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Gefährliche Gewässer für Generäle

Gefährliche Gewässer für Generäle

Thailands regierende Generäle sind seit fast vier Jahren an der Macht. Jetzt läuft ihnen die Zeit davon – das liegt aber nicht an einem Mangel an Armbanduhren.

Der Widerstand gegen Vizepremierminister General Prawit Wongsuwan wegen der unglaublichen Vielzahl seiner luxuriösen Armbanduhren wächst. Der Skandal, der zunächst wie eine Eintagsfliege aussah, nahm – wie einige politische Beobachter richtig voraussahen – an Fahrt auf und zieht sich jetzt schon seit einigen Monaten dahin. Das Militär läuft inzwischen Gefahr, dass die Armbanduhren der Untergang der jetzigen Regierung sein könnten.

General Prawit, ein Berufssoldat mit einem eher bescheidenen Einkommen, hat nach jetzigem Stand 25 teure Luxusarmbanduhren mit einem Gesamtwert von über einer Million Dollar in seinem Besitz. Keine dieser Uhren hat er auf der Liste für Vermögenswerte angegeben, als er stellvertretender Premierminister wurde. Er sagte, er habe die Uhren von einem Freund bzw. mehreren Freunden ausgeliehen. Über diese Erklärung machen sich die Thais lustig.

Glauben Sie wirklich, dass die thailändischen Bürger Ihnen diese Geschichte abkaufen?“, fragte die ehemalige Senatorin Rosana Tositrakul. „Das haben Sie nur gesagt, weil Sie glauben, dass die thailändische Öffentlichkeit Ihnen nichts anhaben kann.“ Sie fügte hinzu: „Wenn Sie keine Verantwortung hierfür übernehmen, dann werden Sie die gesamte Regierung zu Fall bringen.

Das Timing bezüglich der Armbanduhren könnte für die Militärregierung nicht schlechter sein, die seit dem Putsch 2014 das gesamte Land kontrolliert und wegen der ständig verzögerten Wahlen unter immer größeren Druck steht.

Der Uhrenskandal wurde bekannt, als Premierminister General Prayuth Chan-ocha gerade damit begann zu testen, wie es wäre, auch nach den Wahlen an der Macht zu bleiben. Indem er zum Beispiel eine eigene Partei gründet oder eine Partei sucht, die das Militär unterstützt.

Der verschworene Haufen der Generäle steht wie in einer Reihe, und die Militärregierung überhört geflissentlich Forderungen nach einer Suspendierung von General Prawit, der für viele politische Beobachter die graue Eminenz und der eigentliche Anführer der Militärregierung ist. Das könnte aber nach hinten losgehen, denn die Militärs hatten immer wieder geschworen, die Korruption bekämpfen zu wollen. Nur wenn es um die eigenen Leuten ging, da wurde dieser Kampf gegen die Korruption auf einmal nicht mehr so ernst genommen.

Alles begann an einem sonnigen Dezembertag letzten Jahres, als nach einer Kabinettsumbildung alle Kabinettsmitglieder für eine Fotografie vor dem Regierungssitz zusammenkamen. Alles sah nach Routine aus, auch für General Prawit, aber die Sonne machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Von den Sonnenstrahlen geblendet, hob er eine Hand vor die Augen. Journalisten bemerkten neben einem wertvollen Ring vor allem eine strahlende Uhr. Eine Überprüfung ergab sehr schnell, dass es sich um einen Zeitmesser des Luxusherstellers Richard Mille handelte. Das wertvolle Stück hatte es nicht auf die von General Prawit angefertigte Liste seiner Vermögenswerte geschafft. Alle Minister müssen diese nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen.

Dann wurde es schlimmer.

Tausende Kilometer entfernt in Los Angeles: Hier arbeitet ein Thai als Datenanalyst und betreibt als Hobby die populäre Facebook-Seite CSI-LA, auf der Tagesereignisse kritisch hinterfragt werden.

Bekannt wurde die Seite nach dem Doppelmord an den beiden britischen Touristen Hannah Witheridge und David Miller auf der Ferieninsel Koh Tao im September 2014, weil auf CSI-LA quasi nachgewiesen wurde, dass die beiden wegen der Morde verurteilten Burmesen es gar nicht gewesen sein können, sondern dass die Täter in Wahrheit woanders zu suchen sind.

Im Fall General Prawit veröffentlichte CSI-LA Fotos seiner Armbanduhren. Entweder hatte der Macher der Seite die Fotos zusammengetragen, oder sie wurden von Usern beigesteuert. Alle Fotos stammen entweder von Regierungsseiten oder aus der Mainstream-Presse. Die Bilder sind nicht manipuliert.

Die Anzahl der Uhren stieg wie eine Rakete nach oben. Erst war es eine, dann fünf, inzwischen sind es 25. Mit dabei Rolex und Patek Philippe. Gesamtwert über 30 Millionen Baht.

Wir leben in einer Zeit, die sie Große Datenwelt nennen“, sagte CSI-LA einer Nachrichtenagentur. „Daher gibt es heutzutage überall Daten von dem, was man tut. Wenn Sie korrupt sind und Sie glauben davonzukommen, dann ist das nicht mehr so einfach wie früher.

CSI-LA will aus Gründen der persönlichen Sicherheit anonym bleiben.

Wochenlang wollte sich der General über seine glitzernden Klunkerschätze nicht äußern. Als er es dann doch tat, wurde die ganze Angelegenheit noch merkwürdiger.
Ich habe Freunde, und die haben mir die Uhren geliehen“, sagte er zu Reportern. „Nein, sie haben die Uhren nicht für mich gekauft, sie ließen sie mich einfach tragen. Das ist alles.

Als General Prawit und seine Offizierskameraden die demokratisch gewählte Regierung Yingluck Shinawatra stürzten, begründeten sie diesen Schritt unter anderen mit dem Kampf gegen Korruption. Anders als korrupte Politiker seien Offizieren nämlich durchweg gute Menschen.

Seit dem Putsch 2014 gab es eine Reihe von Korruptionsskandalen innerhalb des Militärs. Diese Skandale machten ein paar Tage Schlagzeilen und verschwanden dann wieder aus den Gazetten. Die Uhren aber entwickeln sich langsam zu einer Lawine.
Sicherlich bieten die Uhren gutes Material für Regierungskritiker, die durch Gesetze und Verbote lange Zeit in Schach gehalten wurden.

Der Aktivist Ekachai Hongkangwan hat mehrmals die Militärs durch Proteste provoziert. Seine neueste Kampagne konzentriert sich auf General Prawit, bei der er schon mehrmals versucht hat, dem General eine billige Seiko zu schenken.

Ekachai sagte, mit der Uhrenübergabe sei eine einfache Botschaft verbunden: Zeit zu gehen.

Wenn man kein Zeitgefühl hat, braucht man auch keine teuren Uhren zu tragen“, sagte Ekachai bei einem seiner letzten Versuche, General Prawit die Seiko zu schenken, bevor Ekachai von Sicherheitsbeamten abgeführt wurde.

Die ehemalige Senatorin Rosana sagte, die thailändische Öffentlichkeit verliere inzwischen sehr schnell den Glauben an die Männer in den grünen Uniformen.
Die Regierung würde gegen Korruption vorgehen, und dass sei eine der Säulen der neuen Verfassung, die anti-korrupt sein soll“, sagte sie. „Aber wenn sie zeigen, dass es zweierlei Maß gibt, indem sie gegen die Opposition vorgehen, aber nichts unternehmen, wenn es um die eigenen Leute geht, dann wird die Öffentlichkeit das so nicht akzeptieren.

Die Angelegenheit liegt jetzt bei der Nationalen Anti-Korruptionskommission (NACC). Aber die Öffentlichkeit ist misstrauisch, weil die Mitglieder der Kommission von der Militärregierung bestellt wurden und – schlimmer – der Chef der NAAC einst ein Untergebener von General Prawit war.

NAAC-Sprecher Worawit Sukboon forderte die Medien auf, „alle Fakten abzuwarten.
General Prawit „drohte“ unterdessen bei einem durch Journalistenfragen ausgelösten Wutausbruch mit Rücktritt, falls die NAAC Unregelmäßigkeiten feststellen sollte. Der durch die Zeitbombe ausgelöste Schaden dürfte aber schon entstanden sein.

Das ist fast wie der letzte Strohhalm“, sagte Politologe Thitinan Pongsudhirak, der festhielt, dass die Bürger in Bezug auf die Regierung „so einiges ertragen haben. Ich glaube, die Uhren werden zum Blitzableiter und sind der Anfang vom Ende der Militärregierung.

Beitragsquelle : https://apnews.com/92bf35831f89477493e005a3a1e6735e

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