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Die thailändisch-burmesische Grenze

Die thailändisch-burmesische Grenze

Die Beziehung zwischen Thailand und Burma ändert sich, weil sich die diplomatischen und wirtschaftlichen Verbindungen vertiefen. Das wirtschaftliche Leben im Grenzgebiet blüht. Aber die große und nach wie vor an den Rand gedrängte Migrantengemeinschaft in der thailändischen Grenzstadt Mae Sot sieht sich Herausforderungen gegenüber, weil Spender ihre Hilfe nach Burma leiten.

Über die thailändisch-burmesische Grenze wurde in den 80er Jahren einmal gesagt, dass hier der Schwarzmarkt blühe, Tausende Rinder Tag für Tag im Moei River baden und Waren wie Uhren, Radios, Textilien und andere Produkte vom relativ wohlhabenden Thailand in Ne Wins Burma gebracht werden. Die Karen erhoben an der Grenze die Steuern, die damit die Karen National Union (KNU) mit einem Einkommen ausstattete, mit der sie Soldaten ausbilden konnte, die dann das KNU-Territorium im südöstlichen Burma kontrollierten. Die thailändischen Behörden unternahmen nichts gegen den Handel und sahen die KNU als Puffer zwischen sich selbst und dem sozialistischen Burma an.

Heutzutage sieht die Grenzregion ganz anders aus. Man kann in einem klimatisierten Café zwischen Schauräumen aus Glas sitzen und die Fahrzeuge beobachten, die über die thailändisch-burmesische Freundschaftsbrücke fahren. Die Brücke ist Bestandteil des Asian Highway, einem massiven Infrastrukturprojekt, finanziert von der Asian Development Bank und der thailändischen Regierung, um das ehemals abgeschnittene Burma mit dem südostasiatischen Festland zu verbinden. Die Fahrzeuge halten am Checkpoint auf der thailändischen Seite der Grenze und werden dann ins ländliche Burma weiterfahren.

Die Freundschaftsbrücke symbolisiert mit ihrem Namen und ihrer Präsenz, ein Bauwerk über Fluss und Grenze hinweg, dass die thailändische und die burmesische Regierung enger denn je zusammenarbeiten, und dass aus ihrer Partnerschaft ein enormer Profit entsteht.

Die KNU unterzeichnete 2012 einen Waffenstillstandsvertrag, nachdem sie den größten Teil ihres Territoriums verloren hatte. Sie gab den profitgesteuerten Interessen von Thailand, Burma und anderen Ländern nach.

Die Freundschaftsbrücke wird nicht nur von Gütern überquert, sondern auch von Menschen. Nach wie vor gibt es in Thailand Flüchtlingslager. Doch die USA und andere Spender aus dem Westen, die den Karen-Flüchtlingslangern auf der thailändischen Seite der Grenze einst Millionen von Dollar zukommen ließen, helfen jetzt lieber direkt in Burma und leiten ihre Gelder dorthin um.

Neben den Leuten in den Flüchtlingslagern ist Mae Sot die Heimat von mindestens 100.000 burmesischen Migranten, die in der Nähe auf Farmen, in Fabriken und in kleinen Betrieben arbeiten. Neue Migranten kommen jeden Tag in Thailand an, sie versuchen, Geld für sich und ihre Familien zu verdienen. In Burma belegen die Einheimischen thailändische Sprachkurse. Wenn man Thai spricht, könne man einen Job in einem Hotel oder als Übersetzer bekommen. Dann brauche man nicht in der Fabrik arbeiten. Außerdem sei die Arbeit in Thailand immer noch besser als in Burma, berichtete ein Burmese.

Dass es in Mae Sot so viele Migranten gibt, ist natürlich nichts Neues. Seit rund 30 Jahren ist die Arbeitskraft der Migranten die Grundlage der Wirtschaft in der Grenzstadt. Mae Sot, so heißt es, sei auf dem Schweiß der Burmesen aufgebaut. In dem Gebiet ist eine Art Grenz-Sozialsystem aufgebaut worden, das es Migranten erlaubt, während sie im Exil sind, Sozialleistungen in Empfang zu nehmen, dazu gehören beispielsweise Zugang zur Gesundheitsvorsorge und zur Bildung. Angeboten wird dies durch Migrantengewerkschaften, NGOs oder religiöse Gruppierungen, um ein paar Beispiele zu nennen.

Das System ist erstaunlich umfassend. Es gibt nicht nur mehr als 60 Migrantenschulen im Gebiet Mae Sot, mehrere Organisationen bieten den Migranten ein komplettes Bildungssystem an, dazu gehören nicht nur die Bildungseinrichtungen selbst, sondern auch die Ausbildung von Lehrern und Gesundheitschecks in den Schulen.

Es gibt auch Sportveranstaltungen wie Fußball. Es spielen „kleine Mädchen“, „große Mädchen“, „kleine Jungen“ und „große Jungen“. Diejenigen, die nicht spielen, verfolgen von der Seitenlinie gespannt das Geschehen.

Trainer sprechen mit der Mannschaft, es gibt Siegerrufen und tröstende Umarmungen. Man kann leicht vergessen, dass die meisten dieser Migrantenschüler ein ärmliches Leben führen. Viele haben keine Papiere, nur ihren Schülerausweis, ihnen droht Armut und Ausbeutung. Organisationen, wie PlayOnside, die Fußballspiele organisiert, erlauben den Migranten ohne Papiere ein „normales Leben“ zu führen. Fußballspiele dienen dem Teamwork, der Führung und der Gleichheit in einem Kontext, in dem Migrantenschüler anderenfalls Entfremdung und Distanzierung ausgesetzt sind.

Es gibt Zeiten, wenn die Grenzen dieses Unterstützungssystems deutlich werden. Da ist ein Kind, das verschwand und Monate später im Drogenhandel wieder auftauchte. Ein anderes Kind wurde von einem Nachbarn sexuell missbraucht, als die Eltern bei der Arbeit waren. Vorfälle wie diese zeigen, wie wichtig das Grenzsozialsystem ist, Schulen, zum Beispiel, die den Kindern eine sichere Umgebung bieten, während die Eltern arbeiten, aber auch das hat seine Grenzen.

NGOs können Migranten und Familien natürlich unterstützen, aber Organisationen wie diese können kaum den Schutz des Staates ersetzen. Deshalb ist es problematisch, dass diese Organisationen Schwierigkeiten haben, ebenso wie die in den Flüchtlingslagern, weitere Fördermittel zu bekommen. Das Resultat ist die Schließung von Migrantenschulen, was den Kindern nicht nur die Bildung nimmt, sondern auch psychosoziale Vorteile.

Trotz der Kürzung der Mittel wollen Migranten nur zögerlich nach Hause. Gewalt gegen ethnische Minderheiten in Rakhine, Kachin und den nördlichen Shan-Staaten bezeugen, dass Burma noch nicht bereit ist für die Rückkehr der Exilanten.

Es gibt einen Grund, weshalb die Kämpfe zwischen den Tatmadaw und der Karen National Liberation Army (KNLA), dem bewaffneten Arm der KNU, im nördlichen Karen-Staat von den Spendern ernst genommen werden sollten.
Vom 4. bis 8. März kam es in dem Gebiet, in dem 1.700 Dörfern stehen, zu Gefechten. Die KNLA hat den Tatmadaw vorgeworfen, das für das gesamte Land geltende Waffenstillstandsabkommen zwischen diesen und den KNU verletzt zu haben.

Die Kämpfe helfen nicht dabei, dass die Gemeinden vor Ort an den Friedensprozess glauben, viele Leute kamen erst kürzlich wieder zurück in das Gebiet. Für die vielen 100.000 Migranten und Flüchtlinge in Thailand ist dies ein Zeichen, dass dem Friedensprozess in Burma nicht recht über den Weg getraut werden kann.

In Mae Sot sagte ein Shan-Migrant, der gerade aus Burma kam, er warte auf „richtigen Frieden, nicht nur auf ein Zeichen.

Eine andere Frage ist, wie es mit den Migranten in Thailand weitergehen soll, die als Gastarbeiter im Land sind. Zwar hat Thailand große Pläne, was die Entwicklung der Grenzgebiete betrifft – in einigen sollen Wirtschaftssonderzonen entstehen –, aber diese Pläne stellen einzig auf die Arbeitskraft der Migranten ab. Was ist mit ihren Familien, Kindern, dem Sozialsystem, das sie in Mae Sot aufgebaut haben? Wenn sich NGOs und andere Helfer aus dieser Region zurückziehen, dann wird diese Sicherheitsnetz, das zuvor schon seine Grenzen hatte, immer löchriger.

Beitragsquelle : http://www.newmandala.org/battlefield-marketplace/

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