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Ein fauler Mensch will joggen

Fitness im Bangkoker Lumpini ParkLetztes Wochenende war ich bei meinem ersten Rennen dabei. Ich meine nicht, dass ich rannte wie eine Verrückte, was ich immer dann mache, wenn mich ein Straßenköter verfolgt oder wenn ich den Jingle des Langnese-Eiswagens höre, wenn er in meine Soi einbiegt.

Ich spreche von einem richtigen Rennen, bei dem man seine Beine so schnell wie möglich für eine schrecklich hohe Anzahl von Kilometern bewegen muss, eine Nummer an sein Shirt geheftet bekommt und Shorts tragen sollte.

Meine Waden schmerzten fünf Tage lang, an meinen Zehen befanden sich Blasen und alle Muskeln in meinem Körper bestraften mich, dass ich sie arbeiten ließ anstatt sie mit Keksen zu füttern. Ich dachte: Ich könnte meine Erfahrung teilen, wie es ist, sich einmal vom Sofa aufzuraffen, um sich zu bewegen.

Wenn Sie das hier lesen, während Sie auf der Tretmühle rennen, dabei nicht schwitzen, gleichzeitig aber Gewichte heben, um ihren Bizeps zu bewundern, dann können Sie gerne hier abbrechen und einen anderen Artikel lesen. Die Offenbarung, wie faul ein Mensch sein kann, könnte abstoßend auf Sie wirken. Diese Kolumne ist für diejenigen, die so sind wie ich und meinen, es sei eine Form von Sport, wenn sie aufstehen und am Fernseher das Programm umschalten, weil sie die Fernbedienung nicht finden.

Ich fand Joggen immer merkwürdig. Die Tatsache, dass Menschen sich in einer Geschwindigkeit fortbewegen, die schneller ist als Gehen, schien mir eine Art von selbst auferlegter Folter zu sein und, um ehrlich zu sein, etwas langweilig. Warum rennen, wenn es so viele Taxis gibt, deren Fahrer bereit sind, einen wohin auch immer zu bringen?

Vielleicht haben die Gründe für mein völliges Missverständnis bezüglich Rennen oder Joggen mit Erfahrungen in meiner Kindheit zu tun. Ich gehöre definitiv zu der Generation, die mit Computer und Fernsehen aufwuchs. Plus, warum sind Betten so bequem, wenn man aufstehen und aktiv sein soll?

Nicht zu erwähnen, dass Rennen etwas war, zu dem ich im Sportunterricht in der Schule gezwungen wurde. Allerdings schien es einigen Leuten leichter zu fallen als anderen. Wenn Sie mit Seitenstechen schnaufend die Rennbahn entlang stolpern und Ihre gazellenartigen Klassenkameraden vor Ihnen betrachten, die zwei Runden weiter sind als Sie, dann ist das bestimmt keine Erfahrung, an die Sie sich gerne erinnern, oder?

Daher mochte ich diese Aktivitäten nie. Sicherlich, ich bin kein totaler Snob, und ich gehe ins Sportstudio, aber ich konnte nie die Leute verstehen, die vor/nach der Arbeit zum Joggen in den Park gehen, ihre Runden drehen und mit ihren Sportschuhen angeben.

Als meine Freunde weiter und weiter in den 20ern vorangingen und der großen 3-0 immer näher kamen, spalteten wir uns in zwei Lager. Da waren auf einer Seite die Leute, die regelmäßig rannten und an Marathons und ähnlichen sportlichen Ereignissen teilnahmen und dies mit „gut für die Gesundheit“ oder „gut für die Figur“ begründeten. Auf der anderen Seite waren da die Leute, die von Bar zu Bar und von Club zu Club rannten und die anderen auslachten.

Aber man fühlt sich so gut, wenn man rennt“, predigten die Befürworter. „Wirklich. Versuche einmal, nach einer langen Nacht zu rennen. Das ist die einzige Kur gegen den Kater, die du brauchst!“ sagten sie und ihre Stimmen hörten sich an, als ob sie einen Kult beschworen. „Jeder kann das machen. Fange einfach langsam an und bald kannst du rennen ohne anzuhalten!“ sagten sie mit leuchtenden Augen, vermutlich weil sie gerade vom Rennen high waren.

Ich glaube, in diesem Szenario könnte ich als Schildkröte bezeichnet werden, die eine Weile braucht, ans Ziel zu gelangen. Wenn man älter wird und mit dem Joggen beginnt, dann ist das eine doppelte Schlacht die geschlagen wird. Auf der einen Seite begreift man langsam, dass es wichtig ist, Sport zu machen, um Herz- und Kreislauferkrankungen vorzubeugen. Auf der anderen Seite denkt man an all die ungesunden Dinge, die man in der Vergangenheit seinem Körper angetan hat. Eine elementare Wahrheit in der sündigen Stadt Bangkok. Jemand schrieb einmal: „Mein Körper ist kein Tempel, er ist ein Vergnügungspark.

Mit diesen Gedanken entschloss ich mich, die Herausforderung anzunehmen. Ich meldete mich für ein Sechs-Kilometer-Rennen an. (Ich weiß, dass das für erfahrene Leute ein Witz ist, aber das ist eine weite Strecke für jemanden, der bestenfalls Kurzstrecke lief – nämlich dann, wenn ich bei einem Regenschauer ein trockenes Plätzchen suchte.)

Ich „trainierte“, indem ich einmal zwei Runden um den Lumpini Park herumlief und dann den Rest der Zeit damit verbrachte, dass ich daran dachte, mehr zu rennen, um mich auf das erste Rennen vorzubereiten. Diese Vorbereitung bestand dann darin, etwas zu essen.

Dann kam der Tag des Rennens. Ich will nicht vorgeben, dass das hier eine tolle Märchengeschichte ist. Es gab Momente des Fluchens, der Traum vom Aufgeben schwebte über mir. Ich dachte ständig daran, das Rennen sofort abzubrechen und in einen McDonald’s einzukehren. Mensch, da waren Leute, die älter und dicker als ich waren, und ich lief ihrer Staubspur hinterher.

Aber ich schaffte es. Ich schaffte es bis zum Ziel, sehr verschwitzt, und ich stellte mir vor, dass die Zuschauer mir applaudierten. Das fand natürlich nur in meinem Kopf statt.

Ich glaube nicht, dass ich urplötzlich Thailand bei den nächsten Asienspielen repräsentieren werde oder dass Nike mit mir einen Werbevertrag abschließen wird. Aber diese Erfahrung lehrte mich, dass es doch etwas bedeutet, wenn man rennt.

Man muss nicht der Schnellste, Stärkste oder der am besten Trainierte sein, um zu joggen. Man muss sich nur vom Sofa aufraffen und sich bewegen. Auf diese Weise kann man immer schneller und länger rennen. Ich werde auf jeden Fall weitermachen – nun ja, aber erst dann, wenn der Muskelkater aufhört. Das wird wahrscheinlich noch ein Jahr dauern.

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