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Die heile Welt

Die heile Welt

In meinen letzten beiden Kolumnen „Kulturschock am Strand“ und „Zu Besuch in Indien“ beschrieb ich die Veränderungen an der Beach Road im Norden und im Süden. In Höhe Central Road und in der Soi Buakhao scheint die Zeit aber stehen geblieben zu sein. Heile Welt, jedenfalls aus Farang-Sicht.

Aus der Soi Buakhao ist über die Jahre wenig Neues zu verkünden. Die Bars sind da wie eh und je, einige mögen ihren Namen gewechselt haben, was aber nicht heißt, dass es sich nicht um dieselbe Bar an demselben Ort handelt. Das gilt auch für Restaurants. Einige sind neu, einige weg, die meisten kennt man noch von früher.

Der Verkehr ist auch wie immer, in der Soi Buakhao sollte man gut aufpassen, damit man nicht überfahren wird. Am besten immer auf der rechten Straßenseite laufen, damit man dem Nirwana direkt ins Auge blicken kann, wenn man vorher nicht mehr ausweichen kann. Ansonsten läuft man Gefahr, von hinten erwischt zu werden ohne je zu erfahren, was das gewesen sein könnte.

In der Bar werden dann die üblichen Spielchen gespielt. Man lernt allerlei nette Leute kennen, zum Beispiel Australier. Die hören sich die Sprüche der Bargirls an und bringen ihnen dann so nette australische Redewendungen wie „Porky pie lie“ bei. Also auf Deutsch gesagt Bullshit.
Dann tauch noch ein Südafrikaner auf und vertieft das Afrikaans, das man im Kurs für Fortgeschrittene nicht mitbekommen hat.

„Howzit my china?“, bedeutet auf Afrikaans: „Wie geht’s, Kumpel.“
Die Antwort ist denkbar einfach zu merken: „Lekker, lekker.“
Mit „Lekker“ kann man auf Afrikaans einfach alles bezeichnen: Gut, schön, nett, fein oder auch lecker. Kommt auf den Zusammenhang an und ist einfach zu merken.

Vielleicht denken Sie daran, wenn Sie einmal einen Südafrikaner treffen. Er wird begeistert sein.

Nach der netten Unterrichtsstunde in australischen und südafrikanischen Redensarten geht es ans Bezahlen, und dann beginnt die Diskussion über das Trinkgeld.

Ich weiß schon, warum ich nicht oft in Bars gehe. Es hat sich nichts geändert, und auf solche Diskussionen habe ich einfach keine Lust. Die drallen Besatzungsmitglieder können mich nicht gerade begeistern.
Da gebe ich einer guten Freundin – ja, platonische Beziehungen zu Bargirls gibt es hier auch –, die mich die ganze Zeit unterhalten hat, direkt Trinkgeld, damit die anderen Giergeier sich das nicht unter den Nagel reißen, und dann muss ich mir von den Schicksen, die nichts anderes machten, als auf ihr Handy zu starren und ab und zu mit dem Finger Wischbewegungen zu machen, anhören, weshalb ich der Bar nur wenig Trinkgeld gebe, der Freundin aber mehr.

Zu allem Unglück fängt es jetzt auch noch an zu regnen. Schon nach wenigen Metern bin ich ziemlich durchnässt, also in die nächste Bar, in der wieder Diskussionen lauern, über das, was ich mache oder auch nicht. Eine Begrüßung in Form von „Hello sexy man“ ist auch dabei. Da müssen sie schon selbst drüber lachen, wenn sie das sagen, so abgedroschen ist diese Phrase.

Die heile Welt
Die heile Welt

Wie also kann man sich die Zeit bei Regen in der Soi Buakhao vertreiben?

Tree Town Pattaya
Tree Town Pattaya

Dieses komische Tree Town mit den baufälligen Hütten und dem fertigen Bau, der schon wieder verfällt, und dem Rohbau, der nie fertig wurde, kann bei aller Morbidität meine Begeisterung nicht wecken.

Vielleicht sollte ich mal kurz bei McDonald’s reinschauen. Diese Fastfood-Läden sind in der letzten Zeit wie Pilze aus dem Boden geschossen, früher gab es nicht so viele. Die Kundschaft besteht hauptsächlich aus Chinesen und Indern. Viele Farangs finden die jedenfalls nicht so toll.

Seit der Umstellung, man bekommt wie bei einer Behörde eine Nummer und muss dann warten, kann außerdem von „Fast“ keine Rede mehr sein. Irgendwann ist das Slow Food dann fertig, aber gut, bin sowieso nur hier, um Zeit tot-zuschlagen und darauf zu warten, dass der Regen aufhört.

Leider gießt es wie aus Kübeln, es hört gar nicht mehr auf. Die Beach Road steht garantiert wieder unter Wasser. Wenn man das nicht mal mit eigenen Augen gesehen hat, mag man nicht glauben, dass es das gibt.

Also rein in die nächste Massage. Mich zwickt und zwackt es in der Schulter. Die können mir bestimmt helfen. Aber wieso kommt die Dame im Bikini und meint, sich gleich neben mich legen zu müssen? Habe ich sie dazu aufgefordert? Oder sie darum gebeten, das Nichts auszuziehen, das sie da anhat?

Hier ist wirklich alles so, wie es vor Jahren auch schon war. Chinesen, verantwortlich für einen Kulturschock am Strand, und Inder, die sich nicht nur in Little Mumbai ausbreiten und einen glauben lassen könnten, in Indien zu Besuch zu sein, sind hier in der Soi Buakhao nicht so häufig anzutreffen wie anderswo.

Ja, hier ist es nicht nur für Südafrikaner, sondern für Farangs im Allgemeinen noch so richtig „lekker“.

Euer

Walter Weiß

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