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Gesichtserkennung in Singapur

Gesichtserkennung in Singapur

In nicht allzu ferner Zukunft sollen in Singapur auf über 100.000 Laternenpfählen Überwachungskameras installiert sein, die mittels Software Gesichter überall im Inselstaat erkennen können.

Der Plan, diese Kameras mit Gesichtserkennungssoftware auszustatten, lässt seitens Sicherheitsexperten und Menschenrechtsorganisationen wieder einmal Befürchtungen wegen Eingriffs in die Privatsphäre aufkommen. Die Regierung sagte, das System erlaube, „Menschenansammlungsanalysen“ durchzuführen und unterstütze Anti-Terrormaßnahmen.

GovTech, die staatliche Behörde, die in Singapur für „Laternenpfähle als Plattform“ (LaaP) zuständig ist, hat für Anfang kommenden Jahres ein Pilotprojekt angesetzt. Bis Mai können sich interessierte Unternehmen melden und ihre Technologie für das Gesichtserkennungsnetzwerk anbieten.

Als Teil des LaaP-Pilotprojektes werden wir unterschiedliche Sensoren auf den Laternenpfählen testen, dazu gehören auch Kameras, die die Gesichtserkennung unterstützen“, sagte ein Sprecher von GovTech.

Diese Möglichkeiten können für die Analyse von Menschenansammlungen benutzt werden und die Ermittlungen nach einem möglichen Terroranschlag unterstützen.

Singapur sagt, das Projekt ist Teil eines größeren Plans, der „Smart Nation“, bei dem neueste Technologie eingesetzt werden soll, um die Lebensqualität der Bürger zu verbessern. Mit der Privatsphäre soll aber sensibel umgegangen werden.

Videoüberwachung ist die Regel in Städten wie London oder New York. Aber Ian Wilson, ein Sicherheitsdozent an der australischen Murdoch University sagte, er glaube, dass das in Singapur anders sei, weil hier Gesichtserkennungstechnologie eingesetzt werden soll.

Solch eine Technologie gibt es bereits in chinesischen Städten wie Peking und Schanghai. Im Netz gibt es Videos hiervon, die ziemlich unheimlich sind. Man sieht Leute auf der Straße entlang gehen, neben ihnen sind Name und andere persönliche Angaben eingeblendet. Ist das die Zukunft der Privatsphäre?

Einige hochrangige Beamte spielten die Besorgnis über einen möglichen Eingriff in die Privatsphäre herunter.

Premierminister Lee Hsien Loong sagte, dass das Projekt Smart Nation das Ziel habe, die Lebensqualität der Leute zu verbessern, er wolle dies aber nicht, dass die Technologie ins Privatleben eindringe, das sei „unethisch“.

Der Sprecher von GovTech sagte: „Eine Grundvoraussetzung für die Umsetzung des Projektes ist, dass persönliche Daten geschützt werden.

Die Regierung hofft auch andere Sensoren auf den Laternenpfählen installieren zu können, die beispielsweise die Luftqualität messen, die Motorräder zählen oder andere Verkehrsdaten sammeln, um die Verkehrsplanung besser gestalten zu können.

GovTech sagte nicht, wie viele Laternenpfähle bei dem Pilotprojekt mit entsprechenden Überwachungskameras bestückt werden sollen. Aber ein ehemaliger Mitarbeiter der Verwaltung von Singapur, Peter Ong, sagte letztes Jahr, man wolle alle 110.000 Laternenpfähle des Landes in das Netzwerk einbeziehen.

Rechtsanwalt Adam Schwartz, der für die Menschenrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation arbeitet, drängte Singapur und andere Regierungen, keine Gesichtserkennungssoftware zu installieren.
Er sei darüber besorgt, dass eine solche Technologie gegen politische Gegner missbraucht werden könnte oder benutzt wird, um das Recht auf freie Meinungsäußerung oder das Recht auf Versammlungsfreiheit einzuschränken. Gesichtserkennung erlaube den Behörden typischerweise die Leute, die zu sehen sind, mit gespeicherten Daten abzugleichen.

Singapurs einzige Oppositionspartei im Parlament, die Workers’s Party, wollte sich nicht äußern.

Chinesische Technologie

Yitu Technology, ein chinesisches Unternehmen, das kürzlich sein erstes internationales Büro in Singapur eröffnete, sagte, man überlege, ob man mit Partnern in das Projekt einsteige. Yitu eröffnete dieses Jahr ein Sales- und Marketing-Büro in Singapur und plant auch, in dem Land ein Forschungs- und Entwicklungszentrum zu gründen.

Die Firma sagt, sie habe Software, mit der über 1,8 Milliarden Gesichter in weniger als drei Sekunden identifiziert werden können. Die Einwohnerzahl von Singapur beträgt 5,6 Millionen.

Wir sehen ein großes Potential in diesem Land. Sie sind für eine KI-Revolution bereit“, sagte Lance Wang von Yitu, General Manager für Südostasien, Hongkong und Macau. Er fügte hinzu, die Firma bespreche gerade mit Partnern, ob man an der Ausschreibung teilnehme.

Diese Entscheidung ist bei Xjera Labs, einer in Singapur ansässigen Firma, bereits gefallen. Man werde mit Partnern an der Ausschreibung teilnehmen.

Wir bieten unter anderem Videoanalysen in Verbindung mit Gesichtserkennung an, das Überwachen von Menschensammlungen und die Erkennung von menschlichen Merkmalen“, sagte Xjeras Migründer Ethan Chu.
Eine Sprecherin von SenseTime, einer Firma für Gesichtserkennungs-Software mit Firmensitzen in Peking und Hongkong, sagte, man „sondiere die Lage“ und wollte sich nicht weiter äußern. Der staatliche Konzern Temasek in Singapur hält Anteile an SenseTime, die sich auf 600 Millionen Dollar belaufen sollen.
Wilson, der Sicherheitsdozent an der Murdoch University, sagte, dass die Kriminalitätsrate in Singapur entgegen London oder New York gering sei. Es gebe auch keine dringende Terrorgefahr. Aus diesem Grunde seien Überwachungskameras mit Gesichtserkennung in Singapur gar nicht gerechtfertigt.

Die terroristische Bedrohung in Singapur wurde von AON, einer professionellen Dienstleistungs- und Versicherungsgesellschaft, als „gering“ eingestuft.

Die Regierung hält dagegen, dass Singapur von Terroristen innerhalb Singapurs und auch aus dem Ausland bedroht wird.

Beitragsquelle : https://www.reuters.com/article/us-singapore-surveillance/singapore-to-test-facial-recognition-on-lampposts-stoking-privacy-fears-idUSKBN1HK0RV

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