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Jagd auf Fake News

Jagd auf Fake News

Die Maßnahmen der Militärregierung in Bezug auf ein Posting in den sozialen Netzwerken zeigte wieder einmal, wie dünnhäutig die Generäle sind und wie fragwürdig ihre Methoden.

In Kambodscha wurde ein 21 Jahre alter Kambodschaner verhaftet und in Thailand sechs Thais. Der Kambodschaner, der gar kein Thai spricht, soll ein Posting verfasst haben, das den obersten General, nämlich Premierminister Prayuth Chan-ocha, in schlechtem Licht dastehen ließ. Die sechs Thais sollen dieses Posting geteilt haben.

Der Vorwurf lautet, dass das Posting, „Fake News“, die nationale Sicherheit und die öffentliche Ordnung bedrohte.

In dem Posting ging es darum, dass General Prayuth den Autofahrern angeblich (= Fake News) empfahl, Wasser zu tanken, wenn ihnen der Sprit bei den jetzt steigenden Preisen zu teuer wird.

Das fand der Premierminister überhaupt nicht witzig, und die Ironie an der Geschichte ist, dass nur so hart gegen den angeblichen Täter vorgegangen wurde, weil der Premierminister sich beleidigt fühlte.

Und wie das so ist, entstand der sogenannte Streisand-Effekt: Wäre man auf Seiten der Militärs wortlos darüber hinweggegangen oder hätte man ein kurzes Dementi verfasst, wäre die Sache am nächsten Tag vergessen gewesen. Aber die Generäle sorgten mit ihrem Wirbel dafür, dass alle erfuhren, was der Kambodschaner angeblich gepostet haben soll, und sorgten so für Schmunzler in ganz Thailand.

Eine obskure Website in thailändischer Sprache brachte einen Bericht darüber, dass viele Thais sauer sind, weil die Spritpreise steigen. In dem Artikel wird dann General Prayuth mit den Worten zitiert: „Also wenn Ihnen Diesel zu teuer ist, dann tanken Sie doch Wasser.“ Der Artikel wurde von mehreren Leuten geteilt. Der angebliche Verfasser und sechs Leute, die ihn geteilt haben sollen, wurden festgenommen. So viel zum Kern der Geschichte.

Die sieben Festgenommenen sollen gegen das Computerkriminalitätsgesetz verstoßen haben. Der Artikel „könnte die nationale Sicherheit unterminieren und in der Öffentlichkeit Panik auslösen“ lautet der Vorwurf. Die Betonung liegt hier auf „könnte“, denn jeder weiß, dass das Land wegen des Artikels nicht in Panik verfallen ist und auch niemand Wasser tankte.

Jagd auf Fake News
Jagd auf Fake News

Fake News“ ist leider ein beliebter Ausdruck in den letzten beiden Jahren geworden. Nicht zuletzt „dank“ Donald Trump, der während des Wahlkampfs in den USA den Medien immer wieder vorwarf, Fake News zu verbreiten, um ihm zu schaden.

Nun, so sehr geschadet hat es wohl nicht, denn er ist seit weit über einem Jahr US-Präsident, auch wenn das deutsche Mainstream-Medien bislang nicht merkten und immer noch Wahlkampf gegen Trump machen, um zu verhindern, dass er US-Präsident wird.

Die Nachrichtenportale berichten und Trump dementiert mit dem Argument „Fake News“. Ein Spiel in einem Land, in dem es die Meinungsfreiheit gibt.

In einigen Ländern dieser Welt sind die Regierungen aber nicht so tolerant und haben damit begonnen, Fake News juristisch zu ahnden. Es ist unausweichlich, dass die Klassifizierung, was Fake News sind, allein der Regierung überlassen bleibt, die subjektiv und selektiv vorgeht.

In Thailand gibt es kein spezielles Gesetz in Bezug auf Fake News – und sollte niemals eines haben –, aber mit dem Computerkriminalitätsgesetz lässt sich so gut wie alles abdecken, wenn ein Computer ein Tablet oder ein Handy im Spiel ist.

Es gibt keine Umfrage darüber, wie viele Thais ihren Wagen mit Wasser betankten. Es dürfte klar sein, dass jeder diesen Artikel als Satire verstand – etwas, womit General Prayuth so gar nicht umgehen kann. Dabei hat der Premierminister durchaus mitunter fragwürdige Aussagen gemacht, die keinesfalls Satire oder Fake News sind, heißt, er hat das tatsächlich so gesagt. Beispiel: Er sagte Kautschukfarmern, die sich über den Preisverfall ihres Produkts beklagten, sie sollten ihre Waren auf dem Mars verkaufen. Allen war klar, dass das witzig gemeint war oder zumindest war es etwas, das General Prayuth als Humor bezeichnet. Wenn das ernst gemeint war, dann nur, weil er in diesem Moment einen seiner Wutanfälle hatte. Jedenfalls schickte sich niemand an, auf den Mars zu fliegen, um den Marsianern Kautschuk zu verkaufen.

Der Premierminister war über den Wasser-Artikel sauer. Alle Berater um ihn herum, waren es ebenfalls. Schnell wurde der juristische Chef des NCPO, Oberst Burin Thongprapa herbeigerufen. Der informierte den Chef der Touristenpolizei Surachate „Big Joke“ Hakparn, da der sich einen Namen mit der Jagd auf böse Ausländer machte. Also flog Surachate nach Kambodscha, um dort den bösen Ausländer festzunehmen, der angeblich Witze auf Kosten des thailändischen Premierministers machte. Gleichzeitig erfolgten Verhaftungen von Thais, die den Artikel teilten oder zumindest mit einem „gefällt mir“ belohnten. Das kann in Thailand gefährlich sein.

Anstatt so viel Wirbel zu veranstalten, über den in ausnahmslos jeder Zeitung berichtet wurde, wäre ein Dementi besser gewesen, in dem es hätte heißen können, dass der Artikel nicht nur nicht der Wahrheit entspreche, sondern völlig unglaubwürdig sei.

Die Regierung sollte sich überlegen, wie sie mit Fake News in Zukunft umgehen will. Eine persönliche Vendetta ist jedenfalls der falsche Weg, das ist sicher.

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