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Ein Mann mit Geschichte

Ein Mann mit Geschichte

Wer auch immer das Drehbuch für einen Film über sein Leben schreibt, etwas, das auf jeden Fall getan werden sollte, muss ein wenig von der Wahrheit abweichen, denn die Zuschauer könnten sonst kaum glauben, was General Manas Kongpan getan hat.

Ob er noch mehr macht, ist zurzeit fraglich, denn er sitzt in einer Gefängniszelle in der Provinz Songkhla. Die Polizei überzeugte den Haftrichter, dass er keinesfalls gegen Hinterlegung einer Kaution freikommen sollte, weil dem General ein Dutzend schwerer Verbrechen vorgeworfen werden.

General Manas ist laut Polizei ein Menschenhändler. Er hat Kinder geschmuggelt, Erwachsene entführt, von illegalen Migranten Lösegelder erpresst, sie angegriffen und womöglich einige getötet und in Massengräbern Beweise verborgen. Hinzu kommt der allgemeine Vorwurf, er sei Mitglied einer internationalen kriminellen Vereinigung.

Das Ungewöhnliche an der Geschichte ist, dass die Polizei den Vorwürfen tatsächlich nachgeht. Der nationale Polizeichef Somyot Poompunmuang geht einen Weg, den vor ihm nur wenige zu beschreiten wagten.

Der Armeemann in der Zelle in Songkhla bestreitet, er habe irgendetwas mit Menschenhandel zu tun. Er hat nicht durchschnittliche Verbindungen, sondern er ist überaus gut vernetzt, auch mit dem Internen Sicherheitskommando (ISOC).

Wenige Stunden nach seiner Verhaftung trat Verteidigungsminister General Prawit vor die Presse und erklärte, dass der Beschuldigte ein guter Mensch sei, der viel für sein Land getan habe.

Einige sind vielleicht Zyniker, wenn es innerhalb des Militärs darum geht, etwas zu vertuschen. Oder General Prawit sieht General Manas als einen Mann fürs Grobe an, der zum Einsatz von Gewalt bereit ist, wenn es um die Sicherheit des Landes geht.

General Manas wurde für seine Arbeit durch das Militär gut belohnt. Vom Oberst wurde er zum Drei-Sterne-General befördert. Davor sah es jedoch aus, als ob er sein ganzes Leben Oberst bleiben würde. Bis zu dem denkwürdigen Tag am 27. April 2004.

In dieser Nacht führten meist mit Messern bewaffnete Separatisten im Süden mehrere merkwürdig koordinierte Anschläge durch. Sicherheitskräfte gewannen schnell die Oberhand, sie töteten einige Angreifer oder schlugen sie in die Flucht. 32 Männer suchten in der Krue-Se-Moschee in Pattani Zuflucht und forderten religiöses Asyl.

Die Befehle aus Bangkok lauteten, die Moschee zu belagern. Aber nach sieben Stunden hatte ISOC-Chef General Panlop Pinmanee genug. Er schickte seine Truppen in die Moschee, die alle 32 Männer aus nächster Nähe erschossen.

Oberst Manas war bei dem einseitigen Angriff auf das Gotteshaus dabei. Das Gemetzel wurde von Einwohnern im Süden, aber auch von Bangkokern als „Mord“ bezeichnet.

Vier Jahre später, nachdem sich die Militärregierung unter General Surayud Chulanont für die Aktion entschuldigt hatte, urteilte ein Gericht in Pattani, das Oberst Manas und ein paar andere Offiziere die Verantwortung übernehmen sollten. Die Regierung Abhisit Vejjajiva unternahm jedoch nichts.

Oberst Manas wurde ein Spezialist für den Süden. „Leute sagen, ich hasse Moslems“, sagte er einmal in einem Interview. „Aber wie könnte ich. Mein Bruder hat eine Muslima aus Yala geheiratet.“

Einige seiner Freunde waren Moslems, aber er war nicht allen freundlich gesinnt. In dem Jahr, in dem Oberst Manas nicht wegen Befehlsverweigerung und Mord vor Gericht stand, arbeitete er an dem Problem, dass Migranten, insbesondere die Rohingya, mit Booten illegal in thailändische Gewässer eindrangen, weil sie in Malaysia arbeiten und eine neues Leben beginnen wollten.

Medien und Augenzeugen berichteten über einen ISOC-Oberst vor Ort, der einem Patrouillenboot befohlen hatte, ein Boot der Rohingya weit vor die Küste zu schleppen. Die Rohingya wurden ohne Lebensmittel, Wasser oder Treibstoff ihrem Schicksal überlassen oder genauer, dem Ausbleiben eines Schicksals. Alle an Bord starben, mehrere Leichen wurden an die Küsten indischer Inseln gespült.

Oberst Manas erklärte vor dem Parlament, dass die Geschichten Unsinn seien, die Augenzeugen sich irrten und die Medien lügen würden. Niemand starb von thailändischer Hand, er selbst habe dafür gesorgt, dass die Rohingya mit vielen Lebensmitteln, Wasser, Treibstoff, Werkzeugen und vielem mehr ausgestattet wurden.

Er war der einzige, der diese Version erzählte. Die Regierung Yingluck Shinawatra ließ den Fall auf sich beruhen.

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