Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Hoteliers mögen Chinesen

Hoteliers mögen Chinesen

Wenn man in einer der Touristenhochburgen Thailands lebt, zum Beispiel in Pattaya, kommt man nicht umhin, die vielen chinesischen Touristen zu bemerken, die hauptsächlich Pauschalreisen machen, immer öfter aber auch individuell unterwegs sind.

Rund zehn Millionen Chinesen kamen 2017 nach Thailand, und diese Zahl soll sich 2018 auf 13 Millionen steigern. Alles in allem sind rund zehn Prozent der ausländischen Besucher in Thailand Chinesen.

135 Millionen Chinesen unternahmen 2017 eine Reise ins Ausland. Bei dieser Zahl sollte bedacht werden, dass zurzeit nur fünf Prozent der Chinesen einen Reisepass haben. Es wird also einen Anstieg chinesischer Besucher geben – auch in Thailand und Pattaya.

Bislang war der Standpunkt der Auswanderer ziemlich eindeutig: Die Chinesen verursachen mit ihren scheußlichen Bussen schreckliche Verkehrsstaus, sie bringen kein Geld ins Land, unterstützen daher nicht die lokale Wirtschaft, sondern nur die Reiseveranstalter, die jeden Schritt der chinesischen Touristen kontrollieren. Hinzu kommt das schlechte Benehmen der Chinesen, die keine Manieren haben und jedes Hotel und jedes Restaurant vollständig ruinieren, so dass Reisende aus anderen Ländern dort nicht mehr bleiben wollen.

Es scheint, dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Thailand ist inzwischen bereit, den Touristen aus dem Westen den Rücken zuzukehren, die hinter Chinesen und Indern auf Rang drei zurückfallen. Hoteliers würden inzwischen lieber Chinesen als Gäste haben als Touristen aus dem Westen.

Das glauben Sie nicht? Hier sind die Fakten. Auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin (ITB) wurde allgemein festgestellt, dass Weltreisen boomen und die Chinesen diesen Boom befeuern. Es ist kein Markt mehr der Käufer, sondern der Verkäufer in der Hotelindustrie – und genau das ist auch in Thailand der Fall. Hoteliers können auswählen, wen sie jetzt haben wollen. (Anmerkung nebenbei: Die Hoteliers sind immer noch frustriert, dass die Zimmerpreise in Bangkok weitaus niedriger sind als benachbarten asiatischen Ländern, und das wird sich wohl bald ändern.)

Thailändische Hoteliers sind sich einig, dass sie chinesische Reisende bevorzugen. Leute aus dem Westen nörgeln häufig herum, was in einem Rabatt fürs Zimmer endet. Ein weiterer Punkt ist, dass die Hotels bei Touristen aus dem Westen das Geld häufig erst nach einem Monat bekommen (wenn z.B. über Agoda gebucht wurde). Bei chinesischen Pauschaltouristen wird sofort und im Voraus bezahlt, und – das mag für einige schockierend sein – sie zahlen mehr als der Tourist aus dem Westen. Die drücken die Zimmerpreise nach unten, während die Chinesen die Zimmerpreise steigen lassen.

Ein Hotelmanager in Bangkok, der in einem Fünf-Sterne-Hotel am Chao Phraya River arbeitet, überbucht das Hotel zurzeit um 30 Prozent – alles wegen des chinesischen Marktes. Wenn sich ein Reiseveranstalter vom Flughafen mit einer chinesischen Reisegruppe meldet, und das Hotel voll ist, wird die Gruppe in einem anderen Hotel in der Nähe untergebracht. Der chinesische Reiseveranstalter hat damit keine Probleme. Stellen Sie sich vor, mit einer Reisegruppe aus dem Westen würde so verfahren!

Den Hoteliers ist auch klar, dass sich der chinesische Boom weiter verstärken wird, also weshalb sollte man sich dieser Marktlage dann nicht anpassen? Der Hotelier lacht sich ins Fäustchen, denn alles ist einfach perfekt für ihn. Die Belegungsraten in Bangkok und anderen Städten steigen und steigen und jedes Jahr wird es schwieriger, ein Zimmer zu reservieren, wenn man alleine unterwegs ist.

Auswanderer denken, wie schon erwähnt, dass Chinesen kein Geld in die thailändische Wirtschaft investieren. Das stimmt ebenfalls nicht so ganz.

Der Geschäftsführer eines Hotels in Pattaya erklärte, dass Touristen aus dem Westen in Pattaya keine oder kaum Touristenattraktionen besuchen. Zweifellos dürfte klar sein, was der typische Mann aus dem Westen in Pattaya so treibt.

Anders die Chinesen, die täglich bis zu fünf Sehenswürdigkeiten aufsuchen, angefangen vom Nong Nooch Garden bis hin zu Miss Tiffany’s. Bei einer fünftätigen Reise sind das 25 Touristenattraktionen. Natürlich werden sie auch in die Läden gebracht, mit denen der Reiseveranstalter Geschäfte macht, aber das betrifft höchstens ein Viertel aller organisierten Ausflüge.

Auswanderer bildeten sich diese Meinung, weil die Chinesen kein Geld in die Geschäfte der Auswanderer bringen, seien es Bars, Hotels oder Restaurants. Das ist aber zu erwarten gewesen. Das Problem – aus Sicht der Auswanderer – ist, dass der Tourismus aus dem Westen zurückgeht, mit den Chinesen hat das überhaupt nichts zu tun.

Die Realität sieht daher ganz anders aus: Leute aus dem Westen wollen einfach nicht wahrhaben und akzeptieren, dass sich Dinge ändern, und dass die Leute aus dem Westen nicht mehr die wichtigste ausländische Gruppe im Land ist. Das war schon vorbei, als die Russen Thailand für sich entdeckten. Jetzt sind es Inder und vor allem Chinesen. Tatsache ist jedenfalls, dass diese beiden Völker wegen ihrer schieren Anzahl von Menschen – je über eine Milliarde – in Zukunft eine noch wichtigere Rolle für Thailand und auch für andere Länder spielen werden.

Auswanderer und Touristen aus dem Westen jammern herum, und die Ironie der Geschichte ist, dass genau aus diesem Grund Hoteliers lieber Chinesen haben als die Jammerlappen aus dem Westen, die ständig meckern.

Ähnliche Beiträge