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Drogensucht zerstört Dörfer

Drogensucht zerstört Dörfer

In Thailands südlichen Provinzen versuchen die Gemeinden mit dem Drogenkonsum fertig zu werden, der in den letzten Jahren trotz Razzien und Bildungsmaßnahmen weiter ansteigt.
Nanchanok Wongsamuth von „BBC-Thai“ berichtete über Dörfer, die von der Drogensucht zerstört werden.

In einer kleinen Holzhütte mitten in einer Kautschukplantage in der Provinz Narathiwat nehmen der 28 Jahre alte Fadel und seine Freunde oft Drogen, in diesem Fall Kratom.
In Thailand auch bekannt als „4×100“ befinden sich darin vier Hauptstoffe: Kratom-Blätter, Hustensaft, Coca Cola und Eis. Ein Getränkt kostet um die 100 Baht.
Früher haben wir die Blätter selbst gekocht, aber jetzt kaufen wir sie trinkfertig“, sagte Fadel in der Hütte, in der Coca-Cola-Büchsen auf dem Boden herumlagen.
Fadel nimmt seit elf Jahren regelmäßig Drogen. Er nimmt auch Methamphetamine wie Ya-Ice und Yaba. Eine Pille kostet ebenfalls um die 100 Baht.
Er raucht jetzt eine Yaba-Tablette alle zwei Tage und trinkt das Kratom-Gebräu dreimal pro Woche, wenn er von der Arbeit auf der Kautschukplantage müde ist. Manchmal stiehlt er getrocknete Betelnüsse, die er verkauft und finanziert so seine Sucht.

Fadel ist einer von geschätzten 80.000 bis 100.000 Drogenabhängigen in den von Moslems dominierten südlichen Provinzen, rund fünf Prozent der Einwohner. Die meisten Abhängigen sind zwischen 14 und 30 Jahre alt.
Die drei Provinzen Pattani, Yala und Narathiwat haben laut thailändischem Militär die höchste Rate der Drogenabhängigkeit in Thailand. Laut Schätzungen ist einer von fünf Jugendlichen abhängig.
Die weitaus beliebteste Droge ist Kratom. Bei einer kürzlich angefertigten Studie stellte sich heraus, dass über 80 Prozent der Leute, die in diesen Provinzen leben, glauben, dass Drogen das größte Problem seien, und sie erwarten, dass die Regierung das löst.
Dorfbewohner berichteten über die hohe Kleinkriminalität, denn nur so können die meisten Abhängigen ihre Sucht finanzieren.
Die meisten Leute hier sind Farmer, wenn sie zu Bett gehen und niemand auf die Felder aufpasst, werden Sachen gestohlen“, sagte Samart Lakatap, ein Bewährungshelfer in Narathiwat. Auch die Dealer seien Drogenabhängige.

Zunahme

Die Sucht hat starke Auswirkungen auf Gemeinden und Beziehungen. Untreue war einmal der Hauptgrund für Scheidungen von moslemischen Ehen in der Provinz Pattani. Das hat sich kürzlich geändert, weil Frauen immer öfter ihre Ehemänner verlassen, wenn sie drogenabhängig sind.
Wenn ein Mann heutzutage um die Hand einer Frau anhält, dann ist die erste Frage, die der Vater der Frau stellt, ob der Freund Drogen nimmt“, sagte Ahama Hayeedermee vom Islamischen Rat Pattani.

Letztes Jahr erhielt der Rat 525 Scheidungsanträge, von denen 80 Prozent wegen Drogensucht gestellt wurden.
Vom Rat wurden Angebote für Meditationskurse bereitgestellt, aber die meisten Beschwerden endeten in Scheidung, weil viele Männer nicht zu den Gesprächen erschienen.

In einem Dorf in Narathiwat sagte Bewohner Ismail, dass sein Stiefsohn Zabar vor einem Jahr geheiratet habe. Vier Monate später habe sich seine Frau von ihm scheiden lassen, weil ihre Mutter herausfand, dass Zabar drogensüchtig ist.
Ismail begann mit Klebstoff, den er im Alter von neun Jahren schnüffelte. Dann rauchte er Marihuana und landete schließlich bei Yaba. Nach der zweiten Klasse ging er von der Schule ab. Im Alter von 16 saß er eine Strafe ab, zu der ihn ein Jugendgericht verurteilt hatte.

Hayeedermee vom Islamischen Rat sagte, Kratom-Sucht sei seit 2012 ein Problem, und er schätze, dass es in fast 90 Prozent aller Dörfer in Pattani Drogenabhängige gebe, die meisten Teenager.
Wir wissen nicht warum, aber die Anzahl der Süchtigen steigt“, sagte er. „Ich habe Soldaten gefragt, warum es in Pattani so viele Drogen gibt, und warum sie nicht an den Kontrollpunkten gefunden werden. Sie hatten darauf keine Antwort.

Finanzieren Drogen Aufständische?

Die thailändische Militärregierung behauptet, dass die Sicherheitslage im Süden sie davon abhält, sich genügend um das Drogenproblem in der Region kümmern zu können.
Es gibt aber einen „Geheimbericht“, der vom Nationalen Sicherheitsrat für das Kabinett 2009 angefertigt wurde, in dem steht, dass Aufständische Drogen benutzen, um Einfluss auf die Jugend zu nehmen, damit sie sich den Separatisten anschließen, aber auch Drogen verkauft und mit den Gewinnen die gewalttätigen Aktionen der Aufständischen finanziert werden.

Wenn wir Drogenbarone verhaften, finden wir auch oftmals Kriegswaffen“, sagte Oberst Suwan Chirdshai vom Internen Sicherheitskommando (ISOC), Region 4, das mit den militärischen Missionen im Süden betraut ist.
Wir bekommen auch oftmals Informationen darüber, dass die, die im Drogenhandel eine Rolle spielen, Geld an die Aufständischen überweisen. Von Sicherheitskräften Festgenommene bestätigten, dass sie mit Drogen bezahlt wurden.“
Doch diese Informationen stehen im Gegensatz zu dem, was die NGO Aids Access Foundation sagt.

Eine Feldstudie zwischen 2007 und 2011 zeigte, dass niemand, der den Aufständischen angehörte, etwas mit Drogen zu tun hatte.
Die Verlautbarung der Regierung ist, dass die Drogen von Aufständischen verbreitet werden … aber die Anwohner glauben, dass es die Regierung ist, die die Drogen mit sich bringt“, sagte Phrae Sirisakdamkoeng, Assistenzprofessor an der Silpakorn University, Fakultät Anthropologie. „Die einzige Frage, die sie haben, lautet: Wie kann es Drogen geben, wenn es so viele Kontrollpunkte gibt?
Oberst Suwan sagte, dass Fahrzeuge nur stichprobenartig überprüft werden, auch wenn es viele Kontrollstellen gibt. Genaue Inspektionen gibt es nur nach einem Tipp.
Da benötigt man schon einen Tipp, damit ein Fahrzeug genau durchsucht wird, und daher kommen die Drogen in Fahrzeugen, die nicht überprüft wurden“, sagte er.

Der neue Weg

Das thailändische Militär beschreitet andere Wege, um das Problem zu bekämpfen, beispielsweise Bildung.
In einem ISCOC-Zentrum gegen Drogenmissbrauch in Pattani schworen rund 145 Dorfbewohner, Dorfvorsteher, ehemalige Drogenabhängige und Dealer einen Eid. „Tu, was immer du tun musst, damit deine Kinder Drogen hassen“, sagte Oberst Suwan, der Direktor des Zentrums, der Menge.
Die Gruppe nimmt an dem Projekt Yalannanbaru teil, das ist Malay und bedeutet „der neue Weg.“

Mit Yalannanbaru wurde 2007 begonnen, in einem Projekt lernten Jugendliche, wie gefährlich die Drogensucht ist. Seit 2015 gehen Freiwillige in jedes Dorf und klären auf, Sicherheitskräfte sind dabei nicht anwesend.
Zurzeit gibt es 2.512 Freiwillige in 352 Dörfern, im nächsten Jahr sollen es 20.750 Freiwillige in 2.075 Dörfern sein.
Razzien zeigen nur wenig Erfolge, es ist unmöglich für die Drogensüchtigen aufzuhören, weil sie abhängig sind“, sagte Oberst Suwan. „Davon abgesehen kann die Regierung die Drogensüchtigen nicht erreichen.
Ladda Ningoh von der NGO Ozone Foundation sagte, die Regierung versuche das Drogenproblem auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zu lösen, aber hier gebe es ebenfalls Schwierigkeiten.
Ihnen eine Beschäftigung zu vermitteln und dann zu sagen, dass Projekt ist erfolgreich, weil es soundso viele Teilnehmer gibt, ist nicht sehr ehrlich, denn manchmal sind da Kautschukpflanzer, die das Friseurhandwerk lernen, nur weil die Vorgaben der Regierung erfüllt werden sollen“, sagte sie und fügte hinzu, dass die Kontrollen durch Dorfchefs zu weiteren Konflikten führen.

Wir sprechen nicht darüber

Einige Dorfbewohner nehmen die Angelegenheit in eigene Hände. Im Islam sind Drogen eine große Sünde, und in einigen Orten wurden Regeln aufgestellt, die als „hukum pakat“ bekannt sind. Drogenabhängigen ist es nicht erlaubt, sich religiös mit Religionsführern zu engagieren.

Im Dorf Ban Uyib werden täglich Metallteile, Kabel, Boiler und sogar Betelnüsse, Kokosnüsse, Bananen und Kautschukmatten gestohlen. Das führte dazu, dass die Bewohner ihre eigenen Regeln aufstellten. Drogensüchtige und Dealer werden bestraft und der Polizei gemeldet. Die Regeln, die im März in Kraft traten, wurden ausgedruckt und an der Moschee des Dorfes angebracht. Dorfchef Rosalee Hajiteh behauptet, seitdem gebe es keine Diebstähle mehr.

Doch in anderen Orten wird noch gegen Drogen angekämpft. „Ich habe dem Dorfchef gesagt, dass unsere Leute über die vielen Diebe hier nicht froh sind, aber er hat überhaupt nichts unternommen“, sagte Ismail im Dorf Marue Botok. „In unserem Dorf wird nicht darüber gesprochen, und die Regierung hilft nicht.” Alle Namen wurden geändert.

Beitragsquelle : http://www.bbc.com/news/world-asia-40081330?SThisFB

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