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Die schrecklichen Straßen

Die schrecklichen Straßen

Jeder, der einmal auf einer thailändischen Autobahn gefahren ist, wäre kaum überrascht von der Tatsache, dass die Straßen im Land des Lächelns zu den tödlichsten der Welt gehören. Pro 100.000 Einwohnern sterben 36,2 bei Verkehrsunfällen. Das verkehrstechnisch sicherste europäische Land ist Schweden mit 2,8 Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner. Thailand, das so gerne ein Zentrum, ein „Hub“, für so vieles sein will, gehört seit vielen Jahrzehnten zu den Weltrekordhaltern, wenn es um Verkehrstote und im Straßenverkehr verletzte Personen geht.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der Weltdurchschnitt bei 17,4 Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner, weniger als die Hälfte im Vergleich zu Thailand.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn man eine Autobahn entlang fährt und plötzlich feststellt, dass ein entgegenkommender Fahrer meint, die Fahrbahn, die man gerade befährt, sei eine zweispurige Landstraße. An Ampeln in Bangkok, die bei rot kilometerlange Verkehrsstaus auslösen können, rasen die Fahrer bei grün wie bei einem Autorennen los, nur um einhundert Meter später wieder vor einer roten Ampel warten zu müssen.

An den Seiten von Bergstraßen liegen allerlei Autowracks: zu schnell gefahren oder im toten Winkel überholt. Söhnchen oder Töchterchen von Magnaten verursachen mit ihrem Ferrari, Maserati oder Porsche immer wieder Verkehrsunfälle, wenn sie in Fußgänger, Motorradfahrer oder in Autos hineinfahren – und kommen meist ohne Strafe davon.

Der Männlichkeitswahn spielt hier eine Rolle, ganz klar, aber auch drohender Gesichtsverlust, denn ein Mann kann es einfach nicht ertragen, wenn er von einem anderen Autofahrer überholt wird. Doch Alkohol dürfte wohl die größte Rolle spielen, denn bei 26 Prozent der Straßenverkehrstoten ist laut WHO Alkohol im Spiel.

Wenn Trucker lange Strecken fahren, halten sie sich mit Aufputschmitteln oder Methamphetaminen wach. Dauernd gibt es Unfälle, in die Reisebusse verwickelt sind. Die Opferzahlen bei diesen Unfällen sind entsprechend hoch.

Auch wenn es einen Zusammenhang zwischen Ländern mit niedrigen Einkommen und hoher Verkehrsunfallrate zu geben scheint, wobei hier die Fußgänger und Motorradfahrer die größte Gruppe der Todesopfer ausmachen, ist Thailand keinesfalls ein armes Land. Der Internationale Währungsfonds listet Thailand auf Rang 91 von 187 Ländern.

Laut Daten der WHO gibt es nur 28 Länder, in denen sieben Prozent der Weltbevölkerung leben, es handelt sich meist um die OECD-Länder, in denen es adäquate Straßenverkehrsordnungen gibt, die Risikofaktoren wie Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer, Helme, Sicherheitsgurte und Kindersitze regulieren. Mehr als ein Drittel von tödlichen Verkehrsunfällen in Ländern mit mittleren oder niedrigen Einkommen sind Fußgänger und Fahrrad- oder Motorradfahrer. In Ländern mit niedrigen Einkommen ist das laut WHO sogar noch schlimmer. Hier verursachen nur ein Prozent der registrierten Autos der Welt 16 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle, ein Indikator, dass die Verkehrstoten in keiner Proportion mit der Anzahl zugelassener Fahrzeuge in diesen armen Ländern stehen.

Libyen ist seit dem von US-Präsident Obama initiierten Sturz von Gaddafi ins politische Chaos versunken und völlig außer Kontrolle. Das nordafrikanische Land steht mit 73,4 Verkehrstoten pro 100.000 Einwohner uneinholbar auf Rang eins. Dann aber folgt schon Thailand mit 36,2. Auch sonst befindet sich das asiatische Königreich „in bester“ afrikanischer Gesellschaft: Malawi (35), Liberia (33,9), Kongo (33,2), Tansania (32,9) und Zentralafrikanische Republik (32,4).

Als diese neueste Statistik von World Atlas Anfang Dezember letzten Jahres veröffentlicht wurde, sagte die bloßgestellte thailändische Regierung wieder einmal, dass sie nun handeln werde. Der stellvertretende Innenminister Sutee Makboon sagte, dass man nun sicherstelle, dass die Gemeindeverwaltungen ihr Budget richtig einsetzen, damit Verkehrsunfälle vermieden werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Regierung neue Kampagnen zur Unfallverhütung durchführt. Bislang trugen sie aber keine Früchte. Zwar ging die Anzahl der Verkehrstoten während der „sieben gefährlichen Tage“ über Neujahr leicht zurück – von 478 auf 423 –, als wirklicher Erfolg kann das bei dem betriebenen Aufwand aber wohl kaum verkauft werden.

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