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Die Romanze kehrt zurück

Die Romanze kehrt zurück

Der kürzlich restaurierte Film Plae Kao, einer der wichtigsten thailändischen Filme der Kinogeschichte, kommt wieder auf die große Leinwand.

Die Verliebten reiten auf Büffeln durch ein grünes Feld, wirbeln Lehm auf, gehen boshaften Eltern aus dem Weg und leisten vor einem Schrein unter einem Banyanbaum einen Schwur. Doch ihre Romanze ist, wie alle Romanzen in Büchern oder im wahren Leben, an die man sich erinnert, wegen der Umstände zum Scheitern verurteilt, die Tragödie nimmt ihren Lauf. Das herzzerreißende Schicksal der Liebenden sucht in der siamesischen Literatur und im Film seinesgleichen.

Plae Kao (Die Narbe) ist die Verfilmung der Romanvorlage von Mai Muengderm. Der Film aus dem Jahre 1977 ist ein geliebter Klassiker. Regie führte Cherd Songsri. Der Film wurde restauriert und lief 41 Jahre nach seiner Produktion im September im Bangkoker Scala, wo er in altem 35-Millimeter-Glanz erstrahlte. Im Oktober dann wird der Film wieder aufgeführt, was in Thailand selten ist, wenn es sich um so alte Filme handelt.

Nicht viele Filme zeigen das ländliche Siam mit so viel Stolz, Ehrlichkeit und unbeschwerter Unschuld. Der Roman erschien 1936 und spielt auch zu dieser Zeit. Die Liebenden sind Kwan und Riam, deren Eltern verfeindete Rivalen sind, und als der Junge und das Mädchen Lieder singen und sich in den Schlammfeldern in Bangkapi wohl fühlen – damals war Bangkapi noch ein von Reisfeldern umgebenes Dorf –, ist ihre Liebe zueinander gleichzeitig etwas Verbotenes, sie führt zu Trennung, Unglück im herzlosen Bangkok, einem unausweichlichen Kampf und einer Tragödie unter dem Banyanbaum, wo sich sterbliche Liebende unsterbliche Liebe schwören.

Als der Film 1977 herauskam, erholte sich das Land gerade vom Aufruhr“, sagte Filmdozent Prawit Taeng-aksron, der damit die politischen Unruhen in den 70er Jahren meinte, die ihren Höhepunkt im Blutbad am 6. Oktober 1976 in der Thammasat Universität fanden. „Der Film zeigte irgendwie eine Art von Reinheit in einer Zeit der Verzweiflung. Die Leute wollten in eine bessere Zeit flüchten. Kein Wunder also, dass der Film so erfolgreich war.“

Es war schon ein Phänomen: Die Narbe spielte 13 Millionen Baht ein, bis dahin hatte ein Film noch nie so viel eingespielt. International wurde der Film auf mehrere europäische Festivals eingeladen, der Film gewann einen großen Preis in Frankreich. Das führte dazu, dass die Welt auf das thailändische Kino aufmerksam wurde zu einer Zeit, in der niemand außerhalb Thailands etwas darüber wusste. In vielerlei Weise führte der Film auch zu dem Image, wie Ausländer Siam sahen, nämlich als idyllisches Paradies, in dem gebräunte Jugendliche leben, die auf Büffeln durch regendurchtränkte Reisfelder reiten. (Interessanterweise entstand im selben Jahr ein weiterer wichtiger Film, Tongpan. In diesem marxistisch und sozialistisch inspirierten Doku-Drama geht es um das schwere Leben der Leute auf dem Land. Auch dieser Film wurde auf internationalen Festivals gezeigt und wird heute noch von Dozenten erwähnt.)

Kwan und Riam werden von Sorapong Chatree und Nantana Ngao-krachang gespielt. Die Narbe, wenn auch eine romantische Tragödie, gibt viel Anlass zur Nostalgie. 41 Jahre später befindet sich das Land immer noch irgendwie im Aufruhr, und Nostalgie in Bezug auf die goldenen Jahre der Vergangenheit ist weit verbreitet. Es gäbe kaum einen besseren Zeitpunkt, Die Narbe wieder im Kino zu zeigen.

Unser Restaurierungsprojekt davor war der Film Santi-Vina von 1954, den Film haben weder viele Leute gesehen noch von ihm gehört, denn das Originalnegativ galt für lange Zeit als verschollen“, sagte Sanchai Chotiroseranee, Vizedirektor des thailändischen Filmarchivs, das sich für die Restaurierung des Films verantwortlich zeigt.

Dieses Jahr hatten wir Plae Kao oder Die Nabe ausgesucht, weil es sich um einen beliebten Film handelt, einen Klassiker, der vielen Leute nahe geht. Wenn man ihn in einem guten Zustand erneut auf die Leinwand bringt, bleibt unser Filmerbe erhalten.

Der verstorbene Regisseur Cherd Songsri war und ist eine respektierte Person des thailändischen Kinos, ein Künstler, der bemüht war, das Medium zu benutzen, um „Thainess“ zu zeigen, was damals bescheiden die Wahrung von Traditionen, Ritualen und Geschichte bedeutete. Er begann Mitte der 60er Jahre mit dem Filmemachen und drehte in 16 Millimeter Filme wie Nohra, Mekhala und Payasoke. Cherd reiste dann in die USA, um „mehr über professionelles Filmemachen zu lernen“, wie seine Frau Chantana erzählte. Seine Erfahrungen in der westlichen Gesellschaft führten dazu, dass er sich nach Thailands Vergangenheit sehnte, und inspiriert kehrte er zu seinen Wurzen der traditionellen Kultur zurück. Die Narbe war da die perfekte Wahl. Es handelt sich um ein Remake, der Roman wurde zuvor bereits zweimal verfilmt: 1940 und 1954.

Nach seiner Rückkehr nach Thailand musste er erst einmal zwei romantische Komödien drehen, damit er bekannter wurde und Geld verdiente, um sein nächstes Projekt zu finanzieren. Als Die Narbe schließlich 1977 fertig war, wollte kein Verleiher die Verleihrechte erwerben in dem Glauben, dass der Film kein Erfolg werden würde. Cherd setzte sich persönlich mit einigen Kinos in Verbindung, damit sie den Film zeigten – heute würde man ihn einen „unabhängigen Filmemacher“ nennen – und schnell stellte sich heraus, dass die Verleiher unrecht gehabt hatten. In Bangkok war der Film ein großer Hit, dann in den Provinzen, und schnell wurde er zu einem nationalen Phänomen, der am den Kassen ein Rekordergebnis einspielte. Die Leute stellten sich schon im Morgengrauen an, um Karten zu ergattern, erinnerte sich Cherds Frau in einem Artikel, der kürzlich vom thailändischen Filmarchiv veröffentlicht wurde. Die beiden Stars, Sorapong and Nantana, wurden Symbole für den Jungen und das Mädchen auf dem Land, und die Namen der beiden Figuren, Kwan und Riam, stiegen zu einem klassischen Symbol, auf, das Schönheit und Traurigkeit einer jungen Liebe widerspiegelte.

Die unglaubliche Popularität des Films führte zu einer völlig verrückten Nostalgiewelle, und viele andere Filme, die in den darauf folgenden Jahren gedreht wurden, versuchten das zu kopieren.

Cherds Drehbuch war im Grunde besser als die Romanvorlage“, sagte Kulturdozent Rungsima Kullapat, der 1996 in seiner Doktorarbeit die drei Romanverfilmungen analysierte. „Cherd war auch ein Schriftsteller, und er ging sehr detailliert vor. So ist im Film beispielsweise ein Erntelied zu hören, er zeigt neben anderen Details auch den traditionellen Glauben und die Beziehungen zwischen den Figuren. Er machte die Geschichte reicher. Wenn man den Roman liest, weint man nicht. Beim Lesen des Drehbuchs fängt man an zu schluchzen.“

Anders als die meisten alten Thaiklassiker, wurde Die Narbe nie auf DVD veröffentlicht. Das bedeutet, dass es so gut wie überhaupt keine Möglichkeit gab, den Film zu sehen. Obwohl er einer der wichtigsten und auch erfolgreichsten Filme in der thailändische Filmhistorie ist, wurde der Film von der Generation nach 1977 kaum beachtet. Filmdozent Prawit meinte, nur eine Handvoll seiner Studenten würden den Film kennen.

Normalerweise sind Filmklassiker Grundlage für nationalen Stolz, in diesem Fall aber nicht“, sagte er. „Wollen wir hoffen, dass die Wiederaufführung von Die Narbe den Leuten näher bringt, wie wichtig dieser Film ist.

Beitragsquelle : https://www.bangkokpost.com/lifestyle/film/1542662/the-pastoral-romance-returns

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