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Ein Gefühl des Unwohlseins

Ein Gefühl des Unwohlseins

Mit einem verführerischen, an das Meer erinnernden Kostüm bekleidet, gab Sexarbeiterin May ihrer Meinung Ausdruck, dass Pattaya weiterhin eine Spaßstadt bleiben wird, auch wenn die Militärregierung versucht, das zu ändern.

Sie ist optimistisch, denn sie, wie Zehntausende andere in dieser Industrie, hat keinesfalls vor, ihren Job aufzugeben. Und es gibt auch keine Anzeichen dafür, dass weniger ausländischen Touristen, die entsprechenden Dienste in Anspruch nehmen.

Pattaya hat nicht den besten Ruf, gilt als Sexhauptstadt der Welt, und die fleißigsten Prostituierten verdienen zwischen 70.000 und 150.000 Baht pro Monat – das Zehnfache des thailändischen Durchschnittslohns.

Ich verdiene gutes Geld hier, für mich und meine Familie“, sagte May in der Nähe der Walking Street, wo sie sich nach potentiellen Kunden umsah.

Aber die Sorge, dass Pattayas Image auf ganz Thailand zurückfallen könnte, hat Behörden dazu gebracht, Maßnahmen einzuleiten, während minderjährige Prostituierte, Drogenmissbrauch und organisiertes Verbrechen den Namen des Seebads zusätzlich lädieren.

May, eine Transgender, sagte, auf der gut einen Kilometer langen Walking Street sei es ruhiger als sonst gewesen, weil Polizisten und Soldaten regelmäßig patrouillieren mit dem Ziel, das Seebad sauberer zu halten. Der Befehl kommt von der herrschenden Militärregierung.

Polizeioberst Sulasak Kalokwilas gehört zu denjenigen, die mit der Aufgabe betraut sind, die einige als Sisyphus-Arbeit beschreiben würden, den Sex in Pattaya abzuschaffen.

Wir gehen gegen obszöne und schmutzige Shows vor. Wir wollen, dass diese Bars verschwinden“, erklärte er.

Während er das sagte, standen Dutzende leicht bekleidete Frauen hinter ihm und versuchten, potentielle Gäste in Bars mit Namen wie Tabu, G-Punkt und Fahrenheit zu locken, letztere bietet laut Eigenwerbung„die heißesten Mädchen in Pattaya“ an.

Die Ladyboys und Frauen, die da arbeiten, haben mit dem Sexhandel nichts zu tun“, sagte Polizeioberst Apichai Kroppeth, der Polizeichef von Pattaya, und beschrieb damit die Behördensicht auf die Dinge, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Sie arbeiten als Kellnerinnen, sitzen und unterhalten sich mit Gästen, einige nehmen an Tanzshows teil“, sagte er.

Bar-fine und Short-time

Viele Einwohner Pattayas hatten das Gefühl, alles schon einmal erlebt zu haben, was den moralischen Aufschrei betrifft: negative Schlagzeilen in der ausländischen Presse, Behörden üben sich in Aktionismus, der deutlich sichtbar, aber sehr zurückhaltend ist in einer Industrie, die die Rechnungen für jeden bezahlt.

Erwarten Sie, dass die Wilderer die Wildhüter werden?“, fragte ein Mann aus dem Westen, der in Pattaya lebt, als er gefragt wurde, ob die Aufräumaktion funktionieren würde. Der Sexhandel ist eine goldene Gans für Barbesitzer, Hotels, Frauen, Massagesalons, Taxis, die Mafia und schließlich für die Polizei, die mit der Oberaufsicht betraut ist.

Thais nennen das pon prayote“, sagte der britische Journalist Andrew Drummond, der seit 20 Jahren über Verbrechen in Thailand berichtet und das Land verlassen musste, weil er und seine Familie bedroht wurden. „Das bedeutet, das jeder einen Vorteil hat … mit dem sehr viel Geld hereinkommt, und das könnte ohne Zustimmung der Polizei einfach nicht passieren.

Apichai versicherte, dass es ganz sicher keine Schmiergeldzahlungen an seine Behörde gebe.

Prostitution ist im konservativen Thailand eigentlich illegal. Sie ist aber überall zu finden, für ausländische und vor allem einheimische Kunden.

Die Läden benutzen ein ausgeleiertes Schlupfloch, um eine Anklage zu verhindern. Sie lassen Sexarbeiterinnen für sich arbeiten, deren Aufgabe es ist, Gäste zu unterhalten und mit ihnen zu sprechen.

Eine Bar-fine wird bezahlt, damit der Gast die Prostituierte mitnehmen kann. Was dann außerhalb der Bar geschieht, ist nicht mehr Sache der Geschäftsführung, sondern liegt ganz allein bei Freier und Bargirl.

Während die Behörden schwören, das Sexbusiness zerschlagen zu wollen, gibt es kaum eine Diskussion darüber, was dann mit den Sexarbeiterinnen geschehen soll, die mit ihrem Einkommen in fast allen Fällen ihre Großfamilien unterstützen.

Genaue Zahlen gibt es nicht, aber Zehntausende Prostituierte dürften sich allein in Pattaya aufhalten.

Touristenbehörden sind optimistisch, die da sagen, dass die Anzahl der Familien im Seebad ansteigt und Pattaya auch immer bekannter für sportliche Aktivitäten wie Golf und Jetksi werde.

Was die Einrichtungen betrifft, dürften wir bereits am Ziel sein“, sagte Suladda Sarutilavan, die Tourismusdirektorin von Pattaya.

Letztes Jahr kamen etwa zwölf Millionen Touristen – 70 Prozent Ausländer – in die Stadt, in der es 100.000 Zimmer in 2.000 Hotels gibt. Angefangen von billigen Absteigen für Rucksacktouristen bis hin zu luxuriösen Familienapartments auf Golfplätzen.

Nicht jeder Besucher sei ein Sextourist, aber das schmierige Image der Stadt und die Schlagzeilen über die Kriminalität seien schon ein Problem, gab sie zu. „Das lässt bei uns ein wenig ein Gefühl des Unwohlseins aufkommen“, sagte sie.

Ein Mord hatten die Stadt jüngst wieder einmal in den Mittelpunkt gerückt und das schlechte Image bestätigt. Im Januar wurde der britische Geschäftsmann Tony Kenway erschossen, als er ein Fitnessstudio verließ. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Die Polizei bringt das Opfer mit sogenannten Boiler Rooms in Verbindung. Hier werden Leuten angeblich viel versprechende Aktienpakete verkauft, die nichts wert sind.

Ausländer, die in Pattaya leben, sind der Meinung, dass man das Große Ganze sehen sollte, denn Pattaya sei insgesamt eine sichere Stadt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ich fühle mich hier total sicher“, sagte Bryan Flowers, der ein Dutzend Bars betreibt.

Andere sind der Meinung, dass schöne Hotels und Einkaufszentren sowie Golfplätze das Partyimage der Stadt ablösen könnten.

Viele Leute kommen deshalb her“, sagte Simon Peatfield, der ein Restaurant und eine Sportbar besitzt. „Man kann aber wohl nicht ständig Golf spielen.

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