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Die unbekannten Leiden der Medizinstudenten

Die unbekannten Leiden der Medizinstudenten

Er war ein sehr viel versprechender Student, der, Anfang 20, bald an einem der renommiertesten Institute des Landes graduieren wollte. Die Leute sagten, er sei sowohl sozial als auch akademisch herausragend. Dann plötzlich, Ende vorletzten Monats, nahm er sich das Leben.

Von da an ging alles seinen gewohnten Gang, wenn es sich um den Selbstmord eines Medizinstudenten handelt. So oft sie auch Schlagzeilen machen und ein Schlaglicht auf die dunkle Seite eines von der Gesellschaft bewunderten Berufs werfen, so kommen die Einzelheiten Erklärungen meist nicht ans Licht.

Nach dem Todesfall im April wurde der Medizinfakultät am Siriraj Hospital vorgeworfen zu verschleiern, was passiert war, nachdem ein Student kritisiert worden war, nur weil er den Tod seines Kommilitonen in den sozialen Medien erwähnt hatte.

Das wiederum setzte eine Welle von Schulverteidigern in Bewegung, die argumentierten, dass kluge Köpfe zerbrechen, wenn sie dem toxischen Druck einer medizinischen Fakultät ausgesetzt sind.

Ein Student warnte andere über Depressionen in der Ärzteschaft und löste damit eine Hexenjagd aus, weil der das Image beschmutzt hatte“, schrieb der Administrator der populären Seite Drama Addict. Man habe ihn schriftlich aufgefordert, sich über die Angelegenheit nicht weiter zu äußern und „seine Nase“ da nicht „hineinzustecken“.

Siriraj bestreitet eine Verordnung zur Geheimhaltung, und sagt, man wisse nicht, weshalb der junge Mann sich das Leben nahm.

„Der Student hatte gute akademische Leistungen und war eine fröhliche, extrovertierte Person. Es gab keine Warnsignale“, teilte der Dekan der Fakultät, Prawit Watanapa, einen Tag nah dem Posting auf Drama Addict mit.

Der Medizinrat gab öffentlich zu, es gebe ein Problem mit Studentenselbstmorden, der Missstand sei seit über 40 Jahren chronisch. Grund seien starker Wettbewerb und der Erwartungsdruck seitens Eltern und Professoren.

„Junge Studenten sind sehr empfindlich“, sagte der Berater des Rates, Somsak Lohleka. „Institutionen haben dieses Problem niemals vernachlässigt oder unter den Teppich gekehrt, aber wir wollen nicht, dass es öffentlich wird, weil wir über den Nachahmungseffekt besorgt sind.

Medizin gehört zu den beliebtesten Studiengängen des Landes. 2017 erhielt das Konsortium thailändischer medizinischer Fakultäten 43.000 Bewerbungen, um die 2.666 Stellen zu besetzen.

Die hässliche Seite ist tief vergraben. Fakten über Selbstmorde unter thailändischen Ärzten sind weitestgehend verschwommen. Die aktuellste Studie über Selbstmorde von 262 Ärzten zwischen 1992 und 2001 ist entsprechend alt. 2006 sollen sich 18 Ärzte das Leben genommen haben.

Dann gibt es natürlich solche Leute, die nie ihr Ziel erreichen, auch hier gibt es kaum Einzelheiten. 2017 ertränkte sich ein Medizinstudent der Thammasat University. Ein Student von Siriraj sprang 2012 aus dem Fenster. Ein Student der Chulalongkorn University sprang 2005. Alle Studenten sollen an Stress in der Medizinschule und bei der Arbeit gelitten haben.

Medizinstudenten haben einen eigenen Namen wegen der Stressfaktoren: gin hua, das bedeutet wörtlich übersetzt „Kopf essen“. Hier geht es um Schikanen und Erniedrigung neben dem üblichen Initiierungsritual, das in der thailändischen Kultur üblich ist.
Gin hua gibt es lange Zeit“, sagte Amarase Pamarapa, Absolvent der medizinischen Fakultät an der Chulalongkorn University. „Wenn man noch unerfahren ist, hofft man auf einen Älteren, der einem zeigt, wo es lang geht, aber sie behandeln einen von oben herab und machen einen vor anderen lächerlich.

Die unbekannten Leiden der Medizinstudenten
Die unbekannten Leiden der Medizinstudenten

Nach dem letzten Selbstmord erzählten die Leute im Internet eine Geschichte nach der anderen, in denen es um unterschiedliche Formen der öffentlichen Bloßstellung ging – angefangen von Klassensuspendierung bis hin zu der Aufforderung, sich umzubringen oder vor Patienten auf die Knie zu gehen.

Das kommt häufig vor“, sagte Amarase. „Viele Leute glauben, das sei ein guter Weg, damit Studenten schnell lernen.

Eine Ärztin aus dem Nordosten, die ihren Namen nicht nennen wollte, berichtete, wie sie als Studentin behandelt worden ist.

Sehr wenige Professoren waren geduldig, wenn wir etwas nicht wussten. Einige meiner Freunde waren gestresst und mussten Medikamente gegen Depressionen nehmen“, sagte sie. „Einmal hatte ich die ganze Nacht Bereitschaft und daher wenig Zeit zur Vorbereitung. Ein Professor sagte mir auf der Station, dass ich als Ärztin solche Entschuldigungen nicht vorbringen könnte.

Am schlimmsten war für sie, dass ein Professor sie einmal vor der gesamten Klasse zur Schnecke machte, weil sie etwas nicht gewusst hatte. „Wenn ich Patient wäre, würde ich dich nicht als Ärztin haben wollen“, sagte er zu der Medizinstudentin, die daraufhin vor versammelter Mannschaft in Tränen ausbrach.

Danach schikanierte mich der Professor bei jeder Gelegenheit“ fuhr sie mit ihrer Erzählung fort. „Nach und nach konnte ich meine Gefühle nicht mehr kontrollieren. Ich war sehr gestresst. Ich esse gerne, bekam damals aber nichts mehr runter. Ich versuchte es mit Sport, sprach mit Freunden. Nichts half.

Sie legte schließlich eine längere Studienpause ein, um die Symptome unter Kontrolle zu bekommen.

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