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Ingenieure unter Druck

Ingenieure unter Druck

Maschinenbau war schon immer eine der wichtigsten Säulen der exportorientierten deutschen Wirtschaft. Doch
wie die Hannover Messe zeigte, holen chinesische Wettbewerber auf – und das sehr schnell.
Es gibt Leute, die sich noch an die guten alten Zeiten der deutschen Maschinenbauindustrie erinnern. Zum Beispiel Stefan Bachmeier, der für ein mittelständisches Unternehmen arbeitet, das in Coburg ansässig ist. Das Unternehmen hat 5.000 Angestellte und hat sich auf Luftkompressoren spezialisiert.
„Ich kann mich an Zeiten erinnern, da reichte es, wenn man sagte: Seht her, das ist eine deutsche Maschine“, sagte er. Kunden bezahlten, über den Preis wurde kaum verhandelt. „Doch diese Zeiten sind vorbei“, sagte Bachmeier, der für seine Firma in Singapur tätig und für Asien zuständig ist.
Auch wenn die Marke „Made in Germany“ nach wie vor sehr geschätzt wird, so ist dies inzwischen nicht mehr der einzige Kaufgrund. „Die Chinesen sind sehr selbstsicher und manchmal auch nationalistisch geworden“, sagte Bach-
meier. „Und sie nehmen ihre Kampagne ,Made in China‘ sehr ernst.“
Er sagte, die Qualität der Produkte von chinesischen Wettbewerbern habe sich in den letzten Jahren verbessert. Dabei hob er hervor, dass ihre Maschinen, die nach wie vor nicht so effizient und robust sind, „gar nicht übel“ seien und den Binnenmarkt gut bedienen könnten.
Was die Hannover Messe betrifft, berichtete Bachmeier, dass „unser Stand von chinesischen Geschäftsleuten belagert wurde, die etwas kaufen wollten. Aber heutzutage sagen sie, man solle nach China kommen, wenn man ihnen etwas verkaufen will.“

Infrastruktur unzureichend

Während es in Deutschland von Funklöchern nur so wimmelt und man auf dem Land am besten nur nachts im Internet surft, weil es sonst zu langsam ist, sieht es in China ganz anders aus. Dort gibt es überall in dem Riesenland, auch in ländlichen Gebieten, schnelles Internet und schnellen Mobilfunk. Das 4G-Netz ist flächendeckend. Da können Deutsche nur von träumen, die – wenn sie Glück haben – eine 3G-Verbindung bekommen.
Cen Guojian, Gründer des Getriebeherstellers Zhongda Leader aus dem chinesischen Ningbo, erzählte, dass seinem  Unternehmen noch vor nicht allzu langer Zeit auf der Hannover Messe nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden war. Das aber habe sich geändert, jetzt stehe man im Rampenlicht.
Zhongda Leader war eine von 1.500 chinesischen Firmen, die auf der Hannover Messe einen Stand hatten. Das Unternehmen begann 2006 mit nur fünf Angestellten. Jetzt sind es schon 1.400 Mitarbeiter.
Cen glaubt, dass die Chinesen noch einen langen Weg vor sich haben, bevor sie in der ersten globalen Liga mitspielen können.
„Doch was die Infrastruktur betrifft, haben wir Deutschland schon überholt“, sagte er und fügte hinzu: „In Deutschland gibt es immer noch Orte ohne Internetzugang. Das wäre in China undenkbar.“
Fang Weizhong, Geschäftsführer von Easitech, einer Firma, die Motoren für Elektroautos produziert, stimmte zu, dass sich das Gleichgewicht verschiebt.
„Vor zehn Jahren staunten chinesische Besucher über das, was vor sich ging, sagen wir einmal, in den Produktionsstätten von Siemens. Jetzt verblassen viele deutsche Fabriken im Vergleich zu chinesischen Anlagen.“
China hat den weltgrößten Markt für Elektroautos. Letztes Jahr wurden im Reich der Mitte 1,3 Millionen Elektroautos verkauft. Nur 70.000 davon wurden nach Deutschland exportiert. Das bedeute, dass die meisten Motoren von Easitech an chinesische Kunden gehen, sagte Fang.
Wenn man sich aber den Stand von Easitech in Hannover näher betrachtete, konnte man auch Roboter der Schweizer Firma ABB sehen.
„Das ist unsere jetzige Schwäche“, erklärte Fang. „Wir brauchen immer noch Hardware von hochindustrialisierten Län-
dern, damit wir unsere Produkte herstellen können.“
Er hob auch hervor, dass China bei der Ausbildung von Facharbeitern ebenfalls noch viel zu tun habe.

Wettbewerb wird härter

Die Lücke in der Robotertechnologie zwischen China und seinen Wettbewerbern wird definitiv kleiner, vor allem auf dem Gebiet der Leichtgewichtroboter, den Cobots. Das sind Roboter, die mit ihren menschlichen Kollegen Hand in Hand arbeiten, sagte Gerald Vogt, Chef der Roboterabteilung der Schweizer Ingenieursfirma Stäubli.
„Es gibt inzwischen schon 40 oder 50 Hersteller solcher Cobots in China, viele von ihnen sind Startups“, sagte Vogt. Der chinesische Staat pumpt sehr viele Subventionen in diese Unternehmen, rund ein Drittel der Roboter, die in China verkauft werden, stammen von diesen chinesischen Firmen.
Es gibt nur eines, was europäische Unternehmen tun können, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. „Es ist wichtig, das wir innovativ sind und unseren Entwicklungsprozess beschleunigen“, sagte Vogt. „Vielleicht liegen die Chinesen in Bezug auf die Performance-Parameter ihrer Roboter noch zurück, aber sie vermarkten ihre Produkte sehr schnell.“
Stefan Bachmeier vom Luftkompressorhersteller aus Coburg glaubt, dass es einen ständigen Fluss von Verbesserungen geben muss, um in Führung zu bleiben. Er meint, dass die Industrie 4.0 eine Möglichkeit sei, auch wenn die Digitalisierung des Produktionsprozesses für kleine und mittelständische Unternehmen eine schmerzhafte Erfahrung war.
„Wenn wir nur Maschinen bauen, landen wir in einer Sackgasse, auch wenn diese Maschinen besser und besser werden“, sagte er. „Doch Industrie 4.0 bedeutet die Kombination von Hard- und Software, und das kann uns gegenüber unseren Wettbewerbern Vorteile bringen.“

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