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Hannover und die Sprache

Hannover und die Sprache

Vielen Dank für Ihren Artikel in der letzten HALLO-Ausgabe über das Thema „Verhunzung der deutschen Sprache“, den Sie korrekterweise bei Kurioses einreihten. Nur finde ich das gar nicht komisch, sondern eher zum Weinen.
Einige Schulen in Hannover haben sich auch etwas Tolles einfallen lassen, wie mir ein Freund berichtete: In Rundschreiben oder Briefen an Eltern nur noch von „Schülerinnen“ gesprochen. Damit waren allerdings auch männliche Schüler gemeint. Fühlen die sich nicht gendermäßig diskriminiert, wenn nur noch von weiblichen Schülern (doppelt gemoppelt: weiblichen Schülerinnen) die Rede ist?
Jetzt werden aber Nägel mit Köpfen gemacht!
Die Bürger der niedersächsischen Landeshauptstadt haben überhaupt keine Probleme und sind die glücklichsten Menschen der Welt. Daher war die dringendste Angelegenheit, dort neue Wörter einzuführen, damit sich niemand benachteiligt fühlt.
Die Stadtverwaltung verwendet ab sofort „geschlechtsumfassende“ Formulierungen. Das bedeutet, dass besonders die bösen Wörter mit einem „-er“ am Schluss ausgemerzt werden. Ein Wählerverzeichnis ist in Hannover ein Wählendenverzeichnis, eine Rednerliste ist eine Redeliste und ein Rednerpult wurde zum Redepult. Das ist noch lange nicht alles. Aus Lehrer wurde ein Lehrender, obwohl ein Lehrender kein Lehrer sein muss und ein Lehrerender vielleicht gerade auch etwas anderes macht als zu lehren. Das aber ist bei der Genderei egal, Hauptsache dass „-er“ ist weg. Weiter geht es: „Keiner“ darf auch nicht mehr gesagt werden, das heißt jetzt „niemand“. Aus „jeder“ wurde „alle“ und aus „Verfasser“ wurde „verfasst von“.
In Hannovers Stadtverwaltung arbeiten etwa 11.000 Menschen, die man nach Hannoveraner Neusprech als Mitarbeiter*innen, Mitarbeiter*Innen, Mitarbeitende, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter_*Innen,  MitarbeiterXen oder so ähnlich bezeichnen könnte.
Diese verfassen ab sofort Texte, die geschlechtsneutral sind. Das geht schon bei der Anrede los. Hier heißt es nicht mehr „Frau“ oder „Herr“, sondern „Guten Tag“ …
Hoffentlich lese ich das nicht morgens oder abends.
Es heißt nicht mehr „Sehr geehrte Damen und Herren“, sondern „Liebe Gäste“.
Der Gast und die Gästin? Dieses Problem scheint noch ungeklärt …
Hannovers Oberbürger/innen/meister/in namens Stefan Schostok von der SPD teilte mit, dass die neue Sprache verbindlich sei, und zwar in allen Schrifterzeugnissen, die bei der Stadtverwaltung so anfallen. Seien es Gesetzestexte oder Formulare, ganz normale Briefe oder E-Mails, Broschüren, Präsentationen, Hausmitteilungen, Drucksachen, Flyer etc.
Es soll darauf geachtet werden, dass der sogenannte Genderstern nur dann benutzt wird, wenn es gar nicht anders geht. „Sehr geehrte Kollegen“ geht gar nicht, weil hier angeblich Frauen ausgegrenzt werden, obwohl sie linguistisch gesehen, sehr wohl in dem Wort „Kollegen“ ebenfalls gemeint sind. „Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen“ geht ebenfalls nicht, weil hier Personen ausgegrenzt werden könnten, die weder das eine noch das andere sind. Daher kommt hier der Genderstern, der für alle diese Personen steht: „Sehr geehrte Kolleg*Innen.

Hannover und die Sprache
Hannover und die Sprache

Über diesen Stern gibt es inzwischen ganze Abhandlungen. Wenn man einen Text mit solch einem Stern, der, so wörtlich, für alle sozialen Geschlech-
ter und Geschlechtsidentitäten steht, laut vorliest, dann soll man bei diesem Stern als Vorleser kurz verharren und eine Pause machen. Das hört sich dann an wie Stottern.
Was die Sprache betrifft, scheinen jetzt alle Dämme zu brechen. Da sind sicherlich Vorschläge erwünscht, was man noch alles ändern könnte.
Zunächst sind da die Berufsbezeichnungen wie der Lehrer, der jetzt ein Lehrender ist. Bäcker sind Backende, Maler und Anstreicher sind Malende und Anstreichende, Installateure sind Installierende und Klempner sind Rohr verlegende? Aus der Friseuse bzw. dem Friseur werden Frisierende. Diebe werden Stehlende und Mörder werden zu Mordenden.
Das Geschlecht in der Grammatik hat mit dem natürlichen Geschlecht nichts zu tun. Das drang bislang zu den Genderisten allerdings nicht durch. Es scheint auch nicht zu genügen, dass das Plural im Deutschen immer weiblich ist, auch wenn das Wort im Singular männlich ist wie z.B. Mann. „Der Mann“ aber „die Männer“.
Darüber hat sich wohl noch kein einziger Mann beschwert, dass er weiblich wird, wenn er nicht mehr alleine steht?
Der nächste Schritt könnte sein, alle männlichen Wörter in weibliche umzuwandeln. Aus „der Mond“ wird „die Möndin“, „der Stern“ wird „die Sternin“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im Plural sind das dann die Möndinnen und die Sterninnen.
Wenn schon, denn schon!!!
Rüdiger Keller, Pattaya

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