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Indiens Polizistinnen

Indiens Polizistinnen

In Indien wurden hunderte Polizeireviere mit weiblichen Polizeibeamten ins Leben gerufen, um häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch zu bekämpfen. Auslöser war eine Vergewaltigung in Delhi im Dezember 2012.

Parmila Dalal ist stellvertretende Kommandeurin des Polizeireviers in Sonipat im nördlichen Staat Haryana. Jeden Tag kümmert sie sich um Fälle, auf die sie durch die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht worden ist.

Manchmal arbeitet sie als typischer Polizeibeamter, ermittelt in Verbrechen oder kümmert sich um die öffentliche Ordnung. Doch viel Zeit widmet sie familiären Auseinandersetzungen, in denn sie als Beraterin oder Sozialarbeiterin fungiert.

Sie wird mit Familienmitgliedern konfrontiert, die sich um Dinge wie das Kastenwesen, die Höhe der Mitgift oder der Beziehung zu ausfälligen Verwandten drehen. Indiens Frauenpolizistinnen zeigen, wie sich heutzutage das Leben in Indien ändert.

Die Filmemacherin Ruhi Hamid berichtet

Wie jeder andere war ich von dem Vergewaltigungsfall 2012 in Delhi schockiert, bei dem eine junge Frau in einem Bus von mehreren Männern geschlagen, vergewaltigt und gefoltert wurde, als sie mit einer Freundin auf dem Heimweg war. Sie wurde dabei so schwer verletzt, dass sie zwei Tage später im Krankenhaus starb. In einem Land, das Göttinnen verehrt, und in dem über die Mutter wie in „Mutter Indien“ gesprochen wird, zeigt das, wie es wirklich ist, wenn man als Frau in Indien lebt.

Die Tat wurde weithin verurteilt, sowohl in Indien als auch im Ausland. Öffentlicher Protest folgte, der die Wut gegen den Staat, die Regierung und insbesondere die Polizei zeigte, die Frauen nicht schützen kann. Die Antwort der Regierung war die Gründung hunderter Polizeidienststellen mit weiblichen Mitarbeitern in Führungspositionen. Das Ziel ist es, Frauen davon zu überzeugen, Straftaten anzuzeigen, die gegen sie begangen wurden.

Das war für mich als Filmemacher eine gute Möglichkeit, einen einzigartigen Einblick in die Art und Weise zu bekommen, wie in Indien Frauen behandelt werden. Ich unternahm eine Aufklärungsmission in die Staaten Rajasthan und Hayana, um das richtige Polizeirevier zu finden.

In zwei Wochen reiste ich Hunderte von Kilometern auf staubigen Straßen, besuchte Polizeireviere und traf unzählige Polizistinnen. Schließlich kam ich zum Polizeirevier in Sonipat, etwa 80 Kilometer nördlich von Delhi. Dort lernte ich Parmila Dalal kennen.

Innerhalb von fünf Minuten wusste ich, dass Parmila meine Hauptfigur werden würde. Sie war offen, direkt und temperamentvoll, aber freundlich – all das wirkte auf Film natürlich. Ich filmte mit ihr ein paar Tage, ging nach London zurück, machte ein Master Tape, bereitete alles vor. Es dauerte aber fast zwei Jahre, Drehgenehmigungen und Visa zu erhalten, bevor ich mit dem Dreh im September 2016 anfangen konnte.

Indiens Polizistinnen
Indiens Polizistinnen

Einer der Gründe, weshalb ich eine Kleinstadt wie Sonipa auswählte, ist, dass ich an den sensationsgierigen Schlagzeilen ernsthafter Verbrechen gegen Frauen vorbei wollte. Ich bevorzugte einen Blick in die Angelegenheiten, denen Frauen Tag für Tag gegenüberstehen, und ich merkte schnell, dass ihre Hauptprobleme im Haushalt stattfinden. Meistens geht es um Eheprobleme, um die Schwierigkeiten einer frisch verheirateten Frau, mit ihrer Ehe und der Großfamilie ihres Mannes zurecht zu kommen.

Auch wenn Indien eine sogenannte Wirtschaftssupermacht genannt wird, so ist das Leben der Frauen außerhalb der großen Städte normalerweise konservativ und traditionell. Da aber Mädchen inzwischen besser ausgebildet werden, haben sich die Hoffnungen und Erwartungen junger Frauen geändert. Gebildete Mädchen bekommen einen Geschmack von Freiheit und Unabhängigkeit, wenn sie aufs College gehen. Sie treffen Jungen und gehen oft Beziehungen ein. Sie werden dann häufig zur Heirat mit jemandem gezwungen, den ihre Eltern ausgewählt haben, daher gehen sie enttäuscht in die Ehe. Sie sind mit ihrer traditionellen Rolle als unterwürfige Hausfrau nicht zufrieden.

Auf der anderen Seite führen finanzielle Engpässe innerhalb der Großfamilie dazu, dass Jungen oft gezwungen werden, ihre Ausbildung abzubrechen, um Arbeit zu suchen. Ehemänner, die nicht gebildet sind, verstehen das Gefühl von Freiheit ihrer selbstbewussten Frauen nicht. Sie werden eifersüchtig und können zum Kontrollfreak und feindselig werden. Es kommt zu Zusammenstößen zwischen Mann und Frau, und die Scheidungsrate steigt.

Es war faszinierend zu beobachten, wie Parmila den stetigen Strom der Frauen in ihrem Polizeirevier bewältigte. Viele Frauen beschwerten sich darüber, von ihrer Schwiegermutter oder ihrem Schwager schlecht behandelt zu werden. Es gab ein paar Fälle über Mitgift, das kann passieren, wenn die Familie des Bräutigams mit der Braut nicht zufrieden ist und sich dann beschwert, dass die Frau nichts wert sei, weil sie eine zu kleine Mitgift in die Ehe bringe.

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