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HIV-Alarm nach Tätowierung

HIV-Alarm nach Tätowierung

Tattoo-Künstler sind über die Hysterie in Bezug auf mögliche Infektionen beim Tätowieren überrascht.

Leute, die sich gern tätowieren lassen oder lassen würden, wurden aufgeschreckt, als es eine Nachricht aus der Provinz Loei gab, wonach eine 22-Jährige und drei ihrer Freundinnen an Aids gestorben sein sollen, nachdem sie sich im März in Bangkok haben tätowieren lassen.

Komischerweise haben alle Zeitungen in Thailand erst einmal diese Behauptung übernommen, obwohl doch allgemein bekannt sein sollte, dass man zunächst jahrelang mit HIV infiziert ist, bevor man Aids bekommt. Nach der Veröffentlichung dieses Blödsinns, anders kann man es nicht sagen, meldeten sich Ärzte und anderes medizinisches Personal zu Wort und stellten richtig, dass sich Aids innerhalb weniger Monate nicht entwickeln kann. Dass es in Tattoo-Studios nicht immer hygienisch zuginge, sei allerdings ein Thema.

Es sei völlig unmöglich, dass man innerhalb von fünf Monaten oder sogar einem Jahr Aids bekomme, sagte Dr. Alisra Tatakorn, Ärztin und Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes mit dem Schwerpunkt Aids, Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten.

Das verstorbene Mädchen verbrachte seine letzten Tage im Chiang Mai im Nakhon Ping Hospital, wo sie erfuhr, dass sie HIV im dritten Stadium hat. In diesem Stadium gibt es für Patienten häufig die Aids-Diagnose.

Das Mädchen verstarb am letzten Augusttag, auf dem Totenschein steht, dass sie an einem hypovolämischen Schock, an akuter Diarrhöe und an HIV im dritten Stadium verstarb. Sie sei laut Totenschein seit über einem Jahr HIV-positiv gewesen.

Auch das ist falsch: Dr. Alisra sagte, dass man zwei Wochen nach der HIV-Infektion Fieber und geschwollene Lymphknoten habe. Man kann dann unbeschwert leben, obwohl man todkrank ist, denn es dauert acht bis zehn Jahre bis Patienten Stadium drei erreichen, in dem sie mit Aids diagnostiziert werden.

Im dritten Stadium wird es schwierig, den Patienten zu helfen, denn ihr Immunsystem ist derartig geschwächt, dass es anfällig für Infektionskrankheiten ist wie Lungenentzündung, Salmonellen, Hauptpilz, Toxoplasmose und Tuberkulose.

Wenn man bereits HIV-positiv ist und immer wieder dem Virus ausgesetzt ist und keine Medikamente nimmt, kann man nach der Erstinfektion das dritte Stadium bereits nach drei Jahren erreichen. Schneller geht es jedoch nicht. Aus diesem Grunde ist Dr. Alisra der Meinung, dass Berichte, wonach das Mädchen fünf Monate nach einer Infektion mit HIV verstarb, schlichtweg falsch sind. Auch die Angabe auf dem Totenschein, dass sie ein Jahr nach der Übertragung mit HIV verstarb, ist falsch.

In Thailand gebe es keine Fälle, bei denen sich Leute durch Tätowierungen oder Piercings oder anderen Arten der Körperkunst mit HIV infizierten, sagte Dr. Alisra. Die theoretische Möglichkeit einer Infektion bei Tätowierungen mag sie aber nicht ausschließen. Bei dem Vorgang des Tätowierens entstehen Wunden, und es ist nicht auszuschließen, dass der HI-Virus in diese über ungenügend sterilisierte Nadeln oder kontaminiertes Zubehör hinein gerät.

Man sollte sicherstellen, dass es sich um eine hygienische Umgebung handelt, die Nadel neu ist, die Geräte steril, und die Haut beim Tätowieren desinfiziert ist“, sagte sie.

Eine plausiblere Sorge in Bezug auf Krankheiten, die beim Tätowieren oder Piercen übertragen werden können, sind Hepatitis B und C. Aber auch hier gibt es in Thailand keine Berichte, dass dies beim Tätowieren passiert sein könnte.

Hepatitis C“ überträgt sich zehnmal schneller als Hepatitis B, und das überträgt sich zehnmal schneller als HIV“, sagte sie.

Kunden können in unprofessionelle oder unhygienische Tätowierstudios Krankheitserregern ausgesetzt sein und sich während der Tätowierung infizieren.

In Ländern, die HIV-Infektionen genau verfolgen, dazu gehören die USA, gibt es laut Seuchenschutzzentrum CDC keine verifizierten Berichte, dass sich jemand beim Tätowieren oder durchs Piercen mit HIV angesteckt hat.

Das CDC weist jedoch darauf hin, dass beim Tätowieren oder Piercen die Möglichkeit besteht, dass Krankheitserreger durch Blut übertragen werden. Diese Möglichkeit sei aber niedrig oder beinahe ausgeschlossen.

Nach einer Verordnung des Gesundheitsamtes von 2015, müssen alle Tattoo- und Piercingstudios registriert sein. Wie das mit Verordnungen in Thailand so ist, werden sie nicht unbedingt ernst genommen. Wie viele Tattoostudios es ist Bangkok gibt, weiß die Bangkoker Stadtverwaltung (BMA) jedenfalls nicht.

In der Hauptstadt sind nur 50 Tattoostudios registriert, von denen sich 15 im Bezirk Phra Nakhon befinden.

Nach dem Tod der 22-Jährigen, die sich in Bangkok hat tätowieren lassen, wurde das Geschäft geschlossen, die Ermittlungen über die hygienischen Zustände dort dauern an.

Bei dem „Geschäft“ handelt es sich um einen beweglichen Laden, der an ein Fahrrad gekoppelt ist. Die mobile Tattoo-Rikscha operierte im Viertel Khlong Lod nahe Sanam Luang in der Bangkoker Altstadt. Einen adäquaten Standard soll es bei diesem Tattoostudio nicht gegeben haben. Kontrolleure stießen auf Nadelpackungen, von denen die Etiketten abblätterten und fanden heraus, dass die Tintenkartuschen nicht ausgewechselt wurden.

Geschäftsinhaber Somchai Ariya sagte, Hygiene habe bei ihm oberste Priorität, und von den vier Verstorbenen habe er nur eine Person tätowiert, nämlich besagte 22-Jährige. Außerdem habe sich niemand jemals darüber beschwert, sich in seinem mobilen Laden angesteckt zu haben.

Die BMA will nun die Tattoostudios verstärkt kontrollieren und die Tätowierungskünstler auffordern, ein Sicherheitstraining zu absolvieren. Wer sich nicht registriert, dem droht eine Geldstrafe von 50.000 Baht oder Haft von bis zu sechs Monaten.

Tattookünstler Chanan Tokrisna, der einen Laden an der Sukhumvit Soi 53 hat, sagte, dass Tattoostudios heutzutage mehr Gewicht auf Hygiene und Sicherheit legen als früher.

Ab und zu gibt es Fälle, bei denen sich Kunden beim Tätowieren infizierten, aber das ist sehr selten“, sagte er.

Vor ein paar Jahren haben einige Tattoostudios alte Tattoo-Gerätschaften verwendet, das heißt, sie mussten sie immer mit Alkohol säubern und desinfizieren. Doch selbst damals waren Infektionen sehr selten. Jetzt benutzen die meisten Studios Einwegnadeln, die Sauberkeit nach internationalen Standards garantieren“, fügte Chanan hinzu.

Es ist nicht so, dass wir keine Vorschriften wollen, wir begrüßen sie. Es spielt keine Rolle, wie schwierig und kompliziert sie sind, wir sind bereit, uns nach ihnen zu richten, denn das Ziel ist es, von den Behörden anerkannt zu werden, damit die Kunden von Sicherheit und Qualität überzeugt sind“, sagte er.

Thailand öffnet sich der Kultur des Tätowierens, und Tätowierungen werden langsam gesellschaftlich akzeptiert. Mit den vielen respektierten Persönlichkeiten, die tätowiert sind wie Filmstars oder Fußballspieler, entfernen sich Thais von der Vorstellung, dass Tätowierte schlechte Menschen sind. Wenn das so sein soll, braucht das aber auch Anerkennung durch den Staat. Allein in der Khao San Road gibt es 50 Tattoostudios, da muss eine Regelung her.

Amon Kamsaeng ist der Inhaber eines Tattoostudios im Viertel Udomsuk. Er sagte, neue Technologie und Gerätschaften können bei Präzision und Geschwindigkeit helfen. Während die Kundschaft mehr an Sicherheit und Hygiene interessiert ist, bedeckt er die Liege mit Plastikplanen und wechselt diese wie die Nadeln nach jedem Tätowiervorgang aus.

Eine andere Seite der thailändischen Tätowierkultur sind die weltberühmten Yantra-Tattoos, von denen Thais und die Bewohner vieler anderer südostasiatischer Länder mystische Kräfte zuschreiben und den Träger vor Ungemach schützen.

Geometrisch Figuren, Tiere und Gottheiten werden von vielen „selbsternannten“ Meistern mit älteren Stahlnadeln geklopft, anstatt mit modernen Einwegnadeln gestochen.

Es gibt viele ehemalige Mönche, die aus den Tempeln kommen und dann Yantra-Tattoos tätowieren. Die Ex-Mönche werden respektiert und bewundert. Aus diesem Grunde nehmen wir ernst, wenn Fragen über Hygiene und Sicherheit gestellt werden“, sagte Ajarn A, ein Yantra-Tätowierer.

Die gesamte Yantra-Tattoo-Industrie hat sich gewandelt, und ist von der traditionellen Bambusnadel auf Stahlnadeln umgeschwenkt, doch diese Nadeln müssen mit Alkohol desinfiziert werden. Das war nie ein Problem, auch wenn in einigen Tinten, die zum Tätowieren benutzt werden, Stoffe gefunden wurden, die allergische Reaktionen auslösen.“

Ajarn A fügte hinzu, dass ihm kein Fall bekannt sei, dass das Klopfen eines Yantra-Tattoos zu einer Infektion geführt habe. Er gab aber zu, dass die Meister die Tinte von verschiedenen Quellen haben. Es sei gut möglich, dass einige Tintenarten wie solche in China, womöglich Chemikalien enthalten, die woanders nicht üblich sind.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/news/special-reports/1536582/hiv-alert-is-skin-deep

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