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Es kostet nichts, freundlich zu sein

Es war verblüffend zu sehen, dass die thailändische Botschaft in Tokio eine aus zehn Punkten bestehende Liste veröffentlichte, mit der thailändischen Touristen in Japan Manieren beigebracht werden sollen. Offensichtlich mögen Japaner das Verhalten einiger Touristen nicht, zumal die Japaner für ihre guten Manieren weltberühmt sind.

Ich empfand die Thais immer als ziemlich freundlich, auch, wenn es begreiflich ist, dass sie etwas lauter werden, wenn sie im Ausland in großen Gruppen unterwegs sind, vor allem zur Essenszeit. Unnötige Geräusche gehören zu den Hauptpunkten, die die Botschaft ansprach. Das ist offensichtlich für Thais ein bisschen schwierig, denn im Königreich ist es so gut wie unmöglich, Lärmbelästigungen, welcher Art auch immer, zu entgehen. Ob es nun Trillerpfeifen von Parkwächtern sind oder Verkäuferinnen neben mannshohen Lautsprechern, die an Stellen stehen, wo sie nicht hingehören.

Nun ja, in einer großen Stadt wie Bangkok erwartet man wohl Geräusche, und es wäre schon befremdlich, wenn die Stadt ein Ort der absoluten Ruhe wäre.

Anstellen

Ein anderer Punkt der von der Botschaft angesprochen wird, ist die Kultur des Anstellens. Als ich das erste Mal in Thailand war, kursierte der Witz, dass nur wenige Thais die Bedeutung des Wortes „Anstellen“ überhaupt kennen.

Wenn in Bangkoker Kinos ein populärer Film lief, schien jeder zur selben Zeit eine Eintrittskarte haben zu wollen, was prompt zu unbeschreiblichem Chaos führte. Über die Jahre haben sich die Dinge verbessert, insbesondere mit der Einführung der elektronischen Nummernvergabe in Banken, Botschaften und Verwaltungsgebäuden.

Trotzdem, wäre es fair zu behaupten, dass die thailändische Interpretation von „Anstellen“ bestenfalls flexibel gehandelt wird, weil viele Leute denken, dass man sich in einer Schlange vorne und nicht hinten anstellen soll. Gut zu sehen ist das beispielsweise in einem 7-Eleven, wenn Leute hereinkommen und vom Personal lautstark etwas verlangen (meist Zigaretten oder Telefonkarten), obwohl gerade andere Leute bedient werden und sich vor dem Tresen eine Schlange bildet.

Etikette

Da ich aus England komme, habe ich viel Erfahrung mit Anstellen. Das Anstellen ist eine notwendige Etikette, wenn auch ungeschrieben, die zum Aufwachsen in England dazugehört.

In einer Studie wurde kürzlich festgestellt, dass ein durchschnittlicher Engländer vier Tage pro Jahr in einer Schlange verbringt. Wenn man annimmt, dass „einflussreiche Personen“ in Thailand vier Sekunden pro Jahr in einer Schlange verbringen, vermutlich weniger, dann bedeutet das, dass hier noch ein kultureller Graben überwunden werden muss.

George Mikes, ein in Ungarn geborener britischer Autor, fasste zusammen, was er observierte: „Ein Engländer, selbst wenn er allein ist, stellt sich an und bildet eine ordentliche Schlange.

Zebrastreifen

Ein weiterer Punkt auf dem Merkblatt der thailändischen Botschaft lautet: „Fahrer müssen das Recht der Fußgänger beachten und vor Zebrastreifen halten und warten… mit Geduld und ohne zu hupen.

Für Thais, die in Japan fahren, ist das sicherlich etwas schwieriger zu bewältigen als das Anstellen. Eingeweihte wissen, dass wir in Bangkok und anderen Städten die absurde Situation haben, dass Zebrastreifen der gefährlichste Abschnitt ist, an dem man eine Straße überqueren kann. Niemand beachtet sie. Touristen, die das nicht wissen, und auf Zebrastreifen vertrauen, wiegen sich in falscher Sicherheit. Dadurch werden sie zu regelrechten Todesfallen. Offizielle Bekanntmachungen, dass der Fahrer schuld ist und man ihn verklagen kann, wenn man auf einem Zebrastreifen überfahren wird, sind nicht gerade vertrauenerweckend.

Hupen

Es war wenig überraschend das Thema Hupen auf der Liste der thailändischen Botschaft zu entdecken.

Trotz der Frustration, in endlosen Verkehrsstaus zu sitzen, dachte ich immer, dass Bangkoker Autofahrer doch sehr zurückhaltend sind, wenn es um das Benutzen der Hupe geht. Auf den Hauptstraßen der Provinz ist das natürlich etwas anders, wenn Busse und Laster lautstark hupen und damit nicht sehr freundlich sagen: Weg da!

Das schlimmste Land Asiens, in dem unnötigerweise gehupt wird, ist zweifellos China. Ich kann mich an meine erste Chinareise Anfang der 90er Jahre erinnern und schwor mir, mich niemals mehr über thailändische Autofahrer zu aufzuregen. Nun, dieser Schwur hielt immerhin zwei Wochen an.

An den chinesischen Straßen stehen viele Verkehrsschilder, und es dauerte nicht lange, herauszufinden, aus welchem Grund. Die Standardprozedur auf einer Straße ist folgende: Man überholt an einer unübersichtlichen Stelle, und wenn etwas entgegen kommt, dann hupt man, damit es verschwindet. So einfach ist das.

Kopf im Sand

Touristen neigen doch häufiger dazu, herum zu jammern. Vor ein paar Jahren veröffentlichte der Verband britischer Reiseveranstalter eine Sammlung der lächerlichsten Beschwerden britischer Touristen aus aller Welt. Wenn man das liest, bekommt man das Gefühl, dass es einigen Leuten verboten werden sollte, ihr Land zu verlassen.

In einer Beschwerde hieß es, der Strand sei „zu sandig“. Eine andere Familie beschwerte sich darüber, dass der Strand in den Reisekatalogen gelb war, aber in Wirklichkeit war der Sand weiß. Sie verlangten eine Erklärung. Jemand anders beschwerte sich, der Sand sei „zu heiß“.

Die Strände scheinen für Vieles verantwortlich zu sein. Eine Frau behauptete, ihr Urlaub sei ruiniert worden, weil ihr Mann die ganze Zeit Frauen anstarrte, die oben ohne am Strand herumliefen.

Selbst das Meer blieb von Kritik nicht verschont. Eine Mutter beschwerte sich: „Niemand sagte uns, im Meer würde es Fische geben. Die Kinder erschreckten sich.

Spanische Inquisition

Britische Touristen in Spanien sind vermutlich die größten Meckerer. Außer Berlinern auf Mallorca vielleicht. Eine englische Besucherin verlangte, dass die traditionelle Siesta verboten wird, weil alle Geschäfte geschlossen hatten. Sicherlich sind die Einheimischen für so einiges verantwortlich. Ein irritierter britischer Tourist beschwerte sich über die Spanische Riviera: „Da gibt es zu viele Spanier.

Meine Güte, es ist einfach unglaublich, was Touristen heutzutage alles erdulden müssen.

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