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Ehrenmord erschüttert Pakistan

Ehrenmord erschüttert Pakistan

Der Bruder des Social-Media-Stars Qandeel Baloch wurde verhaftet, weil er seine Schwester getötet hatte. Er gestand das Verbrechen und sagte, es handle sich um einen Ehrenmord. Selbst im erzkonservativen, streng religiösen islamischen Pakistan sorgte das für Aufsehen.

Waseem Azeem wurde in Dera Ghazi Khan in Zentralpakistan verhaftet, nachdem er nach der Tat zunächst geflüchtet war.
Natürlich habe ich sie erdrosselt“ sagte er bei einer von der Polizei arrangierten Pressekonferenz zu Journalisten. „Ich bereue nichts.
Er sagte, er habe allein gehandelt. Er schäme sich nicht, weil das Verhalten seiner Schwester „ausgesprochen inakzeptabel“ gewesen sei.
Sie war im Erdgeschoss, während unsere Eltern im Obergeschoss schliefen“, sagte er. „Es war gegen 22.45 Uhr, als ich ihr eine Tablette gab … und sie dann tötete.
Azhar Irkam, der Polizeichef von Multan, wo Baloch getötet wurde, sagte: „Wasim hat das Verbrechen gestanden und sagte, er haben seine Schwester aus Ehre getötet, weil er ihre Videos ablehnte, die sie vor allem auf Facebook hoch lud.

Baloch, die eigentlich Fauzia Azeem hieß, wurde wegen provokativer Postings in den sozialen Medien berühmt. Die Reaktionen waren gespalten. Die einen lobten sie, weil sie traditionelle Tabus brach, doch Konservative verachteten sie.
Am letzten Tag ihres Lebens, schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite mit über 800.000 Followern: „Ich versuche, das typisch orthodoxe Denken der Leute zu ändern, die nicht aus ihrer Schale falschen Glaubens und überholter Praktiken raus wollen.

Die 26-Jährige hatte schon länger Morddrohungen erhalten und war immer wieder beleidigt worden. Sie machte mit ihren Postings jedoch weiter. Anfang des Jahres hatte sie angeboten zu strippen, falls das pakistanische Kricket-Team Indien schlagen könne.
Einmal postete sie ein Selfie, das sie zusammen mit einem hohen moslemischen Geistlichen zeigte, der daraufhin vom Religionsministerium einen Verweis erhielt.
Vor ihrem Tod machte Baloch sich Gedanken über ihre Sicherheit und bat das Innenministerium, ihr Leibwächter zur Verfügung zu stellen. Die Hilfe wurde abgelehnt, das Ministerium gab zu ihrem Tod keine Stellungnahme ab.
Der Mord an Baloch erschütterte ganz Pakistan und führte zu unzähligen Beileidsbekundungen in sozialen Netzwerken.

Über 500 Menschen, meist Frauen, werden jedes Jahr in Pakistan im Rahmen sogenannter „Ehrenmorde“ getötet, die normalerweise von Familienmitglieder verübt werden. Die Opfer werden bestraft, weil sie „Schande“ über die Familie brachten, die ihre Ehre verlor.

Epidemie Ehrenmorde

Sharmeen Obaid Chinoy, der einen Oscar für einen Film über auf Ehre beruhende Gewalt gewann, sagte, dass solche Angriffe epidemisch seien.
Ich bin heute sehr aufgewühlt“, sagte er nach dem Mord. „Aktivisten haben sich in Pakistan wegen der Ehrenmorde heiser geschrien. Es ist wie eine Epidemie, das gibt es nicht nur auf dem Land, sondern auch in Großstädten. Was machen wir da als Nation?
Chinoy schlug vor, ein Anti-Ehrenmord-Gesetz zu verabschieden. „Es liegt am Gesetzgeber, diese Leute zu bestrafen. Wir müssen anfangen Exempel zu statuieren. Es scheint, dass es in diesem Land ganz einfach ist, eine Frau zu töten ohne dafür bestraft zu werden.

Mufti Naeem, ein konservativer Kleriker verurteilte das Verbrechen ebenfalls. Ihr Privatleben sei ihre Sache gewesen und jemanden zu töten, sei mit dem Islam nicht kompatibel, sagte er. „Der Bruder muss bestraft werden, wir können keine Ehrenmorde mehr gebrauchen.

Beitragsquelle : http://www.aljazeera.com/news/2016/07/pakistan-qandeel-baloch-brother-arrested-regrets-160717081555890.html

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