Header Banner
Header Banner
Header Banner
Header Banner

Ein Sklavenkind in Thailand: Die Geschichte von „Air“

Ein Sklavenkind in Thailand: Die Geschichte von „Air“

Ein Sklavenkind in Thailand Auf Airs jungem Körper befinden sich die Spuren von fünf Jahren Sklavenhaltung. Verletzungen befinden sich an Hals, Brust und Rücken und insbesondere an ihrem linken Arm.

Die Tochter von Karen-Migranten aus dem benachbarten Burma wurde 2008 entführt. Damals war sie sieben Jahre alt. Sie wurde in einem Haus in Kamphaeng Phet gefangen gehalten und beinahe täglich geschlagen. Ihre Kidnapper, ein Ehepaar, von dem Air zunächst annahm, es handele sich um Freunde, verbrühten sie mit heißem Wasser und schnitten ihr ein Ohrläppchen ab. Air gelang im Januar 2013 die Flucht. Das Ehepaar wurde zu Schadensersatz in Höhe von vier Millionen Baht verurteilt.

Gegen sie wird auch strafrechtlich ermittelt. Die beiden hinterlegten eine Kaution und tauchten unter.

Das erste Mal äußerte Air sich nun selbst zu den Vorfällen. Sie erzählte der Stiftung Thomson Reuters ihre ganze Geschichte.

„Es war gegen vier Uhr, als das Ehepaar zu meinem Haus kam. Sie sagten, sie wollten mir etwas erzählen. Ich war alleine. Ich bereitete das Abendessen vor, während meine Eltern auf dem Zuckerrohrfeld arbeiteten. Ich konnte mich an ihre Namen nicht erinnern, aber meine Eltern kannten das Ehepaar, ich war auch mal bei ihnen zu Hause gewesen. Sie fuhren mich in ihrem Wagen zu ihrem Haus. Nach einer Weile bat ich sie, mich zurückzufahren, aber sie weigerten sich. Ich weinte und sagte, ich wollte zu meiner Mama nach Hause. Aber sie verneinten, und ich bekam Angst. Daher saß ich nur ruhig da und sagte nichts. Ich kann mich nicht genau erinnern, wie lange, aber ich war lange Zeit bei ihnen.

Ich musste jeden Tag um sechs Uhr aufstehen. Ich machte das Haus vor dem Frühstück sauber. Manchmal musste ich mir ihrem Hund Gassi gehen. Ich wollte weglaufen, aber ich hatte Angst, und ich wusste auch nicht, in welcher Richtung mein Haus lag.

Wenn ich das Haus nicht gut genug putzte, dann schlugen sie mich.

Sie bezahlten mich nicht. Sie kauften mir weder Kleidung noch Süßigkeiten. Ich musste die Sachen der Frau anziehen.
Ich konnte einmal weglaufen, nachdem ich eines Morgens mit den Hausarbeiten fertig war. Ich bat einen Nachbarn, mich zu meiner Mama zu bringen, aber ich konnte nicht sagen, wo meine Mama war, außer dass sie auf einer Zuckerrohrplantage arbeitete.

Der Nachbar rief die Polizei, aber als ich zum Polizeirevier kam, war das Ehepaar schon dort und wartete auf mich. Sie hatten mich als vermisst gemeldet. Sie wollten mich mitnehmen, aber ich wollte nicht mitgehen. Die Polizei schickte sie weg, ich blieb auf dem Revier. Doch später brachte mich die Polizei zurück zu ihrem Haus.

Sie waren wütend, weil ich versucht hatte wegzulaufen, und die Frau schnitt mein linkes Ohrläppchen mit einer Schere ab. Danach durfte ich nicht mehr raus, und sie schlugen mich noch häufiger, eigentlich jeden Tag. Normalerweise schlug mich immer die Frau, der Mann dagegen schrie mich ständig an und brüllte herum.
Eines Tages sagte die Frau, ich solle das Haus putzen. Dann, es war spät abends, sagte sie, ich solle aufhören, obwohl ich noch nicht fertig war. Sie wurden böse, weil sie meinten, ich würde langsam arbeiten. Der Mann nahm einen Kessel mit heißem Wasser und goss ihn über mir aus.

Es war so schmerzhaft, dass ich die ganze Nacht bis morgens weinte. Danach gaben sie mir etwas gegen die Verbrühungen, einen Arzt holten sie nicht.

Jeden Tag dachte ich an Flucht. Dann, am 31. Januar 2013, ich fütterte gerade die Katze, rannte sie weg. Ich hatte Angst, dass sie mich deshalb schlagen würden, daher folgte ich der Katze, indem ich durch den Zaun kroch und bemerkte, dass ich außerhalb des Grundstücks war.

Ich ging zu einem anderen Nachbarn, der eine Lehrerin anrief. Sie erkannte mich, denn ich war einmal ihre Schülerin gewesen. Sie brachte mich in ein Waisenhaus.

Jetzt bin ich in einem anderen Waisenhaus und mache eine Ausbildung als Friseuse. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich hier bin. Ich schlafe in einem Schlafsaal mit vielen anderen Mädchen. Das gefällt mir.

Ich weiß nicht, was aus dem Ehepaar geworden ist. Sie haben mir nie gesagt, warum sie mich entführten. Als ich sie bat, mich zu meiner Mutter zurückzubringen, sagte sie: Du bleibst besser hier, denn deine Eltern sind arm. Du hast einfach bessere Chancen, wenn du bei uns bleibst.

Ich will anderen Kindern erzählen, dass sie nicht auf Fremde hören, ihnen nicht vertrauen sollen.

Da gab es Leute, die wussten, dass ich bei dem Ehepaar bin, aber sie haben nicht geholfen.

Meine Mutter sehe ich nicht sehr oft, aber wir telefonieren. Ich sehe sie immer, wenn ich zur Behandlung ins Krankenhaus muss.“

Ähnliche Beiträge