land – und darauf warten, dass der Fall sich in Luft auflöst, wenn man nur reich und mächtig genug ist.

Das ist auch ein Grund, weshalb Thailands Straßen mit die gefährlichsten der Welt sind. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es pro Jahr 24.000 Verkehrstote. Laut thailändischem Gesundheitsministerium werden pro Jahr eine Million Personen im Straßenverkehr verletzt. Nur in Libyen soll es schlimmer sein.

Wir haben eine Straßenverkehrsordnung, eine ziemlich strenge dazu, tatsächlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung und eine klare Angabe, wann man die Lichter einschalten muss etc., aber die meisten Fahrer meinen, sie besäßen die Straßen, wenn sie sich ins Auto oder aufs Motorrad setzen.

Ist das auch der Grund, weshalb Thailand beim Korruptionsindex immer wieder versagt? Thailand bekam von Transparency International 37 von 100 Punkten, das ist ein wenig mehr letztes Jahr, da waren es 35. Aber im Grunde gibt es keinen Unterschied.

Die Realität ist sogar noch trauriger, denn jeder weiß, dass sich im Leben eines Thais von Geburt bis zum Tod alles ums Schmiergeld dreht. Es geht im Kindergarten los, mit dem Hausbau weiter, mit jeder Lizenz und Erlaubnis, die beantragt wird. Und natürlich muss es einen Grund geben, weshalb der Vizepremierminister trotz des andauernden Uhrenskandals immer noch im Amt ist und nicht schon längst aus diesem entfernt wurde bzw. zurückgetreten ist.

Denn wir sind reich und gebildet und daher machen wir alles „besser“. Denn am Ende heiligt der Zweck die Mittel. Denn da draußen herrscht die freie Marktwirtschaft. Wer mehr Ressourcen hat, der ist klüger oder weiß, welche Fäden er ziehen muss, um zu gewinnen. Da draußen ist die Welt nicht perfekt. Jeder muss sich um sich selbst kümmern.

Der Fall der „Axt-Tanten“ ist ein schönes Beispiel. Es geht um Ratanachat und Boonsri Saengyoktrakarn, die eine Axt und eine Schaufel benutzten und damit einen Pick-up traktierten, der vor der Einfahrt zu ihrem Haus parkte. Sie spalteten mit der Axt die thailändische Gesellschaft, und die Krankheiten strömen nur so heraus.

Weil niemals ganz klar ist, ob man am Straßenrand parken kann. Manchmal kann man es, wenn man an jemandem, der eine Taschenlampe hält, 20 Baht zahlt. Und was ist mit den Taxis und Tuk-Tuks, die immer auf der ständig verstopften Ratchadamri Road vor dem CentralWorld parken? Wir verlassen uns oft auf unser eigenes Urteil.

Bald verschwimmt die Linie und einige Leute glauben, sie könnten überall parken – mit angezogener Handbremse, damit Leute nicht auf die Idee kommen, das Fahrzeuge zu versetzen, so wie es bei dem fraglichen Pick-up der Fall war.

Weil die Bürokratie so groß und gesichtslos ist. Weil es einfach ist, etwas in diesem Labyrinth, das ein wenig ungewöhnlich ist, verschwinden zu lassen oder zu verstecken. Weil es unmöglich ist, das Gesetz immer gleich anzuwenden, daher sind Doppelstandards der Standard. Weil es einfach ist, Befehlen zu gehorchen.

Daher mag es kaum jemanden überraschend, dass drei von fünf Märkten, die in der Nähe des Hauses der Axt-Tanten nahe Rama-IX.-Park liegen, illegal betrieben werden, und das schon seit vielen Jahren. Erst als die verzweifelten Aktionen der Frauen in sozialen Medien verbreitet wurden, erfuhr man, dass die Märke illegal sind.

Der Bezirk Prawet ordnete die Schließung der Märkte an. Der Bangkoker Gouverneur machte diese Anordnung erst einmal rückgängig. Dann wurden einige dieser Märkte doch geschlossen.
Die Macht und das Verwirrspiel der Bürokratie endet hier nicht. Eine Überprüfung nach dem Axt fall, ergab dass über die Hälfte der um die 1.000 Bangkoker Märkte illegal betrieben werden. Was geht hier vor? Ist das Anarchie?

Weil Politiker korrupt sind, schrieben wir Gesetze, um ihnen Grenzen zu setzen. Weil Aktivisten widerspenstig sind, müssen sie unterdrückt werden und den Kopf senken. Weil es bequem ist, mit Ruhe und Ordnung an der Macht zu bleiben. Weil es einfach ist, woanders hinzusehen, während die Bevölkerung mit nationalistischen Idealen gefüttert wird, mit geistlosen Liedern und einem niemals enden wollenden Zeitplan.

Die Verzweiflung, die dazu führte, dass zwei Tanten einen falsch parkenden Pick-up angriffen, wird von der Mehrheit der Bevölkerung geteilt. Es gibt viele Ausreden, aber es gibt nur eine Frage: Wann fällt die nächste Axt?

Ähnliche Beiträge