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Im Leerlauf ins Nirgendwo

Im Leerlauf ins Nirgendwo

Haben Sie sich jemals gewundert, weshalb Thailand nichts gegen die Taxifahrer unternehmen kann, die Fahrgäste zurückweisen? Oder gegen überteuerte Lottolose? Oder illegale Motorradrennen? Warum weisen Taxifahrer nach wie vor Kunden zurück, setzen sie sogar mitten im Nirgendwo aus, wenn ihnen danach ist? Warum können die Behörden diese Probleme nicht angehen?

Um ehrlich zu sein, weder die Taxis noch andere Ärgernisse sind die größten Herausforderungen, denen dieses Land gegenübersteht. Dennoch gibt es bezüglich dieser Themen immer wieder Beschwerden, Lösungen sind jedoch nicht in Sicht.

Es geht Tag für Tag weiter, und diese Probleme erinnern einen täglich daran, dass die Gesellschaft unfähig ist, sich irgendwie zu entwickeln.

Wir sind wegen der Taxis genauso unglücklich wie über andere Probleme, ob groß oder klein. Angefangen von natioalen Themen wie der fortschreitende politische Konflikt und die Korruption bis hin zu Dingen auf kleineren Ebenen wie rücksichtsloses Parken, so scheint nichts dagegen unternommen werden zu können.

Ohne eine strategische Lösung oder Hoffnung, dass irgendwann alles besser wird, sind die Bürger in dem Chaos gefangen, in dem sie sich nur um sich selbst kümmern und versuchen, den Tag irgendwie zu überstehen.

Die Symptome des Staatsversagens treten täglich deutlicher zu Tage. Denken Sie nur an Autofahrer, denen es nicht im Traum einfällt, Krankenwagen Vorfahrt einzuräumen. Das passiert immer noch, obwohl Menschen sterben und die egoistischen Autofahrer auf sozialen Medien angeprangert werden. Oder Motorradrennen auf den Straßen der Stadt, die nach dem Vorgehen der Polizei scheinbar zunehmen und noch besser organisiert werden. Der Gipfel scheint erreicht, wenn man nach Chiang Mai blickt. Dort wird am Fuße des Berges Doi Suthep – eigentlich ein Nationalpark, die Betonung liegt auf „eigentlich“ – ein Village für Richter gebaut.

Wie sieht es mit persönlichen Daten und deren Schutz aus? Wo es doch dauernd entsprechende Betrügereien gibt und kürzlich herauskam, dass True Move H die Daten von über 10.000 Kunden inklusive Scans von Ausweisen und Pässen ungeschützt im Netz stehen hatte.

In Thailand gibt es bislang kein Datenschutzgesetz. Die Vorlage für eines liegt immer noch beim Kabinett. Das, obwohl die Regierung davon träumt, Thailand zu einem digitalen Zentrum auszubauen, Stichwort Thailand 4.0. Es ist beinahe komisch, wenn nicht sogar ironisch, wenn bei den unzähligen Gesetzen, die hierfür eigentlich aus- oder überarbeitet werden müssten, einem dem Vorzug gegeben wird, das „bpla ra“, fermentierten Fisch, standardisiert. Stinkt hier der Fisch vom Kopf her oder weshalb die Eile?

Wenn man sich die Anzahl der immer größer werdenden scheinbar unlösbaren Probleme ansieht, kann man ahnen, weshalb Thailand ein Land der Stagnation ist, ob politisch, wirtschaftlich oder intellektuell. Der Economist schrieb kürzlich, Thailand sei auf dem Weg in Bezug auf die älter werdende Bevölkerung das nächste Japan zu werden: geringes Wachstum und sehr niedrige Zinsen.

Wie man sich bettet, so liegt man, schrieb ein Bert Brecht. Und Thailand, präziser gesagt, die jetzige Regierung, verschrieb sich zu sehr, dem Elitismus und dem Status Quo. So sehr, dass sie den Schwung verliert und nicht mehr vorwärts kommt.

Eine Gesellschaft, in der Kontrolle wichtiger ist als Kreativität, Uninformiertheit wichtiger ist als Innovation, hat normalerweise keine Möglichkeit und muss alles unterdrücken, damit die vorgegebene Richtung von Ruhe und Frieden auch eingehalten werden kann.

Stillstand mag einfach zu regieren sein, aber er ist auch eine Quelle der Trägheit. Es ist daher keine Überraschung, dass solch eine Gesellschaft, die in diesem Rahmen gefangen ist, in ihre Vergangenheit zurückblickt, diese glorifiziert und an ihr festhält, als sei sie das Vorbild für eine perfekte Gesellschaft.

Der Premierminister und andere Kabinettsmitglieder preisen die Vergangenheit und begannen damit, sich in altertümlichen Kostümen zu kleiden, inzwischen gibt es allerlei Verwaltungen und Behörden, in denen das ähnlich gehandhabt wird. Abgesehen davon, dass zumindest umstritten sein dürfte, welche Kleidung traditionell Thai ist, passt das mit dem vorerwähnten Thailand 4.0 eigentlich eher nicht zusammen.

Eine Gesellschaft wie diese kehrt lieber zu alten sozialen Normen und Traditionen zurück anstatt Mechanismen zu entwickeln, um Auseinandersetzungen zu lösen. Das ist die Art und Weise, wie Doppelstandards entstehen oder Maßstäbe insgesamt verhindert werden.

Wir haben mit Taxifahrern um Fahrpreise gefeilscht. Wir haben das Taxameter eingeführt, doch Ausnahmen werden gemacht, wenn es bequemer ist, wird argumentiert.

Das gilt auch für andere Probleme, die kein Ende zu nehmen scheinen. Streetfood ist für Städter bequem und kostengünstig, aber was ist mit dem Recht der Fußgänger auf einen Bürgersteig? Öffentlicher Zorn über das Abschlachten eines schwarzen Leoparden in einem Wildtierreservat und das Abholzen von Bäumen und das Bauen von Häusern in einem ansonsten unberührten Wald am Berg Doi Suthep zeigen, dass es Leute gibt, die sehr wohl ein Umweltbewusstsein haben. Ist das öffentliche Empfinden proportional in Einklang zu bringen mit der Ermittlungsarbeit der Polizei, dem Staatsbudget und staatlicher Maßnahmen bezüglich dieser Themen?

Eine Gesellschaft, die zum Stillstand gezwungen wird, damit die politische Stabilität nicht gefährdet wird, kann sich nicht selbst neu erfinden und sich nicht auf die Veränderungen der Welt einstellen. Hier sollen dann alte Werkzeuge helfen wie ein 20-Jahres-Plan, die Kontrolle der Oligarchen oder die Rückkehr zu alten Traditionen – doch mit all dem kann man nicht die Probleme der modernen Welt lösen.

Um Fortschritt zu erzielen, darf man nicht am Status Quo hängen, er muss viemehr durchbrochen werden.

Wundern Sie sich jetzt immer noch, warum wir immer nach wie vor das Taxiproblem haben und es keinen Fortschritt bei den nationalen Reformen gibt, obwohl schon vier Jahre das Militär regiert?

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