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Die thai-chinesische Realität

Die thai-chinesische Realität

China und Thailand hatten schon immer eine besondere Beziehung, zumal die größte chinesische Gemeinde außerhalb Chinas in Thailand lebt, meint Anchalee Kongrut in der Bangkok Post. In der thailändischen Kultur können die chinesischen Einflüsse schnell gefunden werden. Kein Wunder, verließen doch viele Festlandchinesen ihre Heimat, weil sie der Armut, dem Kommunismus oder politischer Unterdrückung entfliehen wollten und in Thailands gastfreundlicher Umgebung ein neues Zuhause fanden.

China wurde schon immer als Freund angesehen – ein guter Freund, der einen anderen Freund nie im Stich lässt. Diese Redensart ist nicht nur ein Klischee. Genossen vom Festland haben ihre Zuneigung bewiesen. Während der Asienkrise 1997 gab der Freund Thailand die so dringend benötigten Kredite, während andere Freunde nur die kalte Schulter zeigten.

Für Thais ist die Volksrepublik ein niedlicher Drache. Er predigte nie und gab nach den vielen Putschen keine Befehle. Stattdessen gab es niedliche Pandas.

Trotz der engen Verbindung zwischen der Militärregierung und der chinesischen Führung wird die Freundschaft auf der Ebene des Volkes brüchig. Viele Thais sehen auf chinesische Touristen hinunter und lachen über ihr lächerliches Verhalten oder ihre schlechten Manieren, während andere den Chinesen ablehnend gegenüberstehen, weil chinesische Investoren Firmen eröffnen und auf dem thailändischen Tourismusmarkt zu Konkurrenten werden und die chinesischen Gemeinden immer größer werden. All das führt zu Sinophobie. Das interessiert die reichen Genossen allerdings nicht.

Meine persönliche Meinung ist, dass Thais Probleme mit der neuen Realität haben. Das entgleiste Schnellbahnprojekt zeigt, dass Peking nicht nur Kredite vergeben und Zugtechnologie verkaufen will, sondern auch Grundstücke für Entwicklungsprojekte braucht. Ein weiterer Punkt ist, dass chinesische Dämme den Mekong River flussaufwärts kontrollieren. Peking hat damit Einfluss auf den Wasserstand der Mekong-Länder, in die es massiv investiert hat und neue strategische Märkte aufbaut.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass Thais ihre Wahrnehmung gegenüber China zurechtrücken und ihre nördlichen Genossen so sehen, wie sie sind. Natürlich mögen die Chinesen Thailand und die Thais und machen in Thailand gern Urlaub. Aber sie sind auch Investoren, Profiteure, Künstler und Aktivisten mit unterschiedlichen politischen Ansichten und kulturellen Wurzeln. Kurz gesagt, sie sind Menschen mit ihren Vor- und Nachteilen. Sie sind nicht nur Touristen mit Gulag-Manieren, primitivem Verhalten auf Toiletten und fetten Brieftaschen. Sie sind keine Freunde, auf die wir uns verlassen können, wenn wir uns mit einem anderen Freund prügeln.

Persönlich mag ich die chinesische Kultur, die politische Geschichte und insbesondere die Leute. Aber trotzdem bin ich alarmiert, wenn ich von den chinesischen Investoren in Thailand, insbesondere am Unterlauf des Mekong River höre.

Wegen der Ausbeutung natürlicher Ressourcen durch chinesische Investoren wächst die Unzufriedenheit bei vielen Leuten.

Es ist aber unfair, chinesische Investoren oder andere Investoren oder Gäste für ihr schlechtes Benehmen verantwortlich zu machen. Immerhin sind ausländische Investoren wie Gäste. Ihr Benehmen ist der Beweis der Theorie der zerbrochenen Fenster. Bei dieser Theorie geht es darum, dass Leute durch ihr Umfeld beeinflusst werden. Wenn ein Haus zerbrochene Fensterscheiben hat, verwilderte Vorgärten und üble Gesellen als Eigentümer, dann ist Kriminalität nicht mehr weit. Wenn unsere Regierung die Interessen unseres Landes schützt und die Rechtsstaatlichkeit stark ist, dann werden sich Investoren auch zu benehmen wissen.

Wer etwas gegen die Staudämme in China hat und behauptet, sie würden das Wasser im Mekong River wegnehmen, der sollte einmal seine Augen öffnen. Thailändische Unternehmen und der staatliche Stromkonzern EGAT investieren in den umstrittenen Staudamm Xayaburi in Laos – um im Gegenzug später billigen Strom aus Laos zu erhalten. Thailändische Firmen investieren in Dämme am Salween River. Thailand kooperiert mit China, um Riffe im Mekong River zu sprengen, damit Frachter von Yunnan aus einfacher den Fluss befahren können. Die betroffene Dörfer im Bezirk Chiang Khong in Chiang Rai leiden seit über einem Jahrzehnt unter Pegelschwankungen, die nicht vorhergesagt werden können.

Während hier die Sinophobie um sich greift, sollten wir uns den Spiegel vorhalten.

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